TönisVorster Heimatwelle geht auf Sendung

Den Begriff „Heimat“ gibt es so eigentlich nur in der deutschen Sprache. Und mit dem Begriff verbinden die Menschen viel. Lokale Identität, seine Wurzeln. Aber auch Geschichte, Erlebnisse, seine Sprache und viel mehr. Und die Heimat kümmern sich in Tönisvorst gleich zwei Heimatvereine.

Tönisvorst – Der Vorster Heimatverein „Freunde des Vöörschter Platt“ sowie der Heimatbund St.Tönis. Beide Vereine pflegen, so es in der heutigen Zeit noch möglich ist, eine ganz besondere Kostbarkeit. Die heimische Mundart, das „Platt“. Dass allerdings von immer weniger Menschen gesprochen wird. Und so versuchen beide Vereine, diese Mundart durch regelmäßige Veranstaltungen und Veröffentlichungen zu pflegen. Was in der aktuellen Pandemie schwieriger ist als ohnehin schon. Wichtige Veranstaltungen wie Mundartabende finden seit vielen Monaten schon nicht mehr statt. Geselliges Beisammensein unterliegt immer wieder Einschränkungen. Und so werden die Menschen, die noch Mundart sprechen, immer älter, sterben als Generation langsam aus und die Mundart fast immer mit. Denn die direkten Nachfahren der Alten durften in ihrer Schulzeit kein Platt sprechen. Konnten es also auch nur schwerlich an den eigenen Nachwuchs weitergeben.

Eine Möglichkeit, diese Mundart dennoch zu erhalten, bietet nun das Radioprojekt „TönisVorster HeimatWelle“. Das „studio tv“ um Michael Franken hat, unterstützt von der Landesanstalt für Medien NRW, hat ein Impulsprojekt ins Leben gerufen, mit dem man gerade die Mundart akustisch festhält und der Allgemeinheit zugänglich machen wird. Und für die Idee fand das „studio tv“ bei den beiden Heimatvereinen gleich viel Unterstützung. Die ehrenamtlichen Vorstände um die Vorsitzenden Heinz-Josef Köhler (Vorst) und Peter Steppen (St.Tönis) waren zu einem ersten Treffen im Jugendfreizeitheim St.Tönis mit Ideen, aber auch Rat und Tat zu Stelle. Die notwendige Technik, Digitalrecorder zur Aufnahme von Sprache und Musik in radiotauglicher Qualität, konnte da noch gar nicht beschafft werden, da noch Anträge bei der Landesanstalt liefen. Diese aber sind nun genehmigt, sodass die Runde zum Ende der Sommerferien aktiv werden wird.

Anstehende Mundartveranstaltungen wie das „Mönke voll Platt“ werden mitgeschnitten, Aufnahmen vorheriger Veranstaltungen radiotauglich digitalisiert. Auch sucht man in den eigenen Archiven nach Aufnahmen, die digitalisiert werden und natürlich auch publiziert werden.
Bis es so weit ist, steht aber noch einiges an Arbeit an, da die Beteiligten nur bedingt mit der Digitalen Bearbeitung und Aufnahme von Audiomaterial vertraut sind. Hier wird man geschult und kann sich, ausgestattet mit je einem Audiorekorder, an die ersten Aufnahmen, die ersten Interviews begeben.

Zum Auftakt geplant ist eine Pilotsendung des „studio tv“ mit beiden Vereinen, in denen das Projekt und die Aktionen vorgestellt werden. Zwei Heimatabende, bei denen viel Platt gesprochen werden soll, stehen auf der Agenda und auch Sendungen, für deren Inhalte die beiden Heimatvereine sich verantwortlich zeichnen.
Die produzierten Sendungen, aber auch einzelne Beiträge, werden im Lokalradio Welle Niederrhein ausgestrahlt sowie auf der Homepage www.nrwision.de online gestellt, so dass Interessierte immer und überall Zugriff haben.
Von dieser Aktion erhoffen sich die Unterstützer eine Förderung des „Heimatgefühls“ im rundum positiven Sinne. Lokale Geschichten, Traditionen und die niederrheinische Mundart will man in unterschiedlichen Facetten hörbar machen. Zeitzeugen möchte man ebenso einbinden wie Bürger und Vereinsmitglieder, die Geschichten erzählen können, die Jung und Alt zusammenführen. Über Sendetermine wird über alle den Organisatoren zur Verfügung stehenden Kanälen hingewiesen. (opm/paz)

V. l.: Michael Franken (studiotv), Peter Steppen & Ulli Triebels (Heimatbund St. Tönis), Christa Bürgers, Thomas Wenders & Heinz Josef Köhler (Heimatverein Vorst). Foto: Astrid Franken/studiotv