Stadt sieht mit zulässigen Maßnahmen keine Möglichkeit zur Verringerung der Taubenpopulation in Viersen

Sie sind seit Jahren ein stetiges Thema: Die Viersener Stadttauben, deren Zahl gerade am Remigiusbrunnen immer wieder für Ärger sorgt. Mit einem Antrag hatte die CDU Viersen versucht eine Vergrämung der Tiere außerhalb der Innenstadt zu erreichen. Das Ergebnis der Stadt allerdings lässt keine Maßnahmen zu, die eine Verringerung der Taubenpopulation zur Folge hätten.
Von RS-Redakteur Dietmar Thelen

Viersen – Die Tauben bleiben da wo sie sind, wenn sie nicht gerade selber einen neuen Platz für ihren täglichen Aufenthalt suchen. Zu dieser Erkenntnis kommt die Stadt Viersen, nachdem die CDU-Fraktion beantragt hatte durch Maßnahmen eine Verringerung der Tauben und damit der Verschmutzungen am Remigiusbrunnen zu erreichen.
In seiner Sitzung im März dieses Jahrs hatte der Ordnungs- und Straßenverkehrsausschuss die Verwaltung beauftragt sich mit den Inhalten des Antrags sachlich und fachlich zu beschäftigen, jetzt zum Ende des Jahres wird der Ausschuss über die nicht vorhandenen Möglichkeiten informiert.

Bereits 2015 hatte die Verwaltung im Bereich des Bienenbrunnens ein Vergrämungsmittel eingesetzt, welches unangenehm auf die Tauben wirken sollte und ein Verweilen auf dem behandelten Baum wegen zu weichem Untergrund unattraktiv machte. Zwischenzeitlich sei allerdings bekannt geworden, dass die Tauben und auch andere Tiere durch den Gebrauch des Mittels Schaden nehmen können. Deshalb wird das Mittel von der Verwaltung vorsorglich nicht mehr verwendet, auch der Kreis Viersen geht davon aus, dass der Einsatz bedenklich sei. Problematisch sei in diesem Zusammenhang, dass zwar verschiedene Hersteller Abwehrmittel anbieten, diese allerdings ausschließlich an Fassaden oder Mauervorsprüngen Anwendung finden würden. Zwar gäbe es weitere Abwehrmöglichkeiten, aber die zulässigen Maßnahmen könnten alle nicht zu dem gewünschten Ziel führen.

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Mögliche Abwehrmittel und ihre Nebenwirkungen hat die Verwaltung für den kommenden Ausschuss zusammengestellt. Diese seien visköse Taubenvergrämungsmittel, die laut Hersteller durch ihre weiche Konsistenz, auf Tauben abschreckend wirken sollen. Die Mittel sind allerdings sehr klebrig und auch bei der Einhaltung der Vorgaben des Herstellers, ist eine Schädigung der Tauben und anderer Tiere nicht auszuschließen. Diese Eigenschaft der Mittel kann zu einem Konflikt mit dem Tierschutzgesetz führen. Dazu liegt eine Stellungnahme des Veterinäramtes des Kreis Viersen vor, die eindeutig diese Problematik aufzeigt und darauf hinweist, dass „[…] die Anwendung von Klebepasten zur Vergrämung von Tauben oder anderen Vögeln aus tierschutzrechtlicher Sicht rechtswidrig [ist] und […] ordnungsbehördliche und ahndungsrechtliche Maßnahmen zur Folge [hätte].“

Beim Anbringen von Metallspikern an den Ästen der Platanen dagegen, müsse mit Beschädigungen an den Bäumen gerechnet werden und mit dem Einwachsen der Metallteile. Dies könnte später zu Astbrüchen an den so geschwächten Stellen führen.
Netze in Bäumen stellten sich ähnlich problematisch dar, Tiere könnten sich darin verfangen und geschädigt werden. Diese Erfahrung wurde in der jüngeren Vergangenheit im Stadtgebiet Viersen bereits gemacht, als Tierschützer die tödlichen Vogelfallen an einer Süchtelner Kirche gemeldet hatten. Auch diese Methode kann zudem in Konflikt mit dem Tierschutzgesetz geraten. Angebotene Drahtsysteme seien ausschließlich für den Einsatz an Fassaden gedacht und ließen sich nicht verletzungsfrei für die Bäume in Bäumen installieren.

Ebenfalls ein Einkürzen der Platanen mit dem Ziel die Taubenpopulation zu reduzieren, sei aus fachlicher Sicht nicht zu vertreten. Umfangreiche Rückschnitte in Baumkronen (Kappungen) sind gemäß der einschlägigen Bestimmungen zur Baumpflege unzulässig. Diese führten nicht nur zu potenziellen Faulstellen an den Ästen in der Krone, sondern auch zu Schäden im Wurzelbereich durch die Unterversorgung mit Assimilaten aus der Baumkrone. Die Lebenszeit des so geschädigten Baumes würde erheblich verkürzt, sein Erscheinungsbild im Hinblick auf gestalterische Aspekte dauerhaft zerstört. Die sich nach dem Eingriff neu entwickelnde Baumkrone bestünden später aus Erneuerungstrieben. Diese würden in den folgenden Jahren ausbrechen und eine erhebliche Verkehrsgefährdung darstellen. Die Kappung sei im Abstand von 3-5 Jahren zu wiederholen und damit nicht nachhaltig. (dt)