Szene-Treff an der Kreuzkirche weiterhin sozialer Brennpunkt in der Viersener Südstadt

Die Einrichtung der Alkoholverbotszone in der Viersener Südstadt hat nicht die erhofften Auswirkungen gebracht. Nun will die Verwaltung mehr Informationen sammeln, denn bisher konnte noch kein konkreter Ansatz entwickelt werden.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Die Fälle von Wildpinkeleien häufen sich rund um die Evangelische Kreuzkirche in der Viersener Südstadt ebenso wie nächtliche Vorfälle oder Prügeleien. Im vergangenen Ausschuss für Gesundheit und Soziales wurde nun die aktuelle Situation beraten. Ein neues Konzept soll sich mit der Begleitung der Alkohol konsumierenden Menschen in der Südstadt durch ambulante pädagogische Maßnahmen befassen.

Die Problematik in der Südstadt ist bereits mehrfach im Ordnungs- und Straßenverkehrsausschuss diskutiert worden, weshalb bereits ein Alkoholverbot ausgesprochen wurde. Zwar wurde die Einführung von Mitarbeiter des Kontakt-Rat-Hilfe e.V., der im Auftrag des Kreises Viersen qualifizierte Beratungs- und Hilfeangebote für Suchtkranke und deren Angehörige sicherstellt begleitet, doch meist hatten die angetroffenen Personen kein Interesse an entsprechenden Hilfsangeboten.
In diesem Zusammenhang wurde über eine stationäre Anlaufstelle nachgedacht, ähnlich dem Café Berta in Dortmund, die alkoholkonsumierenden Menschen einen geschützten Raum gibt, jedoch stünden die Kosten einer solchen Maßnahme in keinem akzeptablen Verhältnis zu der zahlenmäßig überschaubaren Anzahl der Alkoholkonsumenten im öffentlichen Raum.

In der ersten Zeit führte der Präsenz des Ordnungsamtes teilweise zu einer Entspannung der Gesamtsituation, die Szene spaltete sich auf und verlagerte sich an andere Orte innerhalb der Stadt Viersen. Allerdings hat sich in den vergangenen Monaten die Situation wieder verschärft und so siedelten sich rund um die Kreuzkirche und in den anliegenden Parkanlagen wieder Gruppen an, die den Bereich zum Szene-Treff machten.

Das Ordnungsamt konnte sechs verschiedene Nutzergruppen darstellen, nur eine dieser Gruppen sei „sozialkonform“ und würde durch andere Szenen verdrängt. „Die fünf Szenen mit problematischem Verhalten bestehen aus Menschen mit unterschiedlichen Gemeinsamkeiten. Sie differenzieren sich nach Alter, Konsumgewohnheiten, Zuwanderungsgeschichte, Sesshaftigkeit, Tagesstruktur und z.T. auch nach Geschlechtern“, so die Ausführungen der Verwaltung. „Entsprechend vielfältig sind die vermuteten Problemlagen der in der jeweiligen Szene verorteten Personen. Umgekehrt gehen unterschiedliche Formen an Störungen des öffentlichen Friedens von diesen Gruppen aus. Beispielsweise wird die öffentliche Toilette nicht genutzt, vielmehr die angrenzenden Grünanlagen, während Personen anderer Szenen z.T. demonstrativ an die Kirchenmauer und auf die davorstehenden Bänke ihr „Geschäft“ verrichten.

Strahlen manche Gruppen konstant eine Aggressivität aus, die andere Nutzer zu vertreiben vermag, kommt es bei anderen erst ab einem gewissen Konsumpegel zu späteren Uhrzeiten zu lautstarken Unterhaltungen. Diese sind häufig konfliktgeladen und münden gelegentlich sogar in gegenseitige Körperverletzungen. Eine vornehmlich jüngere Szene, die sich in variierender Anzahl auf dem Kirchplatz und nachtaktiv auf dem Friedhof gruppiert, ist eher eventorientiert, was neben lauten Feierlichkeiten auch zu Sachbeschädigungen führt.“

Für diese Szenen mit einem „harten Kern“ von rund 25 Erwachsenen sollen nun ambulante und an ihre Bedürfnisse angepasste Angebote entwickelt werden, denn „Es konnte bisher noch kein konkreter Ansatz entwickelt werden, da es sich schlicht um zu viele verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen, Lebensumständen, Interessen und Problemlagen handelt.“

In der kommenden Zeit will die Verwaltung weitere Daten sammeln, so benötige man eine Statistik über Anzahl und Art der Einsätze von Ordnungsamt und Polizei. Ergänzt werde diese durch eine Liste mit Fragen, um die Hintergründe, Motivlagen und Bedürfnisse der Szeneangehörigen erfahren zu können. Erst nach einer Auswertung der Gespräche sollen „Ideen entwickelt werden, welche multiprofessionellen Ansätze erfolgversprechend sein könnten, um sie auch auf andere Sozialräume, die von den alkoholkonsumierenden Szenen genutzt werden (Festhallentreppe, Casino- und Hochzeitsgarten) anwenden zu können“. (nb)

Die Einrichtung der Alkoholverbotszone in der Viersener Südstadt hat nicht die erhofften Auswirkungen gebracht. Nun will die Verwaltung mehr Informationen sammeln, denn bisher konnte noch kein konkreter Ansatz entwickelt werden. Foto: Rheinischer Spiegel/Nadja Becker