Unterbringung im „Kaisers Hochhaus“: Fern der Heimat

Der hohe Zaun ist mittlerweile zu einer sichtbaren Grenze zwischen der zentralen Unterbringungseinrichtung am Lichtenberg und den Viersenern geworden. Damit sich dies ändert, wünschen sich die Malteser Werke eine Öffnung nach außen und suchen engagierte Ehrenamtliche für die angebotenen Projekte. In dem alten „Kaisers Hochhaus“ warten Flüchtlingen aus Guinea, Iran, Irak, Syrien oder der Türkei auf eine Entscheidung zu den von ihnen gestellten Bleibeanträgen.

Viersen – Regelmäßig trifft sich in Viersen der „Runde Tisch Asyl“, an dem städtische Vertreter, Organisationen und Vereine teilnehmen. In den Themen die aktuelle Flüchtlingssituation in Viersen ebenso wie die Arbeit in der ZUE – Landeseinrichtung für geflüchtete Menschen der Bezirksregierung Düsseldorf, die am Lichtenberg eingerichtet wurde und von den Malteser Werken betreut wird.

Während in Viersen zunächst Menschen aus sicheren Herkunftsstaaten untergebracht waren, sind inzwischen ca. 90 % der Betreuten in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Aktuell ist das Gebäude für ca. 200 – 205 Menschen aus Guinea, Iran, Irak, Syrien oder der Türkei ein Zuhause, damit ist die Einrichtung ungefähr zur Hälfte belegt. Rund 3 – 6 Monate verbleiben sie in Viersen, bevor eine Entscheidung über ihren Aufenthalt getroffen wird.  Im Rahmen der Betreuung werden Verpflegung, medizinische Erstversorgung und Kita mit Fachpersonal an der Gesamtzahl von ca. 50 hauptamtlichen Mitarbeitern gewährleistet.

Die Malteser Werke, 1989 als Tochtergesellschaft der Malteser Deutschland gGmbH gegründet, betreut inzwischen ca. 30 Einrichtungen, davon sechs zentrale Unterrichtseinrichtungen in NRW. Das pädagogische Betreuungskonzept der ZUE ist auf den verschiedenen Hintergründen der zu betreuenden Flüchtlinge abgestellt, die u. a. aus Westbalkanstaaten, arabischen Ländern oder Afrika stammen. „Mensch im Mittelpunkt“ lautet der Anspruch des Konzeptes, welches neben der Versorgung die Strukturierung des Alltags und die Erweiterung der Kommunikationskompetenz anstrebt. Hierbei setzten die Malteser Werke auf zielgruppenorientierte Angebote. Seit Mitte Januar 2017 sind Malteser Werke neuer Betreuungsverband für das Land NRW. Ende Juli 2017 signalisierte die Bezirksregierung Düsseldorf in einem Gespräch mit den Maltesern Werke, dass die in der ZUE untergebrachten Personen voraussichtlich länger in der Betreuung der Malteser Werke verbleiben werden. Deshalb werden ehrenamtliche Helfer mit Hilfe der Initiative für die ZUE „Unterstützung durch Ehrenamt“ gesucht.

Insgesamt bieten die Malteser Werke drei Projekte in der ZUE an, in denen sich ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren können, darunter „Deutsch von Anfang an“, „GLOBUS – Gemeinsam lernen, orientieren, bewegen und sprechen“ für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren mit dem Ziel, durch gemeinsame Erfahrungen Sprachvermögen sowie Orientierung der Kinder innerhalb und außerhalb der Einrichtung zu fördern und das Projekt „WERTvoller Raum“ – eine Kompaktwoche von 5 Tagen, in der kulturelle Werte, Normen und Bräuche Deutschlands vermittelt und ausgetauscht werden. Dieses Projekt ist besonders auf die Unterstützung von Ehrenamtlichen angewiesen. Darüber hinaus bietet sich ausreichend Raum für individuelle Angebote. Frau Khermez, die hauptamtliche Ehrenamtskoordinatorin, ist die feste Ansprechpartnerin für interessierte Ehrenamtshelfer.

Um die Integrationsbemühungen zu erweitern kündigten die Malteser Werke zudem die Öffnung der Einrichtung nach außen an und wünschen sich eine Kooperation mit Kirchen, Vereinen, Einrichtungen sowie der Stadt für gemeinsame Entwicklung des Angebots für Flüchtlinge aus der ZUE. (re)

Foto: viersen-inside.de