Tod der dreijährigen Greta F. – Ermittler bewerten den Todesfall als heimtückischen Mord

In dem Todesfall der dreijährigen Greta F. zeichneten Polizei und Staatsanwaltschaft in der heutigen Pressekonferenz ein erschreckendes Bild zum Tathergang und bisherigen Vorfällen in anderen Einrichtungen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Am 21. April 2020 war es zu einem Notarzteinsatz in einer städtischen Kindertageseinrichtung gekommen, nachdem die zu diesem Zeitpunkt noch nicht dreijährige Greta F. einen Atemstillstand erlitten hatte und in ein Krankenhaus überführt wurde. Erst am 4. Mai 2020 verstarb das Mädchen, einen Tag nach ihrem Geburtstag. Aufgrund einer medizinisch unklaren Lage verständigte das Krankenhaus bereits am 29. April 2020 die Polizei.

Nachdem die Stadt Viersen heute Vormittag detaillierte Details zu dem Vorfall veröffentlicht hat, informierten zudem Staatsanwaltschaft und Polizei über den aktuellen Ermittlungsstand. Die Ermittlungen waren aufgenommen worden, weil an dem Mädchen rötliche Punkte im Augenbereich auffielen, die auf eine Gewalteinwirkung hinweisen können. Bereits in der Vergangenheit ist es zu Vorfällen in anderen Kindertageseinrichtungen in Verbindung mit der staatlich geprüften Erzieherin gekommen, die Ermittler gehen nach aktuellen Untersuchungen von einer vorsätzlichen Tötung aus.

Nachdem der Vorfall polizeilich bekannt wurde, nahmen die Ermittler zunächst eine Tatortaufnahme in dem städtischen Kindergarten vor, der Raum war nach dem Vorfall versiegelt worden. Die 25-jährige Erzieherin macht bisher von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, die ersten Ergebnisse jedoch führen zu Vorfällen in weiteren Einrichtungen in Tönisvorst, Kempen und Krefeld, die nun näher untersucht werden und zudem zu möglichen Misshandlungen von Schutzbefohlenen führen.

„Wir haben mit Erschrecken festgestellt, dass es in den Kitas ähnliche Vorfälle gab, also Kinder mit Atemnot, Atemstillstand und Auffälligkeiten“, so der Leiter der Mordkommission, Guido Roßkamp. Foto: Rheinischer Spiegel

Der Leiter der Mordkommission Guido Roßkamp berichtete, dass das Mädchen als lebenslustig und aktives Kind von der Mutter beschrieben wurde. Sie hatte das Kind erstmalig am 21. April in die Notbetreuung des Kindergartens gebracht. Die drei Wochen zuvor betreute die Patentante das Kind, wo es keinerlei Auffälligkeiten zeigte. Greta war zu diesem Zeitpunkt in der Notgruppe das einzige Kind. Im Laufe des Vormittags hatte man mit Greta im Kindergarten gespielt und mit ihr gegessen. Ab 13.30 Uhr war die Erzieherin alleine mit dem Mädchen, welches müde wurde. Während der Schlafzeit wurde der Atem alle 15 Minuten kontrolliert, um 14.45 Uhr hätte die Erzieherin nach eigenen Aussagen festgestellt, dass das Mädchen nicht mehr atmete. Gemeinsam mit den Erzieherinnen der Nebengruppe habe man versucht das Mädchen wachzubekommen. Der Körper sei leblos und blau gewesen, als die ersten Reanimationsmaßnahmen durchgeführt wurden. In Begleitung des Notarztes wurde Greta der Kinderklinik in Viersen zugeführt. Dort erlangte sie nicht mehr das Bewusstsein. Maschinell am Leben erhalten, trat am 4. Mai trat der Hirntot ein. Bei der Obduktion ergaben sich Erkenntnisse, dass die körperlichen Hinweise auf dem Kind nicht durch die Reanimationsmaßnahmen entstanden sein konnten. Da die Erzieherin alleine mit dem Kind war, geriet sie in den Blickpunkt der Ermittler.

