Stadt stoppt vorerst Bauprojekt Rathaus der Zukunft

Aktuelle Detailplanungen machen deutlich: gestiegene Baukosten und Zinssteigerungen übersteigen die finanziellen Möglichkeiten der Stadt

Text/Bilder: PA-MG

Mönchengladbach – Der für kommenden Sommer vorgesehene Bau- und Investitionsbeschluss für das Rathaus der Zukunft steht in 2023 und voraussichtlich auch in absehbarer Zeit nicht mehr auf der Agenda der Verwaltung.

Das Bauvorhaben mit Sanierung, Umbau und Neubau am Standort in Rheydt wird bis auf Weiteres gestoppt. Das teilten Oberbürgermeister Felix Heinrichs, Stadtdirektor und Technischer Beigeordneter Dr. Gregor Bonin und Stadtkämmerer Michael Heck jetzt gemeinsam allen Beschäftigten der Stadtverwaltung, den Projektpartnern sowie den Ratsfraktionen mit.

Der Verwaltungsspitze war es wichtig, bereits zu diesem frühen Zeitpunkt auch die Projektpartner und Stakeholder sowie die Öffentlichkeit über die aktuellen Entwicklungen zu informieren. Am 29. März folgt ein Bericht in der öffentlichen Sitzung des Stadtrates.

Die derzeit laufenden Detailplanungen für das neue Rathaus und die damit verknüpften Kostenberechnungen machen zum jetzigen Zeitpunkt bereits deutlich, dass das Projekt wesentlich teurer wird als bisher kalkuliert und den avisierten Kostenrahmen weit übersteigen würde. Das endgültige Ergebnis mit umfänglichen Erkenntnissen zur Kostenermittlung, die derzeit im Zuge der laufenden Leistungsphase 3 erfolgt, wird die Verwaltung nach den Sommerferien den politischen Gremien vorstellen. Ebenso soll über mögliche Optionen des weiteren Vorgehens beraten werden.

„Vor dem Hintergrund der Kostenentwicklung des Projektes und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Haushaltes wird die Planung zum Rathaus der Zukunft mg plus bis zum Ende der Leistungsphase 3 fortgesetzt und dann trotz weiterhin vorhandener Wirtschaftlichkeit vorläufig beendet. Hinzu kommen die insgesamt schwierigen Rahmenbedingungen in der Baubranche und aktuellen Investitionsbedarfe der Stadt in vielen Bereichen, die dazu führen, dass wir uns das neue Rathaus, so sehr man es sich auch gewünscht hätte, schlichtweg vorerst nicht leisten können, auch wenn die aktuelle Kostenermittlung immer noch die wirtschaftlichere Variante ist gegenüber der Sanierung der bestehenden Liegenschaften. Eine Realisierung des neuen Rathauses wäre angesichts der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Haushaltes zum aktuellen Zeitpunkt nicht mehr verantwortbar“, betont die Verwaltungsspitze.

Als Hauptgründe nennen sie neben den massiv gestiegenen Baukosten auch die Zinssteigerungen der EZB auf dem Kapitalmarkt sowie den Angriffskrieg gegen die Ukraine und den daraus resultierenden Folgen unter anderem im Energiebereich. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies: Die ursprünglich ermittelte Kostenschätzung von rund 160 Millionen Euro hat sich über 194 Millionen Euro inzwischen auf rund 345 Millionen Euro vervielfacht. Die zur Umsetzung des gesamten Rathausprojektes erforderliche Kreditaufnahme im städtischen Haushalt beläuft sich aktuell auf 379 Euro.

Umgerechnet auf die Nutzungsdauer von 50 Jahren entstünde so eine jährliche Belastung des Ergebnishaushaltes durch Zinsaufwendungen und Abschreibungen von 22 Millionen Euro. Diese jährliche Mehrbelastung für den städtischen Haushalt kann auch durch die erwarteten Einsparungen nach Umsetzung des Rathauses der Zukunft nicht aufgefangen werden. Bis zum Sommer werden nun noch die laufenden Verträge erfüllt und damit die detaillierte Kostenberechnung vervollständigt sowie die Ergebnisse der aktuell laufenden Probebohrungen der im neuen Rathaus vorgesehenen Geothermie vorgenommen. „Trotz dieser Grundsatzentscheidung bleibt es nach wie vor das erklärte Ziel aller Beteiligten, die Rheydter Innenstadt weiter zu stärken, den Beschäftigten moderne Arbeitsbedingungen zu bieten und den Bürgerinnen und Bürgern einen besseren Bürgerservice zu ermöglichen“, betont die Verwaltungsspitze. An diesen Aufgaben werden wir nun in den nächsten Schritten intensiv arbeiten.