Tiere in Not – Hammer Bach von Austrocknung bedroht

Die hohen Temperaturen und ein Bieber sorgen erstmals in den vergangenen Jahrzehnten für eine Austrocknung des Hammer Bachs. In dem kleinen Wasserlauf leben neben Fischen auch Süßwassermuscheln, die zu den gefährdeten Arten gehören. Bereits seit Tagen kämpft die Bürgerinitiative Viersen-Hamm gemeinsam mit Anwohnern bisher ohne nachhaltigen Erfolg um ein Auffüllen des Bachverlaufs.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen-Hamm/Kommentar – Der Hammer Bach ist trockengefallen. Eine Meldung, wie es sie in den vergangenen Jahren noch nicht gegeben hat. Bisher hat der kleine Wasserlauf die Temperaturen ertragen und seine vielfältigen Bewohner geschützt. Nicht nur bei den steigenden sommerlichen Hitzewellen ist jedoch alles anders, zusätzlich hat sich ein Bieber an dem Abfluss aus dem nahe gelegenen Regenrückhaltebecken entlang der Hammer Schanze ein neues Zuhause gesucht.
Damit treffen ganz unterschiedliche, ungünstige Situationen aufeinander, denn im Hammer Bach leben Tiere sowie durchaus bis zu 15 cm große Süßwassermuscheln, die zu den geschützten Arten gehören – so wie der Bieber selbst.

In dieser Woche haben Anwohner der Hammer Schanze die Austrocknung gemeldet und sich, nachdem die Zuständigkeiten nicht geklärt werden konnten, an die Bürgerinitiative Viersen-Hamm gewandt, die zunächst das Kreisumweltamt verständigte. Nach einem Besuch der hinzugezogenen Feuerwehr war klar, ein Bieber hatte den Zulauf stark reduziert. Doch auch nach dem Entfernen und sogar dem Einlassen von Wasser durch die Freiwillige Feuerwehr entlang der Alten Bachstraße blieb der Hammer Bach an der Hammer Schanze und im weiteren Verlauf zu trocken. Mittlerweile haben engagierte Anwohner selber Trinkwasser in das Wasserbett eingeleitet.

Diverse seltene Muscheln und Fische hat die Bürgerinitiative Viersen-Hamm gemeinsam mit engagierten Helfern bisher per Hand und Eimer retten können. Foto: Rheinischer Spiegel

Eine beherzte Unterstützung für den Hammer Bach, die jedoch nur zeitweise für Hilfe sorgt, denn der Zufluss zum Regenwasserrückhaltebecken aus der Alten Bachstraße und die nasse Spende der Anwohner hat nicht gereicht, die letzten zwei Kilometer Bachlauf bis zur Niers wieder mit Wasser zu füllen. Beim Einlauf in die Niers ist der Hammer Bach mittlerweile ausgetrocknet, was zum Sterben der Wasserlebewesen geführt hat.

Zudem bringt das Einlassen von Trink- oder Grundwasser eine weitere Problematik mit sich, denn nicht alle Tiere können in dem gereinigten Trinkwasser auf Dauer überleben. Die Bürgerinitiative Viersen-Hamm habe daher zum Dezernat für Umwelt des Kreises Viersen erneut Kontakt mit wenig Erfolg aufgenommen und ebenfalls ein Anruf im Büro des Landrates brachte bisher keine weiteren, dringend benötigten Maßnahmen. Ebenfalls der Vorschlag, Wasser aus der Niers zu entnehmen, um den Hammer Bach zu fluten, welches am Ende des Bachlaufs wieder in die Niers zurückfließt, stieß bisher nicht auf Gegenliebe – zunächst müsse hierzu der Niersverband eine Genehmigung erteilen. Man wolle das Geschehen zunächst „prüfen“ und dann agieren – hoffentlich kommt diese Hilfe dann nicht für die Tierwelt im Hammer Bach zu spät. Bei wenig Wasser im Bach erhitzt sich das Wasser schneller und kann noch weniger lebensnotwendigen Sauerstoff speichern.

Um das Sterben der Wasserbewohner einzudämmen, ist die Bürgerinitiative aktuell trotz der Temperaturen vor Ort und sammelt Muscheln sowie nach Luft schnappende Fische (sogar Aale) ein, um sie im benachbarten Regenrückhaltebecken wieder freizulassen. Hier scheint sich das nächste Problem anzubahnen, denn erste Sichtungen lassen darauf schließen, dass der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt – ein erstes Anzeigen für ein Umkippen des Sees. Hier wird dringend ein Sprudler nötig, um den Sauerstoffgehalt zu erhöhen.  (cs)

Der Hammer Bach ist trockengefallen. Eine Meldung, wie es sie in den vergangenen Jahren noch nicht gegeben hat. Foto: Rheinischer Spiegel