Verwaltung legt konkrete Planungen zum CDU-Antrag zur Viersener Erinnerungskultur vor

Vor fast zwei Jahren hat die CDU-Fraktion beantragt die Stadt möge ein Konzept entwickeln, wie die Erinnerung an die Menschheitsverbrechen während er NS-Terrorherrschaft zur Mahnung wachgehalten und wie den Opfern dieses Regimes gedacht werden kann. Nun befasst sich der Kultur- und Partnerschaftsausschuss am Montagabend mit einer konreten Vorlage.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Viersen – Es hatte bereits einige Monate gedauert, bis der Ausschuss sich das erste Mal mit dem bereits im November 2018 gestellten Antrag der CDU-Fraktion befasste, und die Verwaltung beauftragte ein Konzept mit relevanten gesellschaftlichen Gruppen zu entwickeln. Dies dauerte weit über ein Jahr und erst jetzt wird sich der Ausschuss erneut mit dieser Thematik befassen. Stimmen die Mitglieder zu, wird die Verwaltung verschiedenste Projekte mit Viersener Partnern anstreben.

Mit Blick auf die Diskussion um die Stolperstein-Verlegung des Künstlers Gunter Demnig ist das Ziel des CDU-Antrags die Erinnerung an die deutschen Menschheitsverbrechen der NS-Terrorherrschaft zur Mahnung wachzuhalten und den Opfern des Regimes zu gedenken. Die Verlegung der Stolpersteine hatte in Viersen für eine breite Diskussion gesorgt. Das jetzige Konzept zeigt sich dynamischen Prozess historischer Selbstreflexion vor dem Hintergrund nationalsozialistischer Vergangenheit, ihrer Vor- und Nachgeschichte bis in die Gegenwart. Die nationalsozialistische Diktatur hat in Viersen wie überall in Deutschland Spuren hinterlassen. Einige sind noch heute erkennbar, andere erschließen sich nur historisch Informierten.

Foto: Rheinischer Spiegel/wh

Mit Blick auf die jüngsten Ereignisse sollen die Projekte möglichst von selbst durch die relevanten Gruppen erwachsen. Da die Stadt Viersen seit mehr als drei Jahre kein eigenständiges Stadtarchiv mit einem Historiker oder Stadtarchivar mehr hat, ist diese Aufgabe dem FB 50/II – Kultur übertragen worden. Die Kulturabteilung hat alle Institutionen, die sich mit dieser Thematik befassen, befragt und laufende Projekte in das Konzept für Erinnerungskultur aufgenommen. Schulen, Kirchengemeinden und weitere Einrichtungen haben ihre zahlreichen Maßnahmen vorgestellt, beispielhaft der hier der Holocaust Gedenktag, Ausstellungen zu Opfern des Nationalsozialismus oder eine Kooperation der Johannes-Kepler-Schule mit dem Verein Heimatsucher e.V. erwähnt, der in jahrelanger Arbeit die Geschichten von Holocaust-Überlebenden gesammelt, dokumentiert und für Schulen in einem einzigartigen Konzept aufgearbeitet hat.

Gemeinsam mit dem Verein „Förderung der Erinnerungskultur e.V. Viersen 1933-45“ will die Stadt Viersen die Umbenennung einer Straße nach dem ehemaligen Lehrer der jüdischen Schule in Viersen, Israel Nussbaum, sowie die offizielle Aberkennung der Ehrenbürgerschaften von Adolf Hitler, Hermann Göring und Paul von Hindenburg anstoßen. Der Verein für Heimatpflege e. V. Viersen plant im 1. Halbjahr 2022 mit dem Kurator Dr. Alexander Grönert eine Ausstellung im „Viersener Salon“ zum Thema „Jüdisches Leben in Viersen“.

Im Jahr 2021 und darüber hinaus sollen Aktivitäten zum Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ durchgeführt werden. Der Verein „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“ spielt hierbei NRW-weit eine große Rolle und hat zum Ziel, die Bedeutung der jüdischen Kultur und Geschichte für Deutschland und Europa wachzuhalten. Hinzu kommen Planungen zu einem Literaturkreis mit Besprechung von Büchern zum Nationalsozialismus, kulturelle Veranstaltungen mit jüdischen KünstlerInnen in Festhalle und Galerie oder eine Kooperation mit der Viersener Partnerstadt Pardesia/Israel.
Zu verschiedenen Planungen wurden bereits Projektanträge gestellt, die erforderlichen finanziellen Mittel von aktuell 5.000 Euro werden bei einer Zustimmung des Ausschusses in den Haushalt 2021 eingestellt. (ea)