Suchtkranke finden neue Perspektive in der „kaufbar“

Der Kreis Viersen, das Jobcenter Kreis Viersen und die „kaufbar“ gGmbH intensivieren ihre Zusammenarbeit. Im Sozialkaufhaus kaufbar in Viersen und Kempen beginnt ein Projekt, um Menschen mit einer Suchterkrankung den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben zu ermöglichen.

Viersen/Kempen – „Mit diesem Programm können wir motivierten Menschen eine berufliche Perspektive bieten und ihnen die Rückkehr in das Arbeitsleben erleichtern“, sagt Landrat Dr. Andreas Coenen. „Über die enge und zielgerichtete Zusammenarbeit helfen wir den Betroffenen schnell, konkret und individuell.“

Wollen Suchtkranken den Weg zurück in den Arbeitsmarkt erleichtern (v.l.): „kaufbar“-Geschäftsführer Reiner Lennertz, Landrat Dr. Andreas Coenen, Jobcenter-Geschäftsführer Franz-Josef Schmitz sowie Sozial- und Arbeitsdezernentin Katarina Esser.
Foto: Kreis Viersen

Bis zu 25 Personen mit einem Alkohol-, Drogen-, Medikamentenproblem oder einer anderen Suchterkrankung bekommen die Chance, eine Aufgabe in der kaufbar zu übernehmen. Die Teilnehmer arbeiten im Service, im Verkauf, im Transport, im Lager oder in der Organisation und Spendensortierung. Dabei sind Aufgabenbereich, Stundenzahl und Betreuung auf die Person individuell zugeschnitten – abhängig von der jeweiligen Erfahrung und Qualifizierung. „Motivierte Klienten werden nicht nur darin unterstützt, ihre Sucht zu bekämpfen. Sie erhalten auch ein passgenaues Angebot, um sich auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten“, sagt Katarina Esser, Dezernentin für Arbeit und Soziales des Kreises Viersen.

Wichtig ist, dass die Teilnehmer offen mit ihrer Sucht umgehen und diese im Beratungsgespräch im Jobcenter thematisieren. „Häufig erahnen wir das Suchtproblem bei unseren Beratungsgesprächen, können es aber nicht in die Vermittlung einbeziehen“, bestätigt Franz-Josef Schmitz, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Viersen. „Dann wird das Suchtproblem zum entscheidenden Vermittlungshemmnis.“ Langfristiges Ziel der Kooperation ist die Vermittlung der Teilnehmer in den Arbeitsmarkt. Neben der fachlichen Qualifizierung steht kurzfristig aber auch die soziale Re-Integration im Mittelpunkt, erklärt Reiner Lennertz, Geschäftsführer der „kaufbar“ gGmbH: „Menschen mit einem Suchtproblem erhalten durch eine regelmäßige Aufgabe eine Tagesstruktur, einen Sinn für ihren Alltag und trainieren Kommunikations- und Teamfähigkeit.“
Die Kooperation ist in der Pilotphase zunächst auf drei Jahre begrenzt. Anschließend werden die Projektpartner die Erfolge bewerten.

Das Sozialkaufhaus „kaufbar“ gGmbH befindet sich auf der Heimbachstraße 19A und der Gerberstraße 132 in Viersen sowie An St. Marien 16 in Kempen. Seit mehr als drei Jahren ist die kaufbar gGmbH in Trägerschaft der Vereine Kontakt-Rat-Hilfe und Brückenbau. Die neue Kooperation richtet sich in erster Linie an Klienten, die Arbeitslosengeld II beziehen. Sie bleiben in der Regel für maximal ein Jahr in der Maßnahme. Das Jobcenter trifft eine Vorauswahl geeigneter Kandidaten. Die letztendliche Entscheidung liegt bei der kaufbar. Der jährliche finanzielle Aufwand für den Kreis Viersen beträgt rund 160.000 Euro.
Die Kooperation knüpft an den sogenannten Community Reinforcement Approach an. Seit 2014 gibt es kreisweit dieses verhaltenstherapeutische Konzept verschiedener Partner aus dem Kreis Viersen zur Suchttherapie bei Abhängigkeitserkrankungen.