Unverständnis bei Boisheimer Anwohnern gegen ‚bürger- und naturfeindliche‘ Beiratsentscheidung

In geheimer Abstimmung hat der Beitrat der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Viersen für den Bau von Zufahrten in einem Landschaftsschutzgebiet gestimmt. An der Nette sollen vier Windräder entstehen, gegen die sich seit Beginn der Planungen die Boisheimer Anwohner, Tier- und Naturschützer wehren.

So sollen die Windräder aussehen – ein Größenvergleich.

Viersen-Boisheim – „Die neue Landesregierung denkt darüber nach die Entfernungen zwischen Bebauung und Windkraftanlagen zu erhöhen. Andere Bundesländer leben es vor, denn viele Mediziner sehen die bisherige Entfernungsvorgabe der rot-grünen Landesregierung kritisch“, so ein verärgerter Anwohner nach der Sitzung in der vergangenen Woche. „Kein Wunder, dass in Viersen die Zeit drängt, der Bau der Windkraftanlagen wird über die Gesundheit der Boisheimer gestellt.“ Er ist nicht alleine mit seinem Unmut. Seit Beginn der Planungen kämpft die Bürgerinitiative „Boisheim wehrt sich“ gegen die geplanten vier Windräder vor allen Dingen wegen der gesundheitlichen Gefahren für  Anwohner und Tierwelt.

Unverständnis, dass bei den betroffenen Anwohnern nach der Sitzung des Beirats der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Viersen weiter gewachsen ist, die in der vergangenen Sitzung in geheimer Abstimmung mit neun Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung für den Bau von Zufahrten zu den geplanten Baustellen stimmte. Prekär: Die Arbeiten, die im Herbst beginnen sollen, führen durch das Landschaftsschutzgebiet „Nette-Niederung“, einen geschützten Weiher und ein geschütztes Wäldchen. Mit seiner  Entscheidung setzt der Beitrat das Bundesnaturschutzgesetz außer Kraft, das verbietet Bäume oder Sträucher in diesen Landschaftsbereichen zu beschädigen oder Straßen anzulegen, verweist dabei auf das öffentliche Interesse. Das öffentliche Interesse sehen die Boisheimer anders, die aktuell mit zahlreichen Klagen versuchen gegen die Entscheidung vorzugehen.

Dass der Kreis Viersen einen „riesengroßen Aufwand“ für die Zuwegung in Kauf nahm, machte Horst Meister vom BUND stutzig, weshalb er den Sachverhalt in der Sitzung ansprach. „Ich habe Antworten auf die unpräzisen Angaben erwartet, die sich durch die gesamte Vorlage ziehen“, so Horst Meister, der den Eindruck hatte, der Beirat würde eine Art Blankoscheck ausstellen den der BUND nicht mittragen wollte. Tatsächlich fallen Lesern der Vorlage zahlreiche unpräzise Angaben auf, die in der Sitzung unbeantwortet bleiben. „Temporär, größtmöglicher Schutz, erheblicher Eingriff, erst demnächst zu konkretisieren, es ist beabsichtigt das Vorhaben eventuell in Rechnung zu stellen“ – sind nur einige Stellen, auf die der BUND aufmerksam machte. „Erlauben Sie mir die Bemerkung: Eine derartig unfertige Verwaltungsvorlage habe ich in all den Jahren meiner Mitgliedschaft in diesem Naturschutzbeirat noch nie erlebt. Einer solchen Vorlage kann ich aus meinem Verantwortungsbewusstsein für die Natur-, Umwelt- und Artenschutz nicht zustimmen“, erklärte Horst Meister. Seiner Meinung folgten zum Bedauern der Boisheimer nur zwei weitere Beiratsmitglieder.

Bleibt die aktuelle Entscheidung gegen den Wunsch der Boisheimer bestehen und können die Anwohner die gerichtliche Prüfung nicht positiv für sich entscheiden, werden die Wirtschaftswege durch das Landschaftsschutzgebiet auf sechs Meter verbreitert und mit Schotter aufgefüllt. 1.500 Quadratmeter nimmt alleine dieser Ausbau ein. Dazu müssen Bäume beschnitten werden, Randstreifen beschädigt – teilweise sogar zerstört werden, damit im späteren Verlauf ebenfalls die 4.700 Meter lange Trasse von Erdkabeln verlegt werden kann. Nach diesem Baufortschritt werden Fundamente und Windkrafttürme gesetzt. Bis dahin kämpfen die Anwohner und Natur- und Tierschützer weiter gegen die für sie „bürger- und naturfeindliche Entscheidung“.