Viersen leuchtete orange als Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Die Festhalle, der Turm der Feuerwache, die Evangelische Kreuzkirche, der Rohbau des zukünftigen Kreisarchivs sowie weitere Gebäude und Skulpturen erstrahlten am Donnerstag in einem ungewöhnlichen Orange und wurden zu Leuchtzeichen gegen die sexualisierte Gewalt, ihre Ursachen und Folgen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Mit auffälligen Leuchtzeichen beteiligte sich der ZONTA Club Viersen erneut in dieser Woche an der Anti-Gewalt-Kampagne „Orange Your City“, einem Projekt der Vereinten Nationen zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Unter dem Motto „Orange The World“ hat UN Women bereits 2008 den Ball aufgenommen. Seither ist die orange leuchtende Solidarität Teil der „UNiTE to End Violence against Women“-Kampagne, mit der in jedem Jahr durch die angestrahlten Gebäude und Wahrzeichen auf das Problem und seine verheerenden Auswirkungen aufmerksam gemacht werden soll.

In Viersen wurden neben städtischen Gebäuden wie Festhalle oder Turm der Feuerwehr ebenso die Kirche St. Remigius, die Evangelische Kreuzkirche, der Rohbau des zukünftigen Kreisarchivs sowie die Skulptur „Starke Frau“ am Stadthaus zu leuchtenden Symbolen.

Foto: Martin Häming/Rheinischer-Spiegel

„Die Corona-Pandemie mit Quarantäne, Lockdown, Home-Office und Homeschooling hat Frauen überproportional belastet. Die Technische Universität München hat im Sommer eine erste großangelegte Studie über die Auswirkungen von Covid 19 auf häusliche Gewalt in Deutschland vorgelegt. Demnach wurden rund drei Prozent der Frauen zuhause Opfer körperlicher Gewalt, bei den Kindern sind es sogar 6,5 Prozent. Viele der Frauen kannten zwar die telefonischen Hilfsangebote, hatten aber durch die ständige Anwesenheit des gewalttätigen Partners keine Möglichkeit, diese zu nutzen“, sagt Swantje Day, Gleichstellungbeauftragte der Stadt Viersen. Frauen, die Hilfe brauchen oder eine Beratung wünschen, können sich an sie wenden. Das geht per E-Mail an swantje.day@viersen.de oder telefonisch unter 02162 101-226. Rund um Uhr ist zudem das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Telefonnummer 08000-116 016 erreichbar.

Foto: Martin Häming/Rheinischer-Spiegel

In unserer technologisierten und entwickelten Welt ist Gewalt gegen Frauen und Mädchen noch immer eine allgegenwärtige Menschenrechtsverletzung. Eine wachsende Bedrohung nicht nur während bewaffneter Konflikte, sondern auch in Friedenszeiten unabhängig von nationalen und kulturellen Schranken. Millionen von Frauen und Mädchen sind betroffen, so wird nach einer Statistik der Weltgesundheitsorganisation jede dritte Frau Opfer einer Gewalttat oder eines Angriffs. 407 Frauen waren im Kreis Viersen laut polizeilicher Kriminalstatistik (2017) Opfer von Partnerschaftsgewalt. „Jedes Opfer ist eines zu viel. Frauen sollen gestärkt und unterstützt werden, das gesellschaftliche Bewusstsein muss sich ändern“, so die Viersener ZONTA-Präsidentin Inge Orta.

Foto:Martin Häming/Rheinischer-Spiegel

Gesellschaftliches Bewusstsein, welches die Gewalt gegen Frauen in ihren zahlreichen Gesichtern nicht immer wahrnimmt. Gewalt in der Ehe, sexuelle Übergriffe oder Stalking, Menschenhandel oder Genitalverstümmelung. Nicht selten beginnt sie mit der alltäglichen Anmache oder frauenfeindlichen Witzen. Wo immer Frauen in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt werden, den üblichen Weg zur Arbeit meiden müssen oder sich umschauen um Bedrohungen zu entgehen – all das ist Gewalt. Manchmal ist sie im ersten Moment schwer zu erkennen, nicht immer zeigt sie sich so offensiv wie bei Prügel, Demütigung, Stalking oder Vergewaltigung. (nb)

 

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