Turmkreuze von Immerather Dom abgebaut

Unter der Gemeinde Immerath warten bereits dicke Flöze, 30 Millionen Jahre alt, bis zu 100 Meter dick – rund 1,3 Milliarden Tonnen. Für die Energieversorgung durch Braunkohle nicht unerheblich. In den vergangenen Tagen wurden die Turmkreuze vom Immerather Dom abgebaut, um in der Pfarrei Christkönig in Erkelenz wieder aufgebaut zu werden.

Immerath – Mitten in Immerath steht nur noch der Schatten eines geschichtlichen Schatzes neuromanischer Baukunst – St. Lambertus. 1888 – 1891 erbaut nach den Entwürfen des Kölner Baumeisters Erasmus Schüller. Prächtig in seiner Blütezeit und unter Denkmalschutz. Denkmalschutz, der die Bagger nicht aufhalten wird, denn der Abriss ist zu Beginn des nächsten Jahres geplant. Um die Kirche herum stehen bereits viele der Häuser nicht mehr, wurden bereits abgerissen.

Foto: Rheinischer Spiegel

Abends und nachts patrouilliert ein Sicherheitsdienst, schützt die letzten Bewohner, die immer noch in dem leeren Dorf ausharren. Bis 17.00 Uhr ist ein Besuch in Immerath aber möglich. Dazu schreibt die Seite garzweiler.com: „Du kannst die Dörfer wie jedes anderes Dorf besuchen und besichtigen, zu mindestens solange diese noch zum größten Teil nicht abgerissen sind. Aber es gibt ein paar Dinge zu beachten. Auch wenn es nicht so aussieht: Fast bis zum kompletten Abriss leben noch Menschen in den Dörfern. Verhalte dich daher bitte angemessen. Bleib auf den öffentlichen Wegen, betrete keine Privatgrundstücke, nimm nichts mit (es gibt dort nichts herrenloses, alles gehört irgendwem), betritt kein Betriebsgelände. Diese Regeln werden vom RWE Werkschutz, der Polizei und einer privaten Securityfirma, die regelmäßig patrouilliert, scharf kontrolliert.“

Mit Immerath müssen elf weitere Dörfer dem Baunkohleabbau weichen. Alle liegen im Dreieck zwischen Köln, Düsseldorf und Aachen im Bereich Garzweiler II. Einige Dörfer gibt es bereits nicht mehr, insgesamt sechzehn Orte sind durch den Braunkohle-Tagebau Garzweiler betroffen. Um sich der Zerstörung der Kirchen zu widersetzen rief das Bistum Aachen zu Prozessionen und Mahnwachen auf. Ohne Erfolg, denn bereits Ende 2013 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass der Abbau von Braunkohle wichtig für das Gemeinwohl sein. Dafür zahlt RWE nicht unerheblich, alleine für die Pfarrkirche St. Pankratius in der Gemeinde Garzweiler flossen für die 3,5 Millionen Mark Entschädigungen an die Kirche.

Foto: Rheinischer Spiegel

Bereits im Oktober 2013 wurde die St. Lambertus deshalb entwidmet, der Aachener Domkapitular löschte das ewige Licht vor Hunderten von Besuchern. In der neuen Kapelle in Neu-Immerath fanden die vier kleinen Glocken ihren Platz, zwei weitere wurden an eine Kirche im Rheinland verkauft.  Auch einige Heiligenfiguren, das spätgotische Kreuz und das neobarocke Taufbecken zogen mit in die sonst modern gehaltene Kapelle.

Nur etwas mehr als die Hälfte der 1.400 Bewohner zog mit nach Neu-Immerath, die Umsiedlung begann 2006. Jetzt in 2017 ist sie fast abgeschlossen und der Tagebau rückt unaufhaltsam näher. (pl)

Foto: Rheinischer Spiegel