Unternehmer kritisiert „Verbote mit der Gießkanne“

TRIGEMA-Chef Wolfgang Grupp fordert im Interview mit dem KKV „ein Ende der pauschalen Vorverurteilung der deutschen Wirtschaft“ – KKV-Bundesvorsitzender Josef Ridders ergänzt: „Ausnahmesituation darf nicht zur Normalität werden.“

Deutschland/#Corona – Herbe Kritik an „den Verboten nach dem Gießkannenprinzip“ äußert der schwäbische Unternehmer Wolfgang Grupp, Inhaber von Deutschlands größtem Hersteller von Sport- und Freizeitbekleidung TRIGEMA, in einem Interview mit der „Neuen Mitte“, dem Mitgliedermagazin des Bundesverbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV). Es werde Zeit, dem Einzelnen wieder die Verantwortung für sein Handeln zurück zu übertragen. „Es ist die Aufgabe der Politik klare und unmissverständliche Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln zum Beispiel im Einzelhandel und für die Gastronomie zu schaffen. Und es wird die Verpflichtung und Verantwortung des einzelnen Unternehmers sein, diese Vorgaben zu erfüllen“, stellt Wolfgang Grupp im Interview fest. Deshalb sei es auch eine Selbstverständlichkeit, dass derjenige, der sich nicht an die Regeln halte, die Schließung seines Betriebes selbst zu verantworten habe.

„Wir neigen in Deutschland dazu, mögliches Fehlverhalten einzelner pauschal vorzuverurteilen und uns durch Verbote und Einschränkungen das scheinbare Gefühl von Sicherheit teuer zu erkaufen“, stellt Wolfgang Grupp fest. Viele Unternehmer – zum Beispiel im Einzelhandel, in der Gastronomie und Hotellerie – hätten in den letzten Monaten in verantwortungsvolle Hygienekonzepte und Technik investiert. „Statt dieses Engagement zu belohnen und verantwortungsvolles Wirtschaften auch in diesen schweren Zeiten zu ermöglichen, werden pauschale Verbote ausgesprochen und unvorstellbarer Schaden angerichtet. Hier verspielt die Politik leichtfertig Vertrauen und die Chance auch mittelfristig die gesellschaftliche Akzeptanz für die Pandemieeinschränkungen zu erhalten. Es wird Zeit, dass die Politik unter Beweis stellt, dass sie der Wirtschaft und den Menschen, die sie gewählt haben, auch vertraut und nicht nur immer ‚blindes Vertrauen‘ für die eigenen Entscheidungen einfordert.“

Herbe Kritik an „den Verboten nach dem Gießkannenprinzip“ äußert der schwäbische Unternehmer Wolfgang Grupp, Inhaber von Deutschlands größtem Hersteller von Sport- und Freizeitbekleidung TRIGEMA, in einem Interview mit der „Neuen Mitte“, dem Mitgliedermagazin des Bundesverbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV). Foto: privat

KKV-Bundesvorsitzender fordert endlich einen Plan für „mehr Normalität“ und die Einhaltung der demokratischen Strukturen

Der KKV-Bundesvorsitzende Josef Ridders richtet seine Kritik unmittelbar an die politisch Verantwortlichen: „Es fehlt den Menschen und Unternehmen eine klare Perspektive. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir mit diesem Virus, Mutanten oder ähnlichen Erregern in der Zukunft leben müssen. Das ist ein Preis, den wir für die Globalisierung zahlen“, stellt Ridders fest. Es könne aber nun nicht sein, dass „wir uns auf immer und ewig im Lockdown einsperren.“ Die rigorosen Beschränkungen der Bürgerrechte seien notwendig und verständlich gewesen, aber sie müssten in einer Demokratie die Ausnahme bleiben. „Wir brauchen wieder mehr Normalität für Mensch und Wirtschaft. Ansonsten verliert das politische System immer mehr seine Glaubwürdigkeit.“

Zudem fordert der KKV-Bundevorsitzende politische Entscheidungen endlich wieder in den dazu gewählten Gremien zu diskutieren und zu treffen. „Weder die Ministerpräsidentenkonferenz noch irgendwelche Beratergremien sind demokratische Institutionen, die die Legitimation haben, unser Land dauerhaft zu regieren. Das ist und bleibt Aufgabe der Parlamente und es wird Zeit, dass die Volksvertreter wieder diese Aufgabe wahrnehmen.“

„Kirche muss mit den Menschen gerade jetzt aktiv über den Tod diskutieren“

Zudem fordert Ridders, dass sich nun endlich auch die katholische Kirche in den gesellschaftlichen Diskurs um den Umgang mit dem Virus aktiv einschaltet. „Man hat das Gefühl, dass viele Menschen in eine Schockstarre verfallen sind und sich aus dem Lockdown eine Art ‚pandemiebedingte Komfortzone‘ entwickelt, in die sich viele gerne zurückziehen. Geschlossene Schulen und Homeoffice können kein Dauerzustand sein. Es muss unsere Aufgabe sein, das Leben zu schützen und nicht leichtfertig zu riskieren, aber wir können uns nicht dauerhaft gegen jede Gefahr, die das Leben mitbringt, absolut absichern“, gibt Ridders zu bedenken. „Auch der Tod gehört zum Leben dazu. Und wer – wenn nicht die Kirche – kann dies mit den Menschen glaubhaft diskutieren?“ (opm)

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