Verlor Fotoliebling „Otto“ auf den Süchtelner Höhen sein Leben?

Erinnern Sie sich an das Wildschwein „Otto“? Vor zwei Jahren wurde Otto als Frischling in Frankfurt gefunden und fand zunächst am Niederrhein ein neues Zuhause. Mit der Flasche wurde er groß gezogen, schlief mit den Kindern auf dem Sofa. Dann wurde das an Menschen gewöhnte Tier im Viersener Wildgehege aufgenommen und scheint hier nun als eines der ersten Wildschweine Kontakt mit den Jägern gehabt zu haben.

Einmal streicheln bitte – Wildschwein Otto genießt sichtlich die menschlichen Zuwendungen.

Viersen – Im Frühjahr 2015 klingelte das Telefon bei der Süchtelnerin Katja Lewerenz. Ihre Cousine aus Frankfurt hatte beim Joggen ein kleines Wildschwein gefunden, weit und breit keine dazugehörende Sau. Der Kleine war verletzt und er wurde tierärztlich versorgt. Sie war es, die „Otto“ mit nach Hause nahm und ihn mit der Flasche großzog. Die Kinder schliefen mit dem Tier auf dem Sofa und als er zu groß für die Großstadt wurde, organisierte Katja Lewerenz einen Platz auf dem Hof der Familie Fernau in Grefrath. Auch hier galt er als liebes Tier, erhielt weiter die Flasche und avancierte schnell zum Liebling der Hofbesucher. Antonia und Frederike Fernau kümmerten sich um den Frischling, der in der Katzenbox schlief und sich das Hundefutter mit dem Hofhund Waldi, einem Jack Russel teilte. Beide waren ein Herz und eine Seele. „Vorab hatte ich mit dem Forstamt abgemacht, das Otto die Möglichkeit hatte, wenn er alt und stark genug war, im Wildgehege Süchteln ein zu Hause zu finden“, so Katja Lewerenz. „Der Förster kam um ihn sich anzusehen und war erfreut, dass frisches Blut in die Zucht kam, da der alte Eber in die Jahre gekommen war und die Stadt kein Geld hatte um weiteren Nachwuchs aus neuer Linie zu sichern.“

Nach acht Monaten war es dann soweit, Otto wurde ins Wildgehege gebracht und nach einiger Zeit von der Wildschweingruppe vollständig anerkannt. Auch bei Besuchen reagierte er auf die Rufe seiner Pflegeeltern, schließlich wuchs Otto mit Hunden, Pferden und Menschen auf, wurde schnell zum Liebling der Fotografen. Finanziert wurde er jedoch nicht von der Stadt, die Kosten für den neuen Zuchteber wurden von seinen menschlichen Pflegeeltern getragen. „Er war ein toller Kerl und wir freuten uns, dass er artgerecht leben konnte“, berichtet Katja Lewerenz weiter. „Nach dem Sturm Friederike versuchte ich bei der Stadt und auch beim Forstamt zu erfahren, wie es unserem Otto gehen würde. Leider erhielt ich keine Antwort. Über Facebook haben wir dann einiges lesen können und Frau Fernau erfuhr dann vom Förster, dass eines der erlegten Tiere wohl Otto war.“

Die Familien sind entsetzt über das Vorgehen der Stadt und die Abschüsse. Ebenfalls wie zahlreiche Tier- und Naturschützer und Bürger sind sie der Meinung, dass es andere Möglichkeiten gegeben hätte. Katja Lewerenz: „Von den Notfellen Niederrhein e. V. erfuhr ich, dass es Helfer gegeben hätte, die das Wildgehege sichern wollten. Was bitte ist da schief gelaufen? Wo liegt der Hund begraben? Ich lebe seit 35 Jahren in Süchteln und wir sind schon immer gerne auf den Höhen spazieren gegangen. Das Wildgehege gehört für uns dazu und es traurig, dass die Gelder fehlen sollen es weiter aufrecht zu erhalten. Für die meisten war Otto nur ein Schwein, für uns war es Otto, der hinter uns her lief, der mit unseren Hunden spielte, der uns laut grunzend begrüßte und sich des Lebens freute … und nein, wir leben nicht auf einem Ponyhof, sondern im realen Leben.“ (dt)

Foto: Katja Lewerenz