Universität Hohenheim widmet Viersener Professorin eine neue Straße

Drei neue Straßen auf dem Gelände der Universität Hohenheim wurden nun nach bedeutenden Wissenschaftlerinnen benannt. Sie waren auch Vorreiterinnen der Frauen in der Wissenschaft – unter ihnen Prof. Dr. Leonore „Lore“ Blosser-Reisen aus Viersen.

Viersen/Hohenheim – Der Ottilie-Zeller-Weg, der Leonore-Blosser-Reisen-Weg und der Erna-Hruschka-Weg: Die Universität Hohenheim in Stuttgart ehrt drei ehemalige Professorinnen, indem bisher namenlose neue Straßen nach ihnen benannt werden. Der Gemeinderat der Stadt Stuttgart folgte damit dem Vorschlag der Universität. Die drei Wissenschaftlerinnen stehen mit ihren Forschungsrichtungen, die sie zu Lebzeiten nachhaltig weiterentwickelt haben, jeweils für eine der drei heutigen Fakultäten. Sie zählen zu den Pionierinnen der Frauen in diesem Amt. Heute liegt der Anteil der Professorinnen an der Universität Hohenheim bei über 30 Prozent – und damit über dem Landes- und Bundesdurchschnitt.

Bisher waren Straßen auf dem Campus der Universität Hohenheim ausschließlich nach bedeutenden männlichen Hohenheimer Persönlichkeiten benannt. Nun erhöht sich der weibliche Anteil – in Form von drei neuen Straßen, die zwischen der August-von-Hartmann-Straße und der Emil-Wolff-Straße südlich des Biologiegebäudes liegen. An diesen Straßen entstehen zurzeit die neue Landesanstalt für Bienenkunde (Erna-Hruschka-Weg 6) und ein neues Kleintierhaus (Leonore-Blosser-Reisen-Weg 8) und der Neubau Microbiota-Forschung der Tierwissenschaften (Leonore-Blosser-Reisen-Weg 3), so dass sie in den nächsten Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen werden.

Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Gleichstellungsbeauftragte der Universität Hohenheim freut sich darüber, dass „Wissenschaftlerinnen, die lange an der Universität Hohenheim geforscht und gelehrt haben, nun eine verdiente Anerkennung erfahren. Es ist endlich ein sichtbares Zeichen, wie viele hervorragende Frauen in Hohenheim gelebt und gearbeitet haben.“

Prof. Dr. Leonore Blosser-Reisen (1927-2014, Professorin für Wirtschaftslehre des Haushalts von 1974-1989)

Prof. Dr. Leonore „Lore“ Blosser-Reisen wurde 1927 in Viersen geboren. 1953 kam sie als Diplomlandwirtin zum ersten Mal nach Hohenheim. Anschließend war sie Lehrbeauftragte an einigen anderen Universitäten – bis sie 1974 nach Hohenheim zurückkehrte und blieb: als Professorin für Wirtschaftslehre des Haushalts am Institut für Haushalts- und Konsumökonomik.

Sie forschte in den darauffolgenden 15 Jahren zu wissenschaftlichen Grundlagen in der Haushaltsführung, verfasste Grundlagenliteratur im Bereich der Haushaltsführung und entwickelte Methoden für das Management von Haushalten. Prof. Dr. Blosser-Reisen war aktiv in der akademischen Selbstverwaltung und war unter anderem Direktorin des Instituts für Haushalt- und Konsumökonomik, Vorsitzende des Prüfungsausschusses Haushaltswissenschaft, Vorsitzende des beratenden Senatsausschusses „Frauen im Wissenschaftsbereich“ und baute drei Studienaustauschprogramme auf.

Nicht nur im universitären Umfeld machte Prof. Dr. Blosser-Reisen sich für Frauen stark: Ihren Lebensabend verbrachte sie in Nürtingen und gründete dort eine Frauengeschichtswerkstatt an der Volkshochschule Nürtingen. Beate Reinhardt, eine damalige Kollegin, blickt dankbar auf die Zeit mit Prof. Dr. Blosser-Reisen zurück: „Als Wissenschaftlerin trug sie wesentlich dazu bei, dass wir eine Reihe qualifizierter Publikationen erstellen konnten, als Mensch ermutigte sie uns in unserer Arbeit und war Vorbild für uns.“ Sie verstarb 2014. (opm/Jung)

Foto: Reisen – Beate Reinhardt, Straßenschild – Jung/Universität Hohenheim