Verschärfung des Fachkräftemangels – Die Hälfte der Betriebe in NRW kann offene Stellen nicht besetzen

IHK NRW hat eine Sonderauswertung der aktuellen Konjunkturumfrage vorgenommen. Die Umfrage bei 6.900 Unternehmen in NRW zeigt: Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich zum Herbst deutlich verbessert, doch die Hälfte der Betriebe in NRW kann offene Stellen nicht besetzen.

NRW – Die Unternehmen wollen wieder mehr Personal beschäftigen. Jedes vierte Unternehmen plant für die kommenden Monate mit einer höheren Beschäftigtenzahl als heute. Weniger Personal als bisher wollen dagegen nur elf Prozent der Betriebe beschäftigen. „Das ist ein gutes und positives Signal für den Aufschwung unserer Wirtschaft hier am Standort NRW“, sagt Ralf Stoffels, Präsident von IHK NRW.

Doch die Personalsuche wird zur Herausforderung: Jedes zweite Unternehmen gibt an, offene Stellen auch nach mehr als zweimonatiger Suche nicht besetzen zu können. Besonders angespannt ist die Situation im Gastgewerbe und der Veranstaltungsbranche. „Im Zuge der Shutdowns haben sich viele Mitarbeitende umorientiert und Jobs in anderen Branchen angenommen“, kommentiert Stoffels die Umfrageergebnisse.

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Gesucht und nicht gefunden werden grundsätzlich Mitarbeiter aller Qualifikationsstufen. Am größten ist der Engpass bei Fachkräften mit einem beruflichen Ausbildungsabschluss. 45 Prozent der erfolglos suchenden Unternehmen melden hier Bedarf.

Um den Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung zu begegnen, wollen die Befragten an ihrer Attraktivität als Arbeitgeber arbeiten (55 Prozent) und noch mehr Ausbildungsplätze anbieten (45 Prozent). Für mehr als jeden vierten Betrieb (27 Prozent) gestaltet sich die Personalsuche jedoch so schwierig, dass er auf technische Lösungen als Ersatz für fehlende Fachkräfte setzt. „Die Unternehmen wollen mehr Fachkräfte ausbilden und einstellen. Wenn das aber nicht gelingt, werden wir Arbeitsplätze auch dauerhaft verlieren“, so Stoffels.

Die Engpässe wirken sich nicht nur auf den Betrieb selbst und die vorhandenen Belegschaften aus. Vier von zehn Unternehmen rechnen damit, ihr Angebot einschränken und Aufträge ablehnen zu müssen. Stoffels: „Der Fachkräftemangel ist keineswegs nur ein Problem der Wirtschaft. Wir werden ihn alle zu spüren bekommen, wenn manche Produkte und Dienstleistungen nicht mehr angeboten werden können.“

Stoffels Fazit: „Nur wenn wir auf vielen Baustellen gleichzeitig arbeiten, werden wir die Fachkräfteengpässe klein halten können. Das beginnt bei der Stärkung der Ausbildung und beinhaltet gezielte Fachkräfteeinwanderung ebenso wie die Nachqualifizierung von Menschen ohne Berufsabschluss und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ (opm)