Telefonseelsorge feierte Jubiläum in der Friedenskirche

„Ich halte das, was in der Arbeit der TS geschieht, grundsätzlich für eine der Kernaufgaben der christlichen Kirchen“, sagte Pfarrer Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Er hielt die Predigt im Festgottesdienst in der Friedenskirche Krefeld zum Jubiläum der Telefonseelsorge Krefeld-Mönchengladbach-Rheydt-Viersen, kurz TS.

Krefeld – Wenn bisweilen öffentlich zum Teil sehr kritisch über die Rolle der Kirche und ihre Beiträge für die Gesellschaft diskutiert werde, verweise er sehr gerne auf die Arbeit der Telefonseelsorge: „Sie ist Dienst für den Menschen und sie ist zugleich auch Dienst an der Gesellschaft. Was in der Seelsorge geschieht, ist vertraulich und wird deshalb nicht öffentlich wahrgenommen. Wenn aber die seelsorgliche Arbeit der Kirchen nicht stattfände, wäre dies überall spürbar.“ „Du bist nicht allein“ – mit diesem Satz war der Festgottesdienst zum 50. Geburtstag der Telefonseelsorge überschrieben. Hans-Henning von Bassewitz, Vorsitzender des Kuratoriums der Telefonseelsorge, begrüßte die Festgäste und moderierte den Geburtstag. Den Gottesdienst gestalteten gemeinsam Vertreter der Träger, der evangelischen und katholischen Kirche: Präses Manfred Rekowski und der Domkapitular des Bistums Aachen, Pfarrer Rolf-Peter Cremer. Musikalisch wurde der Gottesdienst umrahmt von dem Uerdinger Gospelchor RheinVoices.

Am 1. Juni 1969 wurde die Telefonseelsorge durch Pater Franz Nüßlein in den Räumen des Kapuzinerklosters an der Hülser Straße in Krefeld gegründet. Zunächst in katholischer Trägerschaft, wurde sie am 1. Januar 1973 ökumenisch. Riefen zu Beginn etwa 3.500 Ratsuchende an, sind es heute bis zu 15.000 Anrufe pro Jahr. Hinzu kommt das Beantworten von Fragen per Mail. „Die Telefonseelsorge ist eine gute Adresse für Menschen, die sich sorgen“, betonte Präses Rekowski in seiner Predigt. „Mit Sorgen kennen Sie sich aus: Die Telefonseelsorge ist offen für alle Problembereiche, für alle Anrufenden in ihren jeweiligen Situationen – unabhängig von Konfession und Weltanschauung, von Nationalität, Alter oder Geschlecht.“ Die Vertreter von Stadt und Kreis waren sich in ihren Grußworten einig: „Das, was Sie hier tun, ist praktiziertes Christentum“, meinte Frank Meyer, Oberbürgermeister der Stadt Krefeld. „Ich bewundere sehr, dass Sie in ihrem ehrenamtlichen Engagement so eine herausfordernde Aufgabe übernehmen.“ Die Bedeutung der TS unterstrich auch Hans Wilhelm Reiners, Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach: „Es kann sich niemand vor schützen, dass man plötzlich jemand braucht.“ Andreas Coenen, Landrat des Kreis Viersen stimmte dem zu: „Diese Arbeit können wir gar nicht hoch genug wertschätzen.“ Er bedankte sich im Namen aller, die diese Möglichkeit anzurufen wahrnehmen dürfen.

Seit fünf Jahrzehnten bieten die Mitarbeitenden der TS Krefeld-Mönchengladbach-Rheydt-Viersen den Menschen an, bei Ihnen anzurufen, wenn Sorgen zu groß werden. Das sind zur Zeit 64 Ehrenamtliche und die Hauptamtlichen, rund um die Uhr im Haus der Regionen am Dionysiusplatz. Hauptamtliche sind: Leiterin Andrea Arndt, Stellvertreter Erich Franken und Dr. Annette Valentin sowie Kerstin Schmidt im Sekretariat. Für Andrea Arndt, seit Juli Leiterin der Dienststelle, steht jetzt – nach den Feierlichkeiten zum Jubiläum – erst mal die nächste Ausbildungsgruppe an. So wurde in der Gesprächsrunde, die Sven Ludwig, Chefredakteur der Welle Niederrhein, zum Ende des Festaktes moderierte, deutlich. Zunächst der Info-Abend am 24. September um 18 Uhr im Haus der Regionen am Dionysiusplatz, und dann die mehrmonatige Ausbildung. Dringend gebraucht werden neue Ehrenamtliche, um weiter Tag und Nacht für die Sorgen der Anrufenden zur Verfügung stehen zu können. Um die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Eine Ehrenamtliche, seit 12 Jahren bei der Telefonseelsorge aktiv, erinnert sich in der Gesprächsrunde, warum sie damals begann: „Mich hat die Ausbildung damals ganz dolle angesprochen“. Es sei eine anspruchsvolle Arbeit, mit Themen so bunt wie das Leben, doch: „Man bekommt sehr viel zurück“.

Foto: Telefonseelsorge