Trauermarsch für Iulia: Tränen des Abschieds und ein Zeichen für eine starke Gemeinschaft

Mehrere Hundert Menschen begleiteten heute Abend den Trauermarsch für die am Montag getötete 15-jährige Iulia R. im Casinogarten. Gemeinsam wollten sie dem Mädchen nicht nur die letzte Ehre erweisen, Abschied nehmen. Viele Teilnehmer waren ebenfalls gekommen um ein Zeichen einer starken Viersener Gemeinschaft zu setzen in einer Woche der Ohnmacht, Trauer, Fassungslosigkeit und Angst.

Foto: Martin Häming

Viersen – Die Stimmung ist schwer zu fassen, bereits weit vor Beginn des Trauermarschs treffen die ersten Teilnehmer ein. Fest umschlossen halten die Hände Kerzen, Blumen und Bilder der 15-jährigen Rumänin Iuliana Elena R. (genannt Iulia), die in dieser Woche im Viersener Casinogarten ermordet wurde. Das Mädchen selbst war polizeilich bisher nicht in Erscheinung getreten, ging auf die Hauptschule in Süchteln, absolvierte gerade erst erfolgreich ein Come-Back-Programm.

Der Schock sitzt tief, viele wissen nicht wohin mit den sie überflutenden Gefühlen – Ohnmacht, Angst, Trauer. Sie weinen, sprechen über die für die unverständliche Tat, trösten sich gegenseitig. Die meisten kannten das Mädchen nicht. Als sich um 18.00 Uhr die Gruppe von über 350 Menschen in Bewegung setzt, haben die Viersener bewiesen wie sehr sie zusammenstehen können. Ursprünglich war mit einhundert Personen gerechnet worden. Begleitet von Polizei und Rettungswagen zieht der Trauermarsch vom Remigiusbrunnen durch die Fußgängerzone. Kaum jemand spricht, meist wird geflüstert. Aus den Geschäften treten interessierte Beobachter heraus, immer wieder reiht sich ein neuer Teilnehmer ein.

Foto: Martin Häming

Den Menschen voraus begleitet ebenfalls ein orthodoxer Pfarrer die Gruppe, legt ein Bild der 15-Jährigen nieder, seinem Beispiel folgen viele. Die Tränen sind nicht mehr zurückzuhalten, der Kreis der Kerzen auf dem Rasen wächst von Sekunde zu Sekunde als Gitarrenklänge die Stille durchbrechen. Die Ohnmacht wird durch eine Gänsehaut umschlossen, ein kalter Schauer läuft über den Rücken – die tiefe Trauer ist so umfassend, dass das Atmen schwer fällt. „Dieser Platz wird noch lange ein Ort der Trauer sein“, sagt die 16-jährige Emily, die ihre Schulkameradin fest in den Armen hält. Sie kannte die Verstorbene, spricht von einem lebenslustigen und freundlichen Mädchen. „Unfassbar, was hier passiert ist“, sie schüttelt sich und schließt ihre Arme noch fester um ihre Freundin.

Sechs Mal habe der Ex-Freund laut Polizei auf den Oberkörper seines Opfers eingestochen, vier der Messerstiche wären alleine bereits tödlich gewesen aufgrund von Verletzungen innerer Organe. Die Tatwaffe, ein 25 cm langes Küchenmesser mit einer 15 cm langen Klinge, konnte mittlerweile sichergestellt werden. An der Kleidung des Tatverdächtigen, ihrem 17-jährige Ex-Freund, hat die Polizei Blutspuren des Opfers gefunden. Weiterhin äußert sich der mutmaßliche Täter nicht zur Tat, sitzt zurzeit in Untersuchungshaft. In Begleitung seiner Anwältin hatte er sich am Dienstag bei der Polizei in Mönchengladbach gemeldet. Matyu K. wird aufgrund der Heimtücke der Tat des Mordes angeklagt. Ausgehend vom Jugendstrafrecht ist voraussichtlich mit einer maximalen Strafe von 10 Jahren zu rechnen. Emily hat dafür keinen Kopf sagt sie: „Lebendig wird Iulia dadurch nicht mehr. Ich hätte mir gewünscht, man hätte die Drohungen ernst genommen, dann könnte sie heute noch leben.“ (dt/Foto: Martin Häming)