Bei einer Vernehmung kam man zu dem Schluss, dass keine andere Person zu dem relevanten Zeitpunkt die Kita betreten haben konnte. Im weiteren Verlauf habe die Kripo zudem die Ermittlungen an den vorhergehenden Arbeitsstellen aufgenommen. „Wir haben mit Erschrecken festgestellt, dass es in den Kitas ähnliche Vorfälle gab, also Kinder mit Atemnot, Atemstillstand und Auffälligkeiten“, so der Leiter der Mordkommission, Guido Roßkamp. In einer Kita in Tönisvorst sei es im Oktober 2019 zu einem ähnlichen Vorfall bei einem zweijährigen Mädchen gekommen. Das Kind war vorher unauffällig gewesen und zum Zeitpunkt des Vorfalls war die Erzieherin alleine mit dem Kind, welches im Nachhinein angab, dass die Beschuldigte ihr fest auf den Bauch gedrückt habe.
Dies nahm die Polizei zum Anlass Rücksprache mit dem Staatsanwalt zu halten, am Tag darauf wurde die Erzieherin festgenommen. Noch vor Eintreffen der Polizei meldete sich der Rechtsanwalt der 25-Jährigen und wies darauf hin, dass die Erzieherin weiterhin keine Aussage machen würde. Die Spuren, die in dem Viersener Kindergarten gesichert wurden, werden aktuell untersucht.

Kinder und Eltern trauern am Viersener Kindergarten. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Zudem sind die Ermittler auf ein Vorverfahren aus Mai 2019 gestoßen, bei dem die Beschuldigte angab, ein Mann hätte ihr Verletzungen mit einem Messer zugefügt. Untersuchungen ergaben, dass die Beschuldigte sich diese Verletzungen selber zugefügt haben müsse. Bei einer weiteren Befragung konnte sie sich nicht mehr an den Tatverlauf erinnern. Die Gerichtsmedizinerin hatte ihr zu diesem Zeitpunkt psychologische Unterstützung angeraten.

Der Leiter der Kriminalpolizei, Manfred Joch, erläuterte, dass die Ermittler zurzeit davon ausgehen, dass Greta vorsätzlich getötet worden sei. Erst gestern wurden die letzten Zeugen vernommen, weshalb heute die Informationen veröffentlicht wurden. Bereits im Herbst 2017 bis Frühjahr 2018 habe die Erzieherin in einer Kindertagesstätte in Krefeld ihr Berufspraktikum absolviert. Hier hätten die anderen Erzieher festgestellt, dass die 25-Jährige für den Beruf einer Erzieherin nicht geeignet gewesen sei.

Die Kriminalpolizei geht davon aus, dass es im November 2017 zu einem ersten Vorfall in einer Kindertagesstätte zu einem Übergriff gekommen ist. In der Mittagszeit sei es nach der Schlafphase zu einem Vorfall gekommen, als die Erzieherin die Kinder wecken sollte. Nach rund 30 Minuten kam sie aus dem Schlafraum heraus und berichtete vergleichsweise teilnahmslos, dass mit einem dreijährigen Jungen etwas nicht in Ordnung sei. Das Kind war nicht ansprechbar und die Augen seien merkwürdig verdreht gewesen. Der Junge wurde durch einen Notarzt vor Ort behandelt, es lag kein Atemstillstand vor. Ein weiterer solcher Vorfall könnte sich im Frühjahr zugetragen haben, hierzu allerdings gibt es bisher keine genaueren Informationen. Der Junge hätte im Nachhinein Angst vor dem Kindergarten gezeigt, die sich nach dem Weggang der Kindergärtnerin aufgelöst hätte. In einer Kita in Kempen soll es insgesamt zu vier Vorfällen gekommen sein. Hierbei handelte es sich um einen zweijährigen Jungen, bei dem es während des Mittagsschlages zu krampfartigen Anfällen und Atemnot gekommen sei. Der Junge sei bis dahin unauffällig gewesen, die behandelnden Ärzte hätten keine Hinweise auf den Grund für die Vorkommnisse gefunden.
Der Haftbefehl gründet sich auf die Vorwürfe eines heimtückischen Mordes sowie auf Misshandlung von Schutzbefohlenen – die Ermittlungen dauern an. (nb)


Todesfall in einem städtischen Kindergarten – Verwaltung veröffentlicht weitere Details

4 Kommentare

  1. Hat unser Landrat seinen Laden nicht im Griff?
    Bisher hat man noch nichts von ihm zu diesem unfassbaren Geschehen gehört.

  2. Mir fällt auf : wenn sie im Prakikum schon als nicht geeignet für den Beruf beurteilt wurde, wie kann sie denn dann ihr Diplom bekommen ? und 2. muß man nicht bei jedem neuen Arbeitsvertrag bei der Arbeit mit Kindern ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen ? waren denn da keine Eintragungen bei mehreren Vorfällen ?

    1. Einen Eintrag im Führungszeugnis bekommt man nur wenn man verurteilt wurde und das wurde sie vorher nicht. Aber trotzdem finde ich sollte man grade in solchen Berufen mit den vorherigen Arbeitgebern in Kontakt treten.

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