Veilchendienstagszug: Petrus muss ein Mönchengladbacher sein

Die Sonne schien, als sich der Mönchengladbacher Veilchendienstagszug ein wenig verspätet in Bewegung setzte. Nach dem vergangenen Tagen ein Traumwetter, welches bis ganz knapp vor Schluss auch hielt und zeigte: Die Mönchengladbacher hatten die beste Verbindung nach oben zur Wetterabteilung.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Mönchengladbach – Hunderttausende säumten den Zugweg, als sich am Veilchendienstag alles rund um Gladbach, das jecke Narrennest drehte. Nachdem am Zugweg ein Rettungseinsatz zunächst den Start verzögerte, ging es dann aber 18 Minuten später als geplant los und der närrische Lindwurm mit mehr als 4.000 Teilnehmern setzte sich in Bewegung. Nicht wenige hatten sich das Sessionsmotto auf die Fahne geschrieben und gaben einen fantasievollen, facettenreichen Einblick in die Vogelwelt. Pfauen, Hühner oder Paradiesvögel, sie hatten wirklich nichts vergessen, als sie den rund 400.000 Besuchern ein fröhliches „Halt Pohl“ entgegenschmetterten.

Unter die bunten Vögel hatten sich jedoch ebenfalls durchaus ernste Themen gemischt. Schließlich ist die Narrenwelt auch dazu da der Politik und Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Die Holter Karnevalsgesellschaft hatte direkt ein ganzes Nest voller Ei-Ideen auf die Straße gebracht die nur darauf warteten, dass der Geistesblitz endlich einschlagen möge. „Sven im Halteverbot“, „Saudis im JHQ“ oder „Geroweiher unterkellern“ waren nur drei der Geistesblitze, die in Mönchengladbach für Furore gesorgt hatten. Unter den Mottowagen fand sich zudem die Stadtgarde, die ein Traber-Gespann mit einem Hai zusammenbrachten. Zugleiter Elmar Eßer ist ebenfalls Vorsitzender des Trabrennvereins und hatte gegen die Umnutzung der Rennbahn protestiert, weshalb dick zu lesen war: „Flug-Hai frisst Trabrennbahn“.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Gegen eine solche Pracht und freie Meinungen hatte auch Petrus nichts, der bis kurz vor Schluss den Regen zurückhielt. Gegen 17 Uhr zogen plötzlich dunkle Wolken auf, weshalb es sich am Straßenrand zusehends leerte. Den Regenguss erwischte dann genau der Prinzenwagen von Prinz Axel I. und Niersius Thorsten, die bis auf den letzten Meter gute Miene zum nassen Spiel machten und sich die gute Laune nicht verderben ließen.

Das jecke Treiben verlief in unserer Stadt aus polizeilicher Sicht zu allergrößten Teilen störungsfrei und friedlich. Ein paar Anlässe gab es für die Beamtinnen dann aber doch, um polizeilich einzugreifen. Insgesamt wurden 30 Personen Platzverweise ausgesprochen – in den meisten Fällen, weil sie sich aufrührerisch und/oder aggressiv verhielten. Die meisten kamen der Verfügung nach – eine Handvoll dieser Personen ließen sich jedoch nicht belehren und schliefen dann ihre Aggression und ihren Rausch im Polizeigewahrsam aus.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Drei Personen führte der Weg aufgrund einer Festnahme in das Gewahrsam. Grund hierfür war unter anderem Drogenbesitz. Zwei Strafanzeigen fertigten Beamte wegen Widerstandes. Die Tathandlungen führten nicht zu Verletzungen bei den Polizisten aber zu Blutproben bei den Tatverdächtigen. Ein versuchter Raub ereignete sich im Bereich des Hauptbahnhofes Mönchengladbach. Hier hatten zwei Tatverdächtige versucht, einen E-Scooter zu rauben – unter Vorhalt einer Nagelfeile. Das Raubopfer wurde leicht verletzt und suchte die dortige Wache der Bundespolizei auf. Dort erschienen später dann auch selbständig die Tatverdächtigen und stellten sich. Auch für sie führte der Weg dann zunächst ins Polizeipräsidium. Erfahrungsgemäß sind Körperverletzungen zuverlässige Begleiterscheinungen bei Karnevalseinsätzen. Am Veilchendienstag griffen Polizisten in einigen Fällen so schnell ein, dass es nicht zu einem Schaden kam. In zwei Fällen erwartet den jeweiligen Tatverdächtigen jedoch ein Strafverfahren.

Im Angesicht einer karnevalistischen Großveranstaltung lässt diese polizeiliche Bilanz den Schluss zu: Die Jecken in unserer Stadt haben heute miteinander gefeiert und die Zeit genutzt, um die fünfte Jahreszeit zu feiern. Ausgelassen vielleicht, aber friedlich. So, wie es sein soll. (ea/Polizei Mönchengladbach/cw)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming