Verfahren gegen Erzieherin im Todesfall der kleinen Greta F. – Anklage zeigt wiederholt Vorfälle auf

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach hat Anklage gegen Sandra M. aus Geldern wegen Mordes sowie wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in neun Fällen bei dem Landgericht Mönchengladbach erhoben.

Viersen – Das Verfahren fällt in die Zuständigkeit des Schwurgerichts. Der Rechtsanwalt der Angeschuldigten habe dem Landgericht bereits mitgeteilt keine Medienanfragen beantworten zu wollen. Als Nebenkläger nehmen zwei Kinder sowie die Mutter der verstorbenen Greta F. nehmen an dem Verfahren teil.

Die 1995 geborene Angeschuldigte Sandra M. habe als Erzieherin unter anderem in Kindertagesstätten in Krefeld, Kempen, Tönisvorst und Viersen gearbeitet, so die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift. Im Zeitraum vom 01.08.2017 bis zum 21.04.2020 habe sie den Brustkorb mehrerer ihr anvertrauter Kleinkinder in einer Art und Weise zusammengedrückt, dass bei diesen eine erhebliche Atemnot oder gar ein Atemstillstand eingetreten sei. Hierbei habe sie den Tod der Kinder mindestens billigend in Kauf genommen. Sie habe danach allerdings jeweils Kollegen auf den Zustand der Kinder hingewiesen und so Rettungsmaßnahmen veranlasst, die mit Ausnahme des letzten Falls das Überleben der Kinder sicherten.

Im Rahmen ihrer Tätigkeit in Krefeld habe die Angeschuldigte am 02.11.2017, 16.02.2018, 26.02.2018 und 12.06.2018 wie vorstehend geschildert auf den im Dezember 2014 geborenen Jungen S. eingewirkt, so dass dieser nicht mehr ansprechbar gewesen sei und in einem Fall an Armen und Beinen gezuckt und aus dem Mund geblutet habe.

Während ihrer Tätigkeit in Kempen sei sie in gleicher Weise am 31.08.2018, 01.10.2018, 29.10.2018 und 30.11.2018 mit dem im August 2016 geborenen Jungen M. verfahren. Hierdurch seien bei dem Jungen Atemnot bis zum Atemstillstand, Leblosigkeit und Krämpfe verursacht worden.

Am 29.10.2019 habe sie in einer Kita in Tönisvorst dem im Juni 2016 geborenen Mädchen J., die an einem angeborenen Herzfehler gelitten habe, den Brustkorb zusammengedrückt, bis es blau angelaufen sei und das Bewusstsein verloren habe.

Am 21.04.2020 sei die Angeschuldigte in einer Kita in Viersen für die Betreuung des im Mai 2017 geborenen Mädchens Greta zuständig gewesen. Während des Mittagsschlafes habe die Angeschuldigte dem Mädchen wie in den vorherigen Fällen den Brustkorb bis zum Atemstillstand zusammengedrückt. Bei Eintreffen des Notarztes habe das Kind keine Vitalfunktionen mehr aufgewiesen. Es habe dann reanimiert werden können, sei aber am 04.05.2020 trotz intensivmedizinischer Behandlung verstorben. Der 21.04.2020 sei der planmäßig letzte Arbeitstag der Angeschuldigten in der Kita in Viersen gewesen, da das Arbeitsverhältnis von der Angeschuldigten zum 30.04.2020 gekündigt worden sei.

Verschiedene Vorgesetzte wie Kolleginnen und Kollegen der Angeschuldigten hätten diese als für den Beruf der Erzieherin ungeeignet beschrieben. Sie habe sich insbesondere den Kindern gegenüber emotions- und teilnahmslos verhalten. Eine psychiatrische Untersuchung der Angeschuldigten wurde bereits im Ermittlungsverfahren veranlasst, ein Ergebnis lag aber bei Anklageerhebung noch nicht vor.
Das Schwurgericht hat nunmehr zunächst über die Eröffnung des Verfahrens zu entscheiden. Im Falle der Eröffnung ist mit der Terminierung der Sache bis Mitte November zu rechnen.

Quelle: Landgericht Mönchengladbach


Tod der dreijährigen Greta F. – Ermittler bewerten den Todesfall als heimtückischen Mord