Universität Düsseldorf ergänzt Graphiksammlung mit Viersener „Totentanz“-Zyklus

In einer Ausstellung präsentiert die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf den frisch erworbenen Zyklus „Totentanz“ des Viersener Künstlers Horst Meister. Die politischen und gesellschaftskritischen Werke sind bis 24. März zu sehen.

Viersen/Düsseldorf – Mittlerweile vor 40 Jahren legte das Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf den Grundstein für die Graphiksammlung Mensch und Tod, die heute zu den umfassendsten und qualitativ hochwertigsten Sammlungen um die Themen Sterben, Tod und Totentanz gehört.

Mittlerweile fast 6.000 Originalgraphiken umfasst die Sammlung, die nun durch den Zyklus „Ein deutscher Totentanz“ des bekannten Viersener Künstlers Horst Meister nachhaltig erweitert werden konnte. In dieser Woche wurde die Ausstellung zu der Neuerwerbung eröffnet, bei der kein Platz mehr zur Einführung frei war. Die politischen und gesellschaftskritischen Werke sind bis 24. März zu sehen.

Der bekannte Viersener Künstler Horst Meister (81) eröffnete persönlich die neue Ausstellung „Ein deutscher Totentanz“. Foto: Rheinischer Spiegel

Der Zyklus mit 18 Graphiken entstand 1987 und thematisiert prägnant den Geist und das politische Klima der 1980er Jahre (Atomkraft, Terrorismus, Aufrüstung) – Themen, die heute noch aktuell sind. Mit diesem Zukauf stärkt die Sammlung die Positionen der Gegenwartskunst, die sich das traditionelle Motiv des Totentanzes zu Eigen machen, um gesellschaftsrelevante Themen mit zeitgenössischem Bezug aufzugreifen und zu vermitteln.

Der Viersener Künstler Horst Meister ist für seine politische und gesellschaftskritische Graphik bekannt. Er studierte an der Staatlichen Akademie der Künste Karlsruhe unter anderem bei HAP Grieshaber. Er ist mit dem Schwandorfer Totentanz von 1982 bereit mit einem relevanten Zyklus in der Düsseldorfer Sammlung vertreten. Mit dem Deutschen Totentanz, der nur in geringer Auflage existiert, ist nun ein zweite Schlüsselwerk in den Bestand der Sammlung gelangt.

Die 18 Linoldrucke sprechen politische und gesellschaftskritische Themen an: Narren üben ihr neues Demokratie-Verständnis ein – sie protestieren gegen die Startbahn West und gegen atomare Waffen. Foto: Rheinischer Spiegel

„Im frühen Mittelalter, als in Europa die Pest grassierte, war es die katholische Kirche, die mit dem Mittel des gemalten und betexteten Totentanzes Einfluss nehmen wollte auf das störrische und sündige Volk. Mit solchen Drohungen konnte so mancher zur Besinnung gebracht werden, aber „der schwarze Tod“, die Pest, raffte dennoch fast ein Drittel der Bevölkerung Europas dahin“, so Horst Meister in seiner Einführung zur Ausstellungseröffnung, der in 2018 mit einem neuen Totentanz-Zyklus begonnen hat.

„Aber inzwischen hat sich – anfänglich von der medialen Öffentlichkeit fast unbemerkt – das Bild vom dem großen Tod ganz entscheidend gewandelt: Die neuen Schlachtenlenker des Todes tragen keine Uniformen mehr, sondern Nadelstreifenanzüge. Und ihre neuen Schlachtfelder heißen jetzt: Schlachthäuser, Weltmeere, Luft, Böden, Wälder, Landschaften, Flüsse. Und ihre Waffen aus den Chemie- und Pharmakonzernen nennen sie: Glyphosat und Antibiotika, Pestizide und Plastik, CO2 und Abgase und Manipulierte Genprodukte. Und auch wie sie ihre Ziele – die klimatische Erwärmung der Erde – zu erreichen suchen, führen sie uns tagtäglich vor: durch Endnutzung der Natur, der Umwelt und aller Tier- und Menschenarten. In den Börsenberichten kann man lesen, dass sie bereits beachtliche Milliardengewinne und Machtzuwächse zu verzeichnen haben. Sich diesen zerstörerischen Tendenzen entschieden zu widersetzen, erfordert vor allem eines: Ein klares Bekenntnis zu den ethischen Grundwerten unserer Gesellschaft und den Glauben an die Liebe zu allem was lebt. Für manche mag das weltfremd und idealistisch klingen. Bleibt allerdings die Frage: wer ist hier weltfremd und wer ist Realist?“

Die Ausstellung „Ein deutscher Totentanz“ ist im Foyer der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf (Gebäude 24.41) bis 24. März 2019, Mo. – Fr. 8.00 – 24.00 Uhr und Sa./So. 9.00 – 24.00 Uhr, zu sehen.

In der Ausstellung werden die kompletten Neuzugänge der Graphiksammlung und weitere Arbeiten des Künstlers präsentiert. Foto: Rheinischer Spiegel