Der Himmel über der Stadt zeigte sich am gestrigen Samstagvormittag grau und launisch, doch die Nässe konnte die Entschlossenheit der Viersener Tennisszene nicht trüben. Vor dem Stadthaus versammelten sich Mitglieder und Unterstützer des TC Süchteln, des TC Dülken und des Viersener Tennis- und Hockeyclubs – vereint in Tenniskleidung, mit Schlägern in der Hand und einem klaren Ziel vor Augen: Sie wollen eine neue Tennishalle für ihre Stadt.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Leo Dillikrath
Viersen – Auf bunten Plakaten prangten Botschaften wie „Gemeinsam für eine neue Halle, weil Sport verbindet. Das Match beginnt, wir geben nicht auf!“ oder „Viersen lässt seine Kinder im Regen stehen!“. Es war keine gewöhnliche Demonstration – es war ein symbolisches Match gegen den Stillstand, ein Spiel um nichts Geringeres als die sportliche Zukunft.

Seit dem Sommer 2025 steht fest: Der Tennissport in Viersen und Umgebung hat im Winter keine Heimat mehr. Mit dem Wegfall von insgesamt 20 Hallenplätzen im Kreisgebiet ist ein dramatisches Vakuum entstanden. Die Halle in Grefrath musste wegen Baufälligkeit schließen, in St. Tönis wurden Tennisplätze in eine Padelhalle umgewandelt, und die Viersener Tennishalle hat nach einem Eigentümerwechsel ihre Pforten für Tennisspieler geschlossen. Was bleibt sind offene Plätze – und geschlossene Perspektiven.
Doch die drei traditionsreichen Vereine, deren Geschichte bis ins 19. Jahrhundert reicht, entschieden sich früh, nicht tatenlos zuzusehen. In einer bisher beispiellosen Aktion gründeten sie gemeinsam eine gemeinnützige GmbH, die eine neue Tennishalle planen, bauen und betreiben soll. Über 1.300 Sportlerinnen und Sportler – darunter mehr als 300 Kinder und Jugendliche – hoffen auf eine Zukunft unter Dach. Alle Voraussetzungen sind geschaffen: Konzepte liegen vor, Finanzierungspläne sind erarbeitet, Architekten haben Entwürfe geliefert. Was fehlt, ist die Entscheidung der Stadt Viersen über ein passendes Grundstück.

„Wir haben alles vorbereitet, wir stehen in den Startlöchern – aber ohne Grundstück können wir nicht aufschlagen“, erklärten die Vereinsvorstände unisono. Hinter den Worten steckt nicht nur Frust, sondern auch Sorge. Denn ohne Wintertraining droht die Nachwuchsarbeit zusammenzubrechen. Besonders die Jugend, das Herzstück jedes Vereins, steht vor einer ungewissen Zukunft.
Trotz positiver Signale aus Politik und Verwaltung zieht sich die Klärung in die Länge. Gespräche wurden geführt, Zusagen in Aussicht gestellt, doch bis heute wartet man auf eine konkrete Entscheidung. Jeder verlorene Monat bringt die Pläne in Gefahr – und mit ihnen die Hoffnung, bereits im Herbst 2026 wieder in einer eigenen Halle trainieren zu können.

Die Demonstrierenden zeigten am Samstag, dass sie nicht bereit sind, diese Zukunft kampflos aufzugeben. Auf der nassen Pflasterung des Rathausvorplatzes prallten Tennisbälle gegen Schläger, Kinder liefen lachend zwischen Transparenten hindurch, Erwachsene bildeten symbolisch Spielfelder. Zwischen Plakaten und Transparenten herrschte eine Stimmung aus Entschlossenheit und Gemeinschaftsgeist. „Tennis in Viersen lebt – und wir stehen zusammen für unsere Zukunft“, unterstrich ein Teilnehmer. Dass die Situation ernst ist, steht außer Frage. Ohne eine neue Halle ist kein geregeltes Wintertraining möglich – und damit kein kontinuierlicher Spielbetrieb. Die Vereine warnen, dass ohne schnelle Lösung ganze Mannschaften auseinanderfallen könnten. „Wenn wir unserer Jugend keine Perspektive bieten können, verlieren wir sie an andere Sportarten – oder an die Couch“, so ein Demonstrant.
Doch am Samstagvormittag ging es nicht nur um Forderungen, sondern auch um ein Signal: Der Zusammenschluss der drei Vereine zeigt, dass der Tennissport in Viersen lebt – trotz aller Widrigkeiten. Die gemeinsame gGmbH ist ein Projekt, das über Vereinsgrenzen hinausgeht und für viele als Musterbeispiel bürgerschaftlichen Engagements gilt. Die Botschaft der Demonstration war deutlich: Die Tennisspielerinnen und Tennisspieler dieser Stadt wollen nicht länger warten. Sie wollen nicht, dass Viersen seine Kinder und Jugendlichen im Regen stehen lässt – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. (nb)





