„Süchteln brannte“ bis spät in die Nacht

Die Bands kamen aus Neuss, Kiel, Kempen/Krefeld und Frankfurt – die Fans aus der ganzen Region, denn wenn „Süchteln brennt“ gibt es (fast) kein Halten mehr in der Musikszene.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen-Süchteln – Vor 23 Jahren wurde die Idee zu einem der beliebtesten Musikfestivals der Stadt beim Messdienerkreis geboren. Ein Rockfestival, welches heute weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Auch in diesem Jahr eröffnete der Abend das Festivaljahr in Viersen und zündete ein Rock-Feuerwerk der besonderen Art. Schließlich ist es eigentlich schon ein Highlight für sich, wenn sich das Josefshaus mit Technik und Lichtshow, Leinwand und Schwenkarmkamera in eine Eventlocation verwandelt, die mit den großen Bühnen dieser Welt ohne Probleme mithalten kann.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Auf ihr spielten in diesem Jahr vier regionale und überregionale Bands mit einem hervorragend abgestimmten Mix der wirklich jeden Geschmack traf im ausverkauften Josefshaus. Seit Ende der 80er servieren „The Nicks“ aus Krefeld ihren ungewaschenen Party-Ska auf den Bühnen der Republik und auch gern mal darüber hinaus. Rollender Rocksteady-Rhythmus von Gitarre und Orgel, eine Prise knalliges Blech, das Ganze scharf gewürzt mit einem groovenden Bass und derb-rauhen Vocals – das ist das bewährte Rezept, mit dem The Nicks das Publikum regelmäßig in tanzwütige Ska-Gourmets verwandeln. In Süchteln war es nicht anders, wobei sie bereits „alte Bekannte“ sind, spielten sie doch schon vor zwei Jahren bei „Süchteln brennt“ und waren im letzten Jahr in der Rockschicht zu Gast. Die Band, die vor 30 Jahren gegründet wurde, fand an diesem Abend garantiert neue Fans, nicht anders erging es „Elfmorgen“ – übrigens ebenfalls keine Unbekannten in Viersen.

Schon bei „Eier mit Speck“ begeisterte das Trio mit dem eigenartigen Namen der nichts von dem verrät was das Publikum erwartete, nämlich ein lauter Sound irgendwo zwischen Punk, Rock, Pop, irgendwas zwischen rotzig und frech sowie jede Menge Blödsinn. Rockmusik war es, vielleicht, vielleicht auch etwas ganz anderes, aber es war eigen, ehrlich und witzig verpackt. „Konsequent hinter´m Trend … Leitspruch oder Attitüde? EGAL!“, und die letzten Dinosaurier im Hessischen Newcomer Treiben wie die älteste Newcomer-Band Deutschlands von sich selber sagt. Die Band um Sänger und Gitarrist Andy, ist seit rund 20 Jahren irgendwo zwischen Punkrock und Fußballhymnen zu Hause.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Aus Neuss waren mit Gerry, Dave, Mikey, JME und Denis die Band Soledown, ein Alternative/Grunge-Quintett, angereist. 2010 gegründet waren sie bereits vor vier Jahren in Süchteln dabei, präsentierten in diesem Jahr ihr letztes Album „Mudbox“ und die aktuelle EP „Getting Dirty“. Aus Kiel-ifornia hatten „Tequila and the Sunrise Gang“ Ska- und Reggae-Klänge dabei. Die siebenköpfige Band brachen mit multi-instrumentalem Reggae-Rock-Sound und einem energiegeladenen Live-Auftritt über das Publikum herein wie ein wild zuckender Party-Tsunami.

Doch es wurde nicht nur gefeiert, wobei die Nackenmuskulatur die nächsten Tage mit einem leichten Brennen die Erinnerung an den Abend wach hält, sondern auch für den guten Zweck gesammelt, worüber sich der Verein Löwenkinder und das Don-Bosco-Heim in Viersen freuen dürfen. Eine weitere Überraschung gab es für Initiator Markus Heines, der an diesem Abend für seine engagierte Arbeit und Förderung des kulturellen Lebens in Viersen mit der Stadtplakette in Bronze ausgezeichnet wurde. (cs)

Markus Heines mit Stadtplakette in Bronze ausgezeichnet