Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe sprach mit Berufsschülern über Glücksspiel

Spielhallen, virtuelle Casinos, Pokern, Sportwetten: Glücksspiel boomt. Auch bei jungen Menschen – etwa jeder zehnte Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren setzt mehrmals im Monat Geld beim Spielen ein. Die Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe Kreis Viersen sprach darüber mit Berufsschülern.

Viersen – Vielen ist nicht bewusst, dass Glücksspiele auch ein erhebliches Suchtpotenzial bergen. Deshalb nahm die Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe gemeinsam mit dem Berufskolleg Viersen den bundeswei­ten Aktionstag Glücksspielsucht zum Anlass, die Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs auf das Thema aufmerksam zu machen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. In Nordrhein- Westfalen beteiligten sich Suchtberatungsstellen, Fachkliniken, Selbsthilfegruppen und die Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW am Aktionstag.

„Glücksspiele können spannende und auch entspannende Unterhaltungsmöglichkeiten sein“, sagte Anne Geerlings von der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe – aber: „Rund 600.000 Menschen in Deutschland sind abhängig vom Glücksspiel. Und davon sind nicht nur sie selbst betroffen, sondern auch Partner, Kinder und Freunde.“ Eine Glücksspielsucht schädige die Betroffenen und ihr Umfeld genauso wie etwa eine Drogen- oder Alkoholsucht. „Spielsüchtige verlieren nicht nur ihr Geld, sondern auch ihre Selbstkontrolle“, betonte Geerlings. Die Folgen seien häufig Vereinsamung, Depressionen, Scham, Geldnot: „Die suchthafte Suche nach dem vermeintlichen Glück im Spiel führt ins Unglück.“

Jugendliche und junge Erwachsene seien für die Glücksspielbranche eine besondere interessante und sehr umworbene Zielgruppe, erläuterte Yella Lennartz vom Bereich Prävention der Suchtberatung. „Viele verdienen gerade ihr eigenes Geld und beginnen, sich für öffentliche und private Spiele mit Geldeinsätzen zu interessieren. Für einige ist das der Beginn einer oft jahrzehntelangen ,Karriere’ als pathologische Glücksspieler.“ Am Spielautomat, beim Online-Poker oder bei Sportwetten lockt nicht nur der Gewinn, sondern auch  Anerkennung in Form von Punkten und Belohnungen. „Das Suchtpotenzial wird erhöht, wenn beispielsweise Jackpots winken, der Spieler schnelle Gewinn- und Verlustentscheidungen treffen muss oder das Gefühl hat, er könne den Spielverlauf steuern, indem er am Geldspielautomat die Tasten drückt oder beim Pokern blufft“, sagte Yella Lennartz. Wenn mit Punkten oder Jetons gespielt wird, merkt der Spieler oft erst später, wie viel Geld er gerade verloren hat.

Mit der Aktion im Berufskolleg wollte die Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe vorbeugen. „Die Jugendlichen sollen wissen, dass es uns gibt – auch für den Fall, dass Angehörige spielsüchtig sind“, sagte Anne Geerlings. In der Suchtberatung in Viersen-Dülken sowie in den Außenstellen in Willich, Nettetal und Kempen kann man sich nicht nur kostenlos und anonym informieren und das eigene Glücksspielverhalten diagnostisch abklären lassen. „Wir bieten auch eine professionelle Begleitung zum Ausstieg aus der Sucht an“, erläuterte Yella Lennartz.

Bildtext: Anne Geerlings (links) und Yella Lennartz von der Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe kamen am Aktionstag Glücksspielsucht mit Schülern des Berufskollegs Viersen ins Gespräch. (Foto: dieerfolgswerkstatt)  

Über den Verein Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe:

Seit 1973 kümmert sich der Verein Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe um suchtkranke Menschen. Als einziger Träger im Kreis Viersen bietet er Hilfe und Unterstützung für alle Formen von Sucht und ist für das gesamte Kreisgebiet zuständig. Sitz und Anlaufstelle des Vereins ist das Haus Kreuzherrenstraße 19 in Viersen-Dülken, Außenstellen gibt es in Nettetal, Willich und Kempen. Der Verein unterhält zudem mehrere ambulant betreute Wohngemeinschaften. Er beschäftigt mehr als 40 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.