Viersen 2030 – Der Vierscher Talk warf einen Blick auf die Stadt

Wie erlebt Viersen Corona, welche Herausforderungen müssen bewältigt werden? Beim ersten Vierscher Talk warf die CDU-Viersen gemeinsam mit ihrem Bürgermeisterkandidaten und bekannten Gesichtern der Stadt einen Blick auf die aktuelle Situation.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen-Dülken – Genug Raum fand der erste Vierscher Talk nur wenige Tage vor der Entscheidung der diesjährigen Kommunalwahl im Volkswagen Zentrum Viersen“ des Autohauses „Waldhausen & Bürkel“. Oliver Bürkel begrüßte die Gäste, die verschiedener politischer Couleur waren. Ein Umstand, den Bürkel unterstrich, denn das Autohaus stehe allen politischen Farben offen. Zum Thema „Viersen. Corona. Unsere Herausforderung.“ hatte am Montagabend die CDU-Viersen eingeladen. Die mit Abstand aufgestellten Stühle waren bis in die hinteren Reihen mit rund 70 Besuchern besetzt, zudem konnte der Dialog live verfolgt werden. Durch den Abend führte der CDU-Vorsitzende Sebastian Achten gemeinsam mit Vorstandsmitglied Henriette Gehse, welche einen roten Faden durch die verschiedenen Bereiche webten.

Zum Thema „Viersen. Corona. Unsere Herausforderung.“ hatte am Montagabend die CDU-Viersen eingeladen. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Als Talkgäste hatten sich Tanzschulinhaberin Saskia Fauth, Friseurin Andrea Stollenwerk, Geschäftsführerin der P&Z Immobilien Julia Trost sowie Gastwirt Helmut Schatten auf die zurzeit allgegenwärtige Situation vorbereitet, unternahmen zunächst eine Reise in die ersten Tage der Pandemie. Erste Schritte im Baumarkt, Verlagerungen der Angebote auf digitale Wege, aber auch der Zuspruch der Kunden – Erinnerungen und Erlebnisse, die jedem Zuhörer bekannt schienen. Von den Möglichkeiten im Home-Office sowie dem Miteinander auf Abstand im Immobilienbereich der Firma P&Z lag der Sprung zur Papierfabrik nahe, welche mit viel Liebe zum Erhalt der Industriebrache saniert worden war.

Die Zusammenarbeit mit den Behörden sei positiv gewesen, berichtete Julia Troost, dennoch wäre ein Wunsch einer stärkeren Digitalisierung bei der städtischen Verwaltung gegeben. Ein Impuls den ebenfalls Andrea Stollenwerk bestärkte und der von Christoph Hopp nochmals unterstrichen wurde. „Leider ist das Heimatshoppen in Dülken immer weniger möglich“, so Stollenwerk. „Wir haben Inhaber, die ihre Geschäfte mit viel Liebe betreiben. Da zeigt sich ein Bild von Dülken, das nicht schön ist. Auch die Gastronomen haben ihre Probleme und irgendwo haben wir das Gefühl, wir sind auf dem absteigenden Ast. Auch die Stadt selbst zeigt sich sehr schmutzig, sehr ungeordnet, es wäre schön, wenn das wieder in die Hand genommen wird.“ Die Lange Straße die nun nicht 2020, sondern erst 2021 neu gestaltet wird, „weil neue Pläne erstellt werden mussten, man hatte nicht beachtet wo Kanal und Strom usw. war“, ergänzt die Dülkenerin, sieht sie als Chance, sie selbst ist mit ihrem Geschäft auf der Lange Straße beheimatet.

Das Brauchtum, das Weihnachtsmärchen oder die Beispiele, die Helmut Schatten genannt hatte, seien die Bausteine „des Kitts“, der die Gesellschaft zusammenhält, warf Christoph Hopp ein. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Der Wunsch nach Unterstützung sei berechtigt, so Hopp, der viele Gespräche vor Ort in Dülken geführt hatte und selbst mit seiner Familie in Dülken wohnt. Das Kundenverhalten könne nicht zurückgedreht werden, aber es wäre wichtig sich auf dieses veränderte Kaufverhalten mit attraktiven, stationären Angeboten einzustellen. Nicht der Leerstand dürfe in Dülken verwaltet werden, hier müssen aktive Ideen eingebracht werden. Das wäre etwas, was für Süchteln genauso gelte wie für Dülken und wo auch in Viersen dringender Bedarf bestehen würde, damit auch in den kommenden Jahrzehnten der Einzelhandel existieren könne. „Das ist doch sicherlich unser gemeinsames Interesse und da sehe ich eine ganze Menge von Möglichkeiten“, bestärkte Christoph Hopp.

Eine Lanze brach Julia Trost für Viersen, so könne man vieles verbessern und ausschöpfen, doch gerade an dem Verkauf der aktuellen Wohneinheiten an der Brüsseler Allee ließe sich aufzeigen, wie viele aus den Ballungszentren bewusst nach Viersen gezogen seien. Viersen zeichne sich aber auch durch ein starkes Engagement der Bürger und Unternehmen aus, spielte Henriette Gehse den „Ball“ zu Saskia Fauth, die bereits ein Hygienekonzept für das beliebte Weihnachtsmärchen in der Festhalle erarbeitet hat. Nun hofft die Tanzschule auf eine Genehmigung, denn das Weihnachtsmärchen gehört für die Teilnehmenden zum Höhepunkt ihres Tanzschuljahres. Nach dem Lockdown hatte man zudem ein Konzept für Grundschulen vorgestellt, den benötigten Platz für den Abstand der Schulkinder bieten die Räume an der Poststraße, zudem ist die Tanzschule eine anerkannte Bildungseinrichtung. Manchmal wären die Wege in der Verwaltung jedoch lang und schwer, so konnte das Projekt nur einer Schule angeboten werden. „Wir waren ganz erstaunt, weil wir mit den Kulturstrolchen seit Jahren für die Stadt tätig sind. Nun hatten wir eine neue Ansprechpartnerin und diese kannte uns gar nicht. Hatte keine Kenntnis darüber was wir machen und wer wir sind“, ergänzte Saskia Fauth, die gemeinsam mit der Rahser Grundschule auch den Umgang der Kinder miteinander in der neuen Situation in den Blick genommen hatte.

Als Talkgäste hatten sich Tanzschulinhaberin Saskia Fauth, Friseurin Andrea Stollenwerk, Geschäftsführerin der P&Z Immobilien Julia Trost sowie Gastwirt Helmut Schatten auf die zurzeit allgegenwärtige Situation vorbereitet, unternahmen zunächst eine Reise in die ersten Tage der Pandemie. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Das Brauchtum durchzog als weiteres Thema den Abend. „Ich finde St. Martin darf absolut nicht untergehen“, vertrat Helmut Schatten seine Meinung. Gleiches gelte für Schützenfeste und Karneval, weshalb er sein bürgerschaftliches Engagement stetig erhalten und ausweiten würde. Er erinnerte an Zeiten, in denen die Viersener ihre Politiker „an der Theke“ ansprechen konnten und wünsche sich, dass genau dieser enge Kontakt zwischen Bürgern und Politik wieder hergestellt werden kann. Das Brauchtum, das Weihnachtsmärchen oder die Beispiele, die Helmut Schatten genannt hatte, seien die Bausteine „des Kitts“, der die Gesellschaft zusammenhält, warf Christoph Hopp ein. „Das was wir hier vor Ort machen können, an der Theke oder beim Möhrenschälen, das sind doch die Dinge, die wir bewegen können“, so Hopp. „Wo wir den Menschen dieses Vertrauen geben können: Ihr müsst keine Angst haben vor dem, was sich da verändert. Dann können wir den Menschen zeigen, dass sie keine Angst haben müssen, dass sie jemand vergisst.“ Auch das sei ein Baustein mit dem der Politikverdrossenheit entgegengearbeitet werden kann.

Mit Viersen 2030 rundete sich das Bild des Abends auch mit der Suche nach einem jeweiligen Lieblingsplatz ab, welches später an Kommunikationsinseln in kleinen Gruppen fortgeführt werden konnte. Mehr Angebote für Jugendliche, sprach Andrea Stollenwerk an, und der Wunsch aus der Krise etwas Positives mitzunehmen. „Ich wünsche mir, dass wir 2030 wieder ein mehr Miteinander haben“, sagte Stollenwerk. Julia Trost gab die Süchtelner Höhen als ihren Lieblingsplatz preis und den Wunsch, dass der Kletterwald wieder aufgeforstet wird. „Das geht vielleicht auch schon früher und nicht erst in zehn Jahren.“ Ein Naherholungsgebiet, welches erhalten bleiben sollte und eine Meinung, die durch zustimmendes Nicken der Gäste unterstrichen wurde.

Die letzten Worte richtete Christoph Hopp als Bürgermeisterkandidat an Gäste und Zuhörer, der nicht sein Wahlprogramm ausbreiten wollte, sondern skizzenhaft einen Appell mit Blick auf die Gesprächsthemen zusammenfasste. „Wir müssen den Klimaschutz erst nehmen und die Süchtelner Höhen sinnvoll mit Bäumen aufforsten, die den veränderten Gegebenheiten standhalten. Wir müssen attraktive Plätze nicht nur für die Jugend, sondern auch für uns etablieren. Dülken und Süchteln bieten eine Menge Chancen diese Stadtteile für die Zukunft aufzustellen“, so Christoph Hopp. Hierbei müsse auch das stadtteilübergreifende Prinzip berücksichtigt werden. So sei es gut, dass Alt-Viersen diese Struktur habe, doch die Stadtteile müssten profitieren von Events und Veranstaltungen. Hier müssten die Stadtteile stärker eingebunden werden. All das könne nur funktionieren vor einer funktionierenden Wirtschaftspolitik und einer soliden Wirtschaftsförderung. Nicht nur diesem Bereich müsse einiges besser verlaufen – damit Viersen 2030 die Kreisstadt ist, „die wir uns vorstellen“. (cs)

Durch den Abend führte der CDU-Vorsitzende Sebastian Achten gemeinsam mit Vorstandsmitglied Henriette Gehse, welche einen roten Faden durch die verschiedenen Bereiche webten. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming