Straßenmagazin fiftyfifty Juli-Ausgabe

In der Juli-Ausgabe des Straßenmagazins fiftyfifty spekuliert Bestseller-Autor Wladimir Kaminer („Russendisko“ – verkaufte Auflage seiner Bücher fast 40 Mio. Exemplare!) exklusiv über die Zeit nach Putin. Der deutsch-russische Schriftsteller verurteilt den Krieg gegen die Ukraine: „Der Angriff war, zumindest formal, eine kollektive Entscheidung. Politische Eliten Russlands sind in die Blutpfütze getreten bzw. von ihrem Präsidenten geschubst worden.“

Text/Foto: fiftyfifty Straßenmagazin

Mönchengladbach – Doch eines Tages werde die Putin-Ära überwunden sein: „Zum Glück stehen die Gesetze der Biologie über jedem Grundgesetz. Und eines Tages wird sich auch dieser Oberbefehlshaber mit den Füßen nach vorne aus seinem Amt verabschieden. Das Land wird sich wieder verändern müssen, nur wie? Was wird das für ein Land sein, Russland nach Putin?“ Fazit: „Mit Geduld und Sorge wird Russland heilen und irgendwann mal fit und munter in die Familie der europäischen Völker zurückkehren.“ Hoffen wir, dass dies schnell geschieht, mag hinzugefügt sein.

Außerdem in der neuen fiftyfifty: Eine Analyse des wohl bekanntesten Armutsforschers Prof. Dr. Christoph Butterwegge über die soziale Spaltung durch Corona als Titelgeschichte. O-Ton: „Obdach- und Wohnungslose gehörten zweifellos zu den Hauptleidtragenden der Covid-19-Pandemie, standen jedoch weder im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit noch der staatlichen Fürsorge.“

Und: „Zu den Hauptprofiteuren des pandemiebedingten Krisendesasters gehörten einige der profitabelsten Unternehmen mit den reichsten Eigentümern.“ Die aktuelle Lage beschreibt Butterwegge wie folgt: „Durch das Emporschnellen der Verbraucherpreise vor allem im Bereich der Haushaltsenergie, der Kraftstoffe und der Nahrungsmittel wurde neben Transferleistungsbezieher:innen die untere Mittelschicht besonders stark belastet. Daraus folgt: Krisengewinnler sollten die Schuldenlasten von Bund, Ländern und Gemeinden abtragen, die Verlierer:innen der Coronakrise möglichst lange unterstützt und vom Staat passgenauer mit Hilfsmaßnahmen bedacht werden!“

Ein Beitrag von mir selbst behandelt den schmerzlichen Tod eines knapp 5 Jahre alten, krebskranken rumänischen Mädchens, das ich über Wichen betreut habe: „Wenn ich spazieren gehe, achte ich eigentlich nicht auf Hunde. Doch neuerdings fallen mir immer wieder diese kleinen weißen Bichons auf. Und dann muss ich unwillkürlich an Rahela denken. Ich habe sie immer bei meinen unzähligen Besuchen in der ihr verbliebenen Lebenszeit, einem Ritual folgend, gefragt, ob ich mit ihr sprechen dürfte. Stets dachte sie kurz nach und beschied dann zumeist gnädig, dass sie mir zuhören würde.

Manchmal durfte ich sie auch berühren. Ihre schönen Hände mit den kleinen, langen Fingern. Ihren kahlen Kopf. Und manchmal hob sie, mir abgewandt im Bett liegend, eine Hand und winkte huldvoll wie eine Prinzessin, wenn ich „la revedere“ sagte. … Ich fragte den Vater, ob er dabei gewesen sei, als Rahela ihren letzten Atemzug tat. Er berichtete, dass, weil sie schwer Luft bekam, er ihren Oberkörper leicht aufrichtete. In diesem Moment habe Rahela die Augen geöffnet, ihr gewinnendstes Lächeln aufgelegt und gesagt: „Tată, acum plec.” Papa, jetzt gehe ich. Dann ist sie gestorben. Manchmal, wenn ich auf der Straße einen Bichon sehe, denke ich an Rahela.“