Umgestaltung der Lange Straße: „Man muss den Bürgern das nur richtig verkaufen mit Bildern.“

Es tut sich was rund um die Planungen zur Umgestaltung der Langestraße, denn der Ausschuss für Stadtentwicklung und -planung beschloss die Fortführung. Dafür jedoch sollen zunächst alle Linden und angrenzende Platanen der Umgestaltung weichen – ein Thema, welches nicht nur in Dülken immer wieder kontrovers diskutiert wird.

Viersen-Dülken – Mitte 2019 soll mit der Umgestaltung der Dülkener Lange Straße begonnen werden, wenn denn die Fördermittel fließen. Fest steht aktuell noch nichts, die Antragstellung bei der Bezirksregierung wird erst jetzt erfolgen.

Dass die derzeitige Gestaltung des Straßenraums der Lange Straße nicht mehr den heutigen funktionalen und gestalterischen Anforderungen an einen zeitgemäßen innerstädtischen Straßenraum entspricht, darüber lässt sich nicht streiten. Sie ist fast ausgestorben, viele Ladenlokale stehen leer. Seit Jahren wird immer wieder der Wunsch geäußert, die Lange Straße teilweise für den Pkw-Verkehr zu öffnen, die 1988 für den Verkehr nicht mehr zugänglich gemacht wurde. Seit Jahren wird nun geplant, was so langsam klarere Züge aufweist, immer mit dem Wunsch der Dülkener, dass der Altstadtcharakter erhalten bleibt.

„Es ist uns ein großes Anliegen, dass keine Anliegerbeiträge erhoben werden“, so Simone Gartz (CDU), Dülkens Ortsbürgermeisterin. Ebenfalls eine Sperrung für den Lkw-Verkehr neben den benötigten Anlieferungen sähe die CDU positiv. „Die Lange Straße muss für das Stadtbild wieder einer besondere Funktion haben“, sagte Fritz Meies (CDU). „Dieses Ziel fehlt mir in den aktuellen Planungen.“

Besonderer Diskussionspunkt ist der Erhalt bzw. der Ersatz der Bäume. Während einige Dülkener die jetzigen Bäume als Verursacher von Schattenwurf in den Wohnungen sehen, Verunreinigungen wie Taubenkot und Rutschgefahr aufgrund von Blättern und Blüten ansprechen und die Stadt Viersen den Austausch aller Linden auf der Lange Straße du der Platanen am Tien Anton anstrebt, gibt es auf der anderen Seite viele, die die Bäume in ihrer jetzigen Form erhalten wollen. Ebenfalls in der Sitzung des Ausschusses „schieden sich die Geister“. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass wir hier mit einer geringfügigen Öffnung alle Bäume fällen müssen“, so Stefan Feiter (FDP), der es anders sah als Heinz Plöckes, der für die SPD den Baumfällungen zustimmte mit dem Hinweis, dass es wünschenswert wäre eine Platane zu erhalten, wenn das denn geht. „Man muss den Bürgern das nur richtig verkaufen mit Bildern“, so Plöckes in seiner Rede. Der damalige Planer hätte schlecht geplant, falsche Bepflanzung eingesetzt, diese müsse nun weichen. In den vorstellten Plänen der Stadt durch Baudezernentin Beatrice Kamper deshalb der Austausch der Baumscheiben und -standorte und den Austausch aller Pflanz- und Baumbeete.

Zwar würde das Baumgutachten aus Oktober dieses Jahres den Linden eine gute bis sehr gute Vitalität bescheinigen, aber die Prognosen liefen auf umfangreiche wiederkehrende Eingriffe im Wurzelwerk hinaus. „Langfristig ist auch aus gestalterischer Sicht die Situation als unzureichend zu bewerten. Zudem stehen fast alle Linden auf bzw. zu nah an Gas- und Wasserleitungen, die somit ein Gefährdungspotential darstellen. Anpassungen an den Beeten sowie ein Kappen der Wurzeln und der Einbau von entsprechenden Wurzelschutzplatten würden die Bäume jedoch zu sehr schwächen, sodass ein Erhalt mehr als fraglich wäre“, so die Vorlage der Stadt Viersen, die nicht nur von Natur- und Umweltschützern stark kritisiert wird.

Für die Umgestaltung sind insgesamt 1.149.040 Euro in den Haushaltsjahren 2017 bis 2020 geplant. Ein Vollausbau der Lange Straße ist hierbei nicht enthalten, es handelt sich bei den Plänen um punktuelle Maßnahmen im denen die Gestaltung und Aufenthaltsqualität verbessert werden soll. (ret)

Lange Straße/Dülken

Bis in die 1980er Jahre diente die als Bundesstraße (B 7) klassifizierte Lange Straße als Verbindungsstraße zwischen Viersen und Boisheim/Nettetal. Mit dem Ausbau der Gas- und Wasserstraße als Umgehung der Dülkener Innenstadt ist die Lange Straße zwischen Bürgerhaus und Venloer Straße umgestaltet worden. Angelegt als verkehrsberuhigter Bereich und für kurze Zeit auch als solcher befahren, ist sie seit 1988 als Fußgängerzone gewidmet. Vom Eligius- bis zum Peterboroughplatz ist sie derzeit im Einbahnstraßenverkehr befahrbar. Seit Erstellung des Einzelhandelskonzeptes im Jahr 2011 hat sich die Einzelhandelssituation, insbesondere auf der Lange Straße durch die Insolvenz der Schlecker-Unternehmensgruppe und Weggang von Kaiser’s, immer weiter verschlechtert. Die betreffenden Ladenlokale stehen seitdem leer, zahlreiche gemeinsame Bemühungen von Stadt, Eigentümern und Planern, neue Mieter aus dem Bereich Einzelhandel zu gewinnen, haben bisher nicht zum Erfolg geführt. Viele Einzelfaktoren, wie zum Beispiel ein verändertes Einkaufs- und Konsumverhalten und die daraufhin erfolgte Ausweisung neuer großflächiger Einzelhandelsflächen oder die stetig wachsende Einkaufsabwicklung im Online-Handel hemmen die Entwicklung. Die bisherige Strategie, eine lückenlose gewerbliche Nutzung in den Erdgeschossen anzustreben, kann nicht mehr aufrechterhalten werden. Vielmehr muss hier eine Funktionsmischung von Einzelhandel, Dienstleistung und Wohnen ermöglicht werden. Damit dies gelingen kann, ist eine hinreichende Erschließung geplant. Die rückwärtige Anfahrbarkeit der Wohn- und Geschäftshäuser auf der Lange Straße ist aufgrund der historisch gewachsenen Baustruktur ohne umfangreichen Rückbau nicht möglich.