Verleihung der „Goldenen Blume von Rheydt“

Seit 1967 findet alle zwei Jahre im Theater in Rheydt die Verleihung der „Goldenen Blume von Rheydt“ statt, also nun zum 27. Mal. In diesem Jahr ging der Preis an Prof. Dr. Michael Braungart. Dies ist der älteste deutsche Umweltschutzpreis.

Mönchengladbach/Rheydt – Die Bühne war mit wunderschönen Blumenarrangements bestückt und auf einer Leinwand wurden die bisherigen Preisträger ab 1967 bildlich noch einmal vorgestellt. Zu dieser Preisverleihung waren nicht nur die Promis der Stadt, sondern auch die Bürger herzlich eingeladen.

Den Beginn dieser Veranstaltung machte das Vocaldente-Quintett. Hierbei handelte es sich um fünf junge Männer aus Hannover, die ihre Songs A cappella vortrugen, aber nicht nur mit ihren Stimmen, sondern auch mit ihren wohlgeformten Körpern. Insgesamt traten sie drei Mal auf und hatten neben ihren Stimmen und Performance auch etwas lustiges auf Lager, so z.B. eine wichtige Frage: verliert ein Kaugummi seinen Geschmack, wenn man ihn über Nacht an einen Bettpfosten klebt? Oder Olivenöl wird aus Oliven hergestellt und Babyöl? Sie hatten die Lacher auf ihrer Seite.

Dann eröffnete Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners den offiziellen Teil mit seiner Ansprache. Er begrüßte die anwesenden bisherigen Preisträger, die Kuratoriumsmitglieder für die Verleihung der Goldenen Blume von Rheydt unter dem Vorsitz von Dr. Karl Hans Arnold sowie weitere Gäste, auch aus den benachbarten Niederlanden.

Er führte auf, dass die Goldene Blume nicht nur der älteste deutsche Umweltschutzpreis ist. Sie ist vor allem auch ein Zeichen für eine besondere Form von Bürgerbewegung, denn sie entstand durch die Initiative engagierter Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen Stadt Rheydt. Sie stifteten 1967 einen Preis für umweltbewusstes Denken und Handeln. Sie ist eine Auszeichnung, die den herausragenden Einsatz zum Wohle von Natur und Schöpfung würdigt. Sie rückt die Umwelt in ihrer gesellschaftlichen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Dimension in den Mittelpunkt.

Jeder Mensch kann mit seinem Handeln usw. den eigenen Lebensraum und seine Zukunft gestalten. Dazu braucht es Tatkraft und Zuversicht und vor allen Dingen Beispiele und Vorbilder. Die bisherigen Preisträger waren solche mutigen Vordenker.

Das gilt auch für den heutigen Preisträger, der ein radikales Umdenken fordert. Prof. Braungart beklagt nicht den Zustand der Welt, sondern nennt Lösungen. Er untersucht und liefert objektive Daten und zeigt Wege auf. Er hat großten Anteil an der Entwicklung des sogenannten Cradle-to-Cradle-Prinzips. Dahinter steht die die Idee, dass man einen Kreislauf der Nachhaltigkeit schaffen kann durch Einsatz hochwertiger, ressourcenschonend eingesetzter Rohstoffe und innovativer Technik.

Der Laudator Dr. Karl Hans Arnold ging in seiner Rede auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein. Die „Goldene Blume von Rheydt“ setzt sich auch für Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein, aber anders, und das seit über 50 Jahren. Damit ist sie Vorreiterin, Visionärin. Seit über 50 Jahren zeichnet sie Menschen aus, die sich ganz konkret, persönlich für den Erhalt unseres Planeten einsetzen.

Auch das Prinzip des diesjährigen Preisträgers Braungart klingt einfach: Weiterverwertung. Er orientiert sich an der Natur. Sandoz, inzwischen Ciba-Geigy, hat von Braungart gelernt, nachhaltiger zu produzieren. Nach diesem Prinzip sind schon Hunderte von Produkten auch anderer namhafter Hersteller entstanden: kompostierbare T-Shirts, recyclebare Turnschuhe, ungiftiges Toilettenpapier. Die deutsche Mülltrennung kommt bei Prof. Braungart schlecht weg. Häufig seien die Stoffe zur Weiterverwertung ungeeignet, da belastet.

Dann wurde Prof. Dr. Michael Braungart auf die Bühne gebeten. Verliehen wurde ihm die „Goldene Blume“ durch Dr. Karl Hans Arnold. Der undotierte Preis besteht aus seiner vergoldeten stilisierten Dahlie in Medaillenform an seinem Band in den Stadtfarben Gelb und Rot.

Die dazu gehörige Urkunde wurde von Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners vorgelesen. Dann trug sich Braungart in das Goldene Buch der Stadt Mönchengladbach ein.

Prof. Dr. Braungart ging in seiner Dankesrede auf die verschiedensten Dinge ein, die man im Leben ändern könnte. Er sprach zu den Themen Realisierung zukunftstauglicher „intelligenter Produkte“, Entwicklung und Umsetzung von Umweltschutzkonzepten, umweltverträgliche Produktionsverfahren sowie zu Ökobilanzen komplexer Gebrauchsgüter. Er zeigte Beispiele auf, die die Gäste zum Schmunzeln brachten.

Sein Schlusswort bestand u.a. darin, dass dieser Preis ihm mehr bedeute, als die Verleihung des „Doctor honoris causa“ in Hasselt.   [Text: Marlene Katz]