Viersen: Erhöhte Konzentration des Dieselabgasgifts NO2 an der Kölnischen Straße

Unter der Beteiligung der Bürgerinitiative Viersen-Hamm e. V. (BIVH) maß die Deutsche Umwelthilfe die Konzentration des Dieselabgasgifts NO2 an der Kölnischen Straße. Bereits auf dem freien Gelände um die Messstelle wurde ein Wert ermittelt der rund 60% des Grenzwertes ausmacht und als gesundheitlich bedenklich gilt.

Foto (c) DUH: Passivsammler der Messaktion

Viersen – Es sind beunruhigende Werte, die die Deutsche Umwelthilfe nach einer umfangreichen NO2-Messaktion vorgelegt hat. Gemessen wurde in 426 Städten, 1.111 Hot Spots mit gesundheitlich gefährlicher Konzentration des Dieselabgasgifts wurden dabei ermittelt, einer davon an der Kölnischen Straße in Viersen. Es ist wohl auch der einzige Messpunkt, den die Bürgerinitiative Viersen-Hamm e. V. gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe initiiert hatte. Bereits an der nicht windgeschützten Stelle, an der von einer guten Durchlüftung auszugehen ist, wurde ein Wert von 24,1 µg/m³ (NO2 pro Kubikmeter Luft (ug/m3)) festgestellt, der bei rund 60 % des Grenzwertes von 40 µg/m³ liegt und damit als gesundheitlich bedenklich gilt.

Aufgrund mehrerer neutraler Studien über die Gesundheitsgefahren durch NO2 bei niedrigen Konzentrationen, fordert die DUH die Absenkung des NO2-Luftqualitätswertes der EU auf 20 µg/m³.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat vom 1. Februar bis 1. März 2018 an 559 Messorten die Belastung der Atemluft mit dem Dieselabgasgift Stickstoffdioxid (NO2) mithilfe von Passivsammlern gemessen. Die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation hat damit mehr als doppelt so viele verkehrsnahe neue Messorte untersucht, wie das behördliche Messnetz insgesamt aufweist. Die Ergebnisse zeigen eine erschreckend hohe NO2-Belastung der Atemluft. Die betroffenen Städte werden von der DUH aufgefordert, umgehend wirksame Minderungsmaßnahmen einzuleiten. Dabei müssen sie eine Unterstützung durch die Bundesregierung erhalten, die bislang ihre finanzielle Hilfe auf wenige Dutzend Städte mit amtlich festgestellten NO2-Grenzwertüberschreitungen begrenzt. Angesichts der aktuellen Studienlage ist zudem eine Absenkung des Jahresmittelwertes auf 20 Mikrogramm (µg) NO2 pro Kubikmeter (m³) erforderlich. Insgesamt wurden bei der DUH-Messaktion 67 neue Hot Spots mit Überschreitungen des derzeitigen EU-Grenzwerts für NO2 von 40 µg /m³ identifiziert. An 181 Standorten wurden 30 bis 40 µg/m³ gemessen und 251 Standorte mit 20 bis 30 µg/m³. Nur an 60 Standorten lagen die NO2-Werte unter 20 µg/m³.

Tatsächlich sind die Belastungen sogar noch höher als im Februar 2018 von der DUH gemessen. Aufgrund des starken Kälteeinbruchs während ca. der Hälfte des Messzeitraums liegt der von den Passivsammlern ermittelte Wert ca. zehn Prozent unter dem tatsächlichen Wert. Das haben Referenzmessungen an den offiziellen Messstationen, der Vergleich mit den Februar-Messungen des Umweltbundesamtes (UBA) sowie die mit der Analyse betrauten Wissenschaftler des schweizerischen Analyselabors Passam AG bestätigt. Die DUH veröffentlicht die gemessenen Zahlen unverändert, da auch so die gesundheitlich problematische Belastung deutlich wird. Nur für 58 Messstellen, die NO2-Werte zwischen 35 und 40 µg/m³ ergeben haben, wird die DUH zeitnah Nachmessungen durchführen.
Auslöser der DUH-Messaktion „Decke auf, wo Atmen krank macht“ ist der ausbleibende Schutz der Bevölkerung in diesen Orten vor dem Luftschadstoff NO2. Um über das Ausmaß des Problems der Belastung unserer Atemluft mit dem Dieselabgasgift NO2 zu informieren, hat die DUH neben ihren eigenen Ergebnissen auch alle bereits öffentlich über das Umweltbundesamt zugänglichen amtlichen Messungen sowie Untersuchungen des Verkehrsclub Deutschland (VCD), der Rundfunkanstalten rbb und SWR sowie des Vereins Green City aus München in einer interaktiven Karte zusammengetragen. Das Ergebnis der Gesamtbetrachtung: 1.111 Messstellen in 426 Städten und Gemeinden zeigen gesundheitlich bedenkliche NO2-Belastungen der Atemluft mit Werten von über 20 µg/m³. An 350 Messstellen in 121 Städten und Gemeinden zeigen die Ergebnisse sogar Überschreitungen des NO2-Luftqualitätswerts von 40 µg/m³.

Um die bundesweite Datenlage weiter zu verbessern, plant die DUH eine zweite Messaktion für ungefähr 500 Orte in Deutschland im Juni 2018. Wie schon bei der ersten Mitmachaktion können Bürger Straßenabschnitte in ihrer Gemeinde mit einer besonders hohen Luftverschmutzung über die Internetadresse www.duh.de/abgasalarm melden. (re/cs/DUH)