„Unser gesellschaftliches Miteinander ist nicht alternativlos“ – Impuls von Dr. Marie Kajewski

Wir erleben durch die Corona-Pandemie eine beispiellose Unterbrechung aller unserer gesellschaftlichen Verhaltensweisen und Gewohnheiten. Diese Unterbrechung lässt uns erkennen: Unser gesellschaftliches Miteinander ist nicht alternativlos, vielmehr ist es veränder- und gestaltbar.

KKV-Impuls – Johann Baptist Metz fasste es prägnant: „Die kürzeste Definition von Religion ist Unterbrechung“. In der Unterbrechung entsteht der nötige Raum, um aus den vermeintlichen Zwängen des Alltags und der Logik der Normalität auszusteigen und die sich stellenden Fragen im Lichte des Glaubens und auf der Basis des Menschenwürdigen zu durchdenken. Und so ist es kein Zufall, dass in der gegenwärtigen Unterbrechung eine Neubestimmung unserer gesellschaftlichen Werte und Leitlinien erfolgt: Statt Höher, Schneller, Weiter zählen Solidarität und Mitmenschlichkeit.

Wie wird es nach dieser Unterbrechung, nach der pandemischen Krise weiter gehen? Wir sind um eine Erfahrung reicher: Die gesellschaftlichen Konventionen sind weniger zwingend als gemeinhin angenommen. Diese Erfahrung wird es uns leichter machen, ganz grundlegend über die Rahmenbedingungen unseres Zusammenlebens in den Diskurs zu treten: Wie bleibt unsere Gesellschaft auch in der digitalen Welt menschenwürdig? Und wie können wir angesichts des Klimawandels mit denen solidarisch sein, die von seinen Folgen besonders betroffen sind? Dass wir aus Solidarität und um der Würde jedes Einzelnen willen anders leben können, beweisen wir gerade eindrucksvoll.

Impulsgeberin
Dr. Marie Kajewski

Dr. Marie Kajewski, hat Theologie, Politikwissenschaften und Philosophie an der Universität Passau studiert. In ihrer Promotion befasste sie sich mit dem Verhältnis von Wahrheit und Demokratie. Als hauptamtlicher Vorstand leitet sie die Katholische Erwachsenenbildung im Lande Niedersachsen e. V.


Die Impuls-Beiträge des Rheinischen Spiegels werden in Kooperation mit dem KKV – Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung gestaltet. Im KKV bilden Angestellte, selbstständige Kaufleute, Handwerker, Angehörige freier Berufe und des öffentlichen Dienstes eine paritätische, christlich geprägte Gemeinschaft. Rund 5.500 Mitgliedern in gut 60 Ortsgemeinschaften brennen deutschlandweit ehrenamtlich für die katholischen Soziallehre, die Soziale Marktwirtschaft, Wirtschaftsethik und soziale Projekte. Weitere Informationen bietet die Seite des KKV-Bundesverbandes kkv-bund.de!