Tiefensammler verzögert sich um weitere fünf Monate

Voraussichtlich eine zeitliche Verzögerung von fünf Monaten und 2,8 Millionen Euro Mehrkosten für die Gebührenzahler wurden nun bekannt, nachdem beim Projekt Tiefensammler Risse in Rohrelementen entstanden waren. Betroffene kritisieren den fehlenden Informationsfluss der Öffentlichkeit. 
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Im Mischwassernetz Alt-Viersen besteht kein ausreichendes Rückhaltevolumen. Aus diesem Grund hatte die Stadt Viersen beschlossen Rückhaltevolumen zu schaffen und die NEW mit der technischen Umsetzung beauftragt. Seitdem ist die Freiheitsstraße eine große Baustelle und es scheiden sich die Geister ob der Bau wirklich notwendig ist. Der Bau mehrerer Regenrückhaltebecken ist aufgrund der vorhandenen Bebauung mitten in der Stadt nicht möglich. Das Problem soll deshalb gelöst werden, indem über eine Strecke von 2,5 Kilometern unterirdisch ein Regenrückhaltekanal – der sogenannte Tiefensammler – gebaut wird. Das Wasser wird wie in einer unterirdischen Tiefgarage zwischengeparkt. Der Tiefensammler fasst nach Fertigstellung ein Volumen von 17.500 Kubikmeter Wasser, das entspricht der Füllmenge von acht olympischen Schwimmbecken.

Ursprünglich sollten die Arbeiten bis Juli 2022 andauern, die Kosten tragen die Gebührenzahler. Auf diese kommen zu den bereits rund 25 Millionen Euro jetzt noch einmal rund 2,8 Millionen Euro Mehrkosten zu. Wie ein NEW-Sprecher erklärte, ist es beim ersten Vortrieb zu erhöhten Presskräften gekommen, in deren Folge Risse in zwei Rohrelementen entstanden sind. Die Rohre sind bereits saniert. Insgesamt sind knapp 200 Rohrelemente verbaut worden. Der Vortrieb geschieht im Grundwasser. Ursache für erhöhten Presskräfte ist der Auftrieb der Rohre (Aufschwimmen) im umgebenden stehenden Bohrkörper, der während des Vortriebs auf die Rohre gewirkt hat.

Bei den kommenden zwei Vortriebsstrecken besteht das Risiko, dass dieses Problem noch einmal aufritt und der Folge der Vortrieb zum Erliegen kommt. Die Folge wäre eine aufwendige Bergung des Bohrkopfes. Um dieses Problem zu vermeiden, werden die Rohre ballastiert. Die Kosten hierfür betragen ungefähr 2,8 Millionen Euro, das sind rund acht Prozent der Gesamtprojektkosten. Die Maßnahme kann eine zeitliche Verzögerung von circa fünf Monaten bedeuten.

Für Diskussionen sorgt die Informationspolitik, denn die Politik wurde von der SPD-Bürgermeisterin in der vergangenen Ratssitzung im nicht-öffentlichen Teil über die Verzögerung und Kosten informiert. Für die Öffentlichkeit sei die NEW zuständig, doch nicht nur Ratsmitglieder sahen kritisch, dass diese Informationen bisher nicht von den Beteiligten öffentlich gemacht wurden. Ebenfalls Betroffene der angrenzenden Straßen, Geschäftsinhaber sowie die Bürgerinitiative Viersen-Hamm kritisieren den fehlenden Informationsfluss von Stadt und NEW scharf. (nb)

Tiefensammler Viersen
Tiefensammler Viersen – Foto: Rheinischer Spiegel