Fall Greta: Sicherungsverwahrung, Serienstraftaten und ein Scheitern des Verfahrens?

Das Verfahren gegen die 25-jährige Erzieherin Sandra M. im sogenannten „Greta-Prozess“ zieht sich erneut in die Länge und könnte sogar scheitern. Nachdem zwar der Antrag der Verteidigung abgelehnt wurde, will die Nebenklage nun ein erneutes Sachverständigengutachten erstellen lassen, welches den Blick auf die Möglichkeit von Serienstraftaten und eine mögliche Sicherungsverwahrung legt.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen/Region – Der Antrag der Verteidigung zum Tod der kleinen Greta, dass diese ohne Fremdverschulden durch eine Vireninfektion zu Tode gekommen sein könnte, wurde durch das Gericht am Montagmittag abgewiesen. Bereits nach der Anhörung der Sachverständigen stünde fest, dass die gefundenen Viren nicht maßgeblich zum Tod der Dreijährigen geführt haben. Anstatt der Plädoyers schloss sich der Abweisung des Gerichts ein unangekündigter Antrag der Nebenklage an, der sichtbares Unverständnis beim vorsitzenden Richter Beckers hervorrief.

Die Anwälte der Nebenkläger beantragen ein vorhergehendes Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen wegen Besorgnis der Befangenheit abzulehnen, in welchem ihrer Meinung nach nicht ausreichend auf die Möglichkeit einer Sicherungsverwahrung aufgrund der Häufigkeit der Straftaten eingegangen wurde. Ebenfalls der Hang zur Begehung weiterer Straftaten sei nicht aufgeführt worden. Hierzu wurde zu einem früheren Zeitpunkt kein Auftrag erteilt, weshalb dies von einem fachspezifischen Sachverständigen unter anderem mit ergänzenden neurologischen Prüfungen nachgeholt werden soll und auch die bisherige Sachverständige nochmals gehört werden soll.

Nach den bisherigen Beweisaufnahmen wäre zu beachten, dass eine Vielzahl von Taten zugrunde gelegt werden, die in den Sachverhalt von Serienstraftaten fallen könnten. Es bestünde Besorgnis, dass die Angeklagte auch weiterhin Straftaten begehen würde, gerade weil die Angeklagte keinerlei Fehlverhalten annehmen würde.
Maßnahmenspezifische Untersuchungen sollen nach Wunsch der Nebenkläger nun nachgeholt werden, da insgesamt vier Kinder Opfer der Angeklagten wurden und es keine Anhaltspunkte dafür gab, dass diese mit ihren Taten trotz des Versterbens der kleinen Greta ein Ende finden würden.

Richter Beckers äußerte klar sein Unverständnis, warum nicht bei der vorhergehenden Akteneinsicht nachgefragt wurde. Das Gutachten liegt seit Januar vor. Zudem sei klar geworden, dass bereits Zeugen Schwierigkeiten hatten sich an Vorfälle aus 2018 zu erinnern. Es kommt hinzu, dass ein Kammermitglied Ende März das Gericht verlässt, was das Verfahren erneut in die Länge ziehen würde. Als Mittelweg brachte die Nebenklage die Bitte ein die Sachverständige, die sie vorab wegen Befangenheit aufgrund von Widersprüchen ablehnen wollten, nochmals zu hören. Danach könne man über das Aufrechterhalten der Anträge neu entscheiden.

Doch das Zustimmen zu dem Kompromissvorschlag stand der Meinung des Gerichts entgegen, denn die Sachverständige war bereits mündlich in der Verhandlung auf die Fragen eingegangen, auf der anderen Seite hielt die Nebenklage ihre Anträge aufrecht. Die Entscheidung über die Anträge wurde auf Dienstagmittag dieser Woche vertagt. Es besteht mit einem terminlich eng besetzten Kalender im März nun die Möglichkeit, dass das Verfahren scheitern könnte, wenn bei einem Zulassen der Anträge nicht rechtzeitig ein Urteil vor Ende des Monats gefunden wird. (nb)

Nach den bisherigen Beweisaufnahmen wäre zu beachten, dass eine Vielzahl von Taten zugrunde gelegt werden, die in den Sachverhalt von Serienstraftaten fallen könnten, so der Antrag der Nebenkläger. Foto: Rheinischer Spiegel

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