Tierschützer kamen am Viersener Schlachthof zur Mahnwache zusammen

Die roten Friedhofslichter und großen Schilder „Fleisch ist Mord“ ließen viele Autofahrer kurzzeitig langsamer fahren, neugierig verfolgten sie das Geschehen am Freitag an der Gerberstraße. Wie bereits in den vergangenen Jahren kamen hier Tierschützer vor dem Viersener Schlachthof zu einer Weihnachtsmahnwache zusammen und riefen in Erinnerung was viele vergessen, wenn das Steak auf dem Teller liegt.

Viersen – Auf rund 87,8 kg pro Kopf schätzt das Statistische Bundesamt den Fleischverbrauch in Deutschland im vergangenen Jahr. Fast so niedrig wie in 2014 obwohl sich die Menge von Jahr zu Jahr nur mit rund einem Kilo verändert. Zahlen, die Tierschützer erschaudern lassen, auch wenn acht Millionen weniger Tiere zum Vorjahr geschlachtet wurden. Rund 44 Teilnehmer nahmen die Möglichkeit wahr um auf das Leid der Tiere bei der diesjährigen Weihnachtsmahnwache am Viersener Schlachthof friedlich aufmerksam zu machen, reisten dazu teilweise sogar stundenlang an. Aus dem Kreis Viersen oder aus der Nähe von Bielefeld, kein Weg war zu weit. Die Aktivisten wollten mit ihrem Engagement zum Ausdruck bringen, dass der Umgang mit Tieren die zur Nahrungsgewinnung im wahrsten Sinne des Wortes „dienen“ und für eine fünfminütige „Gaumenfreude“ ihr Leben lassen müssen, ethisch und moralisch in keiner Weise vertretbar ist.

Foto: privat

„Auf den Gabeln der Fleischesser steckt ein Tier. Ein Tier, das nie frische Luft geatmet oder den Himmel gesehen hat. Ein Tier, dem häufig (in zertifizierten Schlachthäusern) bei vollem Bewusstsein die Gliedmaßen abgetrennt wurden. Ein Tier, das unermessliches Leid durchleben musste um die Gier der Menschen nach Fleisch zu befriedigen. Es ist längst an der Zeit, sich mit der unangenehmen Tatsache bewusst auseinanderzusetzen, dass tierische Lebensmittel die Tötung von fühlenden Lebewesen erfordern“, erklärte die Organisatorin der Mahnwache, Adrienne Kneis.

Mehrere vorbeifahrende Autos signalisierten ihre Zustimmung, während am Straßenrand vor dem Schlachthof die anwesenden Aktivisten mit aussagekräftigen Plakaten ihre Botschaft übermittelten. Ein vorbeifahrender Lkw-Fahrer teilte den Aktivisten im Nachhinein sogar per Nachricht mit, dass er sie gerade vor dem Schlachthof gesehen habe und beinahe seinen Lkw abgestellt hätte um sich zu den Demonstranten zu gesellen. Die Mahnwache verlief, wie immer, friedlich. Zum Abschluss sangen die Aktivisten gemeinsam und zündeten Kerzen für die verstorbenen Tiere an. Im kommenden Jahr am letzten Freitag vor Heiligabend gibt es wieder eine Weihnachtsmahnwache, denn gerade zu Weihnachten, „dem Fest der Liebe“, wird besonders viel Fleisch verzehrt, demnach besonders viele Tiere getötet.

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Im Vergleich zum Vorjahr ist die Fleischmenge in 2017 um 2,0% (- 167.000 Tonnen) auf insgesamt 8,1 Millionen Tonnen gesunken. Dennoch ist die Zahl der geschlachteten Tiere mit 745 Millionen weiterhin hoch. An Nummer 1. stehen dabei die Schlachtungen von Schweinen mit 5,45 Millionen Tonnen in 2017, hier nahm die Zahl der Schlachtungen importierter Tiere ebenso ab wie die heimischer Schweine. 57,9 Millionen Schweine wurden geschlachtet, ein Rückgang von 1,5 Millionen Tieren. Ebenfalls die Rinder-Schlachtungen befinden sich im Abwärtstrend mit -2,3% (- 100.000 Tiere), rund 1,1 Millionen Tonnen Rindfleisch wurde auf den Markt gebracht. Extrem hoch die Schlachtungen von Masthühnern auch in 2017 trotz eines Rückgangs mit 600 Millionen Tieren (- 1,3 Millionen Tiere). (nb)

3 Kommentare

  1. Vielen Dank für die faire und korrekte Berichterstattung. Das ist nicht immer selbstverständlich (sollte aber eigentlich so sein!). Menschen, die sich für die Rechte von Tieren einsetzen, werden leider in unserem Land zunehmend verunglimpft. Danke, dass das diesmal nicht der Fall ist. Wir wollen aufmerksam machen auf das große Leid hinter den Schlachthofmauern und es den Menschen erschweren, die allseits bekannte Wahrheit zu verdrängen. Vielleicht denkt der ein oder andere zum Fest der Liebe doch mal darüber nach wie einfach es ist zu helfen. Und wenn es ganz viele tun, dann können wir viel verändern, nur dadurch, dass wir „Kartoffelsalat ohne Würstchen“ essen.

  2. Die Zahlen sind erschreckend. Noch erschreckender ist, dass wir die Qualen und Schmerzen der Tiere als gegeben hinnehmen, weil man uns unsere Gefühllosigkeit von Kindesbeinen an anerzieht.

  3. Die Tierhaltung, und damit der Konsum tierischer Produkte, ist einer der Hauptverursacher für die größten Probleme unserer Zeit: vom Klimawandel über die Rodung der Wälder, bis hin zur Ressourcenverschwendung und Trinkwasserproblematik. Wenn Ihnen etwas an unserem Planeten liegt, leben Sie vegan.

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