„Uns kann keine Maschine ersetzen“

Ihr Beruf macht Menschen schön und kann durch keine Maschine ersetzt werden. 13 junge Frauen und Männer feierten ihren Abschluss im Friseurhandwerk des Kreises Viersen.

ViersenFür Melanie Altmayer war nach dem Abitur klar, dass sie auf jeden Fall eine Ausbildung macht. Ihr erster Berufswunsch als Tierpflegerin bestand den Praxistest nicht. Nach einem Jahr in einem Tierpark beschloss sie, lieber in einen kreativen Beruf zu wechseln: Maskenbildnerin. Dazu ist eine Ausbildung im Friseurhandwerk Voraussetzung. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellte. Die 22-Jährige ist so glücklich in ihrem Beruf, dass sie nicht mehr wechseln möchte.

„Am liebsten schneide ich bei Kindern die Haare, weil sie so ehrlich sind“, sagt die junge Frau, die als Jahresbeste abschnitt. Guido Paar, ihr Lehrherr in Willich-Anrath, öffnete ihr bereits die Türen für hervorragende Weiterbildungsmöglichkeiten. „Ich bin in die Friseurelite ,Intercoiffure‘ aufgenommen und kann sowohl nationale als auch internationale Seminare besuchen“, freut sie sich. Das nächste Ziel steht auch schon fest: „Bevor ich 25 Jahre alt bin, werde ich die Meisterschule beginnen.“

Heiko Oellers, der ebenfalls bei Guido Paar seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, kam auch über Umwege zu seinem Beruf. „Ich wollte eigentlich Erzieher werden, aber das klappte nicht, und da ich schon immer gerne die Haare meiner Bekannten geflochten habe, hörte ich auf den Rat meiner Mutter und entschied mich, Friseur zu werden.“ Der Weg von Sahraá Hassoun (Ausbildungsbetrieb Mesut Özesmen) war ähnlich. Auch sie strebte zunächst den Erzieherinnenberuf an, nahm sich dann aber ihre Schwester zum Vorbild und absolvierte erfolgreich eine Friseurausbildung.

So unterschiedlich die Wege zur Berufsfindung auch gewesen sein mögen, das Ziel – ihr Friseurhandwerk – erfüllt die drei jungen Menschen. Das merkte man auch bei den anderen frisch gekürten Gesellinnen und Gesellen. Marc Peters, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein, beglückwünschte sie zur ihrem Erfolg und betonte, wie wichtig ihr Handwerk ist: „Sie haben eine hohe Verantwortung, da sie mit der Schönheit der Menschen umgehen.“ Er verwies auf die guten Chancen: „Handwerk hat goldenen Boden, uns kann keine Maschine ersetzen. Hier können Sie auch gutes Geld verdienen, wenn Sie die Fort- und Weiterbildungsangebote nutzen.“

Bevor Alexandra Houx-Brenner, Obermeisterin der Friseur-Innung Kreis Viersen, die Nachwuchskräfte lossprach, lobte sie die jungen Menschen für ihre Zielstrebigkeit und Leistungsbereitschaft. Zugleich dankte sie den Familien, den Betrieben und den Schulen. Die Obermeisterin gab den Junghandwerkerinnen und Junghandwerkern ihren eigenen Leitspruch mit auf den Weg. „Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein.“

Wie nah Freud und Leid manchmal beieinander liegen, zeigte sich an diesem Abend der Lossprechungsfeier. In ihrer Abschlussrede erinnerten Sahraá, Heiko und Melanie an ihre Klassenkameradin, die an diesem Tag nicht dabei sein konnte: Patricia Ohlig, von allen „Klassenmami“ genannt, starb im vergangen Jahr.

Foto: Kreishandwerkerschaft (Alexandra Houx-Brenner (4.v.l.) von der Friseur-Innung Kreis Viesen, Marc Peters (l.), Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein).