Für eine saubere Stadt – Bürgerinitiative „Wir für unsere Stadt“ lädt zum Plogging ein

Langsam hat der Frühsommer Einzug gehalten. Die perfekte Jahreszeit für die ersten ehrenamtlichen Müllsammelaktionen, damit Viersen vom Unrat befreit werden kann. Traditionell startet auch die Bürgerinitiative „Wir für unsere Stadt“ eine Aufräumaktion, die in diesem Jahr jedoch auf Abstand geplant werden musste.
Von RS-Redakteur Walter Henning

Viersen – Aus Schweden herübergeschwappt ist das Plogging nach Deutschland und bundesweit trafen sich vor der Corona-Pandemie bereits die ersten Laufgruppen, die Sport und Umweltschutz miteinander verbanden. Plogging ist ein Mix aus Joggen und Müll sammeln mit einem zusätzlichem Trainingseffekt. Warum nicht, dachte sich die Bürgerinitiative „Wir für unsere Stadt“ und lud ihre laufaffinen Mitglieder, Freunde und Bekannte bereits 2019 zum ersten Viersener Plogging ein. An den positiven Erfolg möchte die Bürgerinitiative in diesem Jahr anknüpfen und freut sich auf zahlreiche Teilnehmer. Aus der Bürgerinitiative selbst haben sich auch bereits die ersten vierzehn Müll-Lauf-Sammler, bewaffnet mit Turnschuhen und Mülltüte, gefunden. „Wir haben zur dieser Aktion zunächst intern eingeladen, um die Resonanz während der aktuellen Situation zu testen“, so Olaf Josten, Vorsitzender der Bürgerinitiative. Eine gute Resonanz, mit der Josten zufrieden ist und hofft, dass sich viele Viersener der Idee anschließen und Fotos unter dem Hastag #wirfürunserestadt in den verschiedenen sozialen Medien posten.

Das Wort „Plogging“ setzt sich aus dem schwedischen Wort „plocka“ = sammeln, aufheben und „Jogging“ zusammen. Dabei werden aber direkt mehrere Ziele angesteuert, denn nicht nur die Umwelt profitiert von der Idee, auch für den Jogger hat das Plogging einen positiven Nebeneffekt. Durch die neue Bewegung beim Aufheben werden zusätzliche Muskelgruppen beansprucht und trainiert. Gerade während der Corona-Situation eignet sich die Idee als Frühjahrstrend, denn in Gruppen laufen ist aufgrund der Maßnahmen schwierig.

Die ersten Teilnehmer haben bereits unterschiedliche Zeiten und Strecken gewählt, sammeln während des Laufens Müll in die mitgebrachte Tüte und entsorgen ihn am Ende ordnungsgemäß. „Ob organisierte Müllsammel-Aktionen oder individuelles Plogging, wir alle können mit ein paar Handbewegungen helfen, dass Viersen sauberer wird“, sagt Michelle (18), die jüngste Teilnehmerin der Gruppe. „Die Idee ist nicht nur gut für die Gesundheit, sie ist auch gut für Geist, Seele und Umwelt.“ Sie selbst würde bisher immer viel zu wenig Sport treiben, es sich aber immer vornehmen. Mit dem Plogging-Konzept hätte sie jedoch einen weiteren Anreiz, nur zu nass sei es ihr momentan. Die Idee findet nicht nur sie witzig und frisch.

Foto: nastya_gepp

Manfred (48) wirft einen Becher in den Müllbeutel mit den Henkeln, den er in seiner Hand hält. Er arbeitet bei der Deutschen Bahn in der IT-Entwicklung. Seine Frau hat ihn auf die Aktion aufmerksam gemacht. „Ich dachte mir, das klingt verrückt, da machen wir mit.“ Beide möchten nachhaltiger leben, sind erst vor kurzem von Köln aus in die Region gezogen. „Eine solche Gruppe gibt es in Köln auch“, sagt Maria (43). Eine Freundin sei in der Domstadt aktiv dabei und habe ihr von der Idee erzählt. Als dann in Viersen darüber nachgedacht wurde war sie sofort dabei. „Plogging ist Training für Oberschenkel- und Rückenmuskulatur“, lacht sie. In ihrer Tüte sammeln sich Flaschen, Hundekot-Beutel, Papier. Ein wenig neugierig werden sie von einer Passantin beäugt, doch als sie erfährt, worum es sich handelt, erntet die Gruppe Lob. Dass es nicht nur positive Stimmen geben wird, das weiß jeder Teilnehmer. „Es gibt so viele ungewöhnliche Hobbys, warum nicht? Outdoor-Sport und Umwelt gehören zusammen“, da ist sich Michelle sicher. „Schließlich wollen wir nicht durch einen Park laufen der dreckig ist. Dass ich den Müll anderer wegräume interessiert mich nicht. Ich hoffe viel mehr, dass ich den Umweltsündern ein Vorbild sein kann und die die lachen, die sollten sich einmal an die eigene Nase fassen.“

Doch nicht nur in Schweden und Deutschland sind Plogger aktiv, weltweit haben sich Gruppen gebildet. Auf Instagram tauchen seit rund zwei Jahren Müll-Sammler-Fotos aus der ganzen Welt auf. Nur ein Trend oder ein Social-Media-Lifestyle? Das sei eigentlich egal solange es Spaß macht, da sind sich die Teilnehmer einig, die auch in Zukunft den inneren Schweinehund überwinden wollen – mit Laufschuhen und Mülltüte. „Es ist sicherlich von allem ein bisschen“, sagt BI-Vorsitzender Olaf Josten. „Wir wollten bei den jährlichen Müllsammelaktionen, die aufgrund der aktuellen Situation im vergangenen Jahr pausiert haben und von denen einige im Laufe der Zeit aufhören mussten, weil die Resonanz nachließ, einfach etwas anderes anbieten, etwas Neues und ein bisschen Verrücktes.“ (wh)