Viersen: Prozess im Todesfall der kleinen Greta F. startet am Dienstag

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach hat Anklage gegen Sandra M. aus Geldern wegen Mordes sowie wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in neun Fällen bei dem Landgericht Mönchengladbach erhoben. Für das Verfahren wurden zunächst neunzehn Prozesstermine geplant.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – In dem Todesfall der dreijährigen Greta F. zeichneten Polizei und Staatsanwaltschaft bereits in der Pressekonferenz ein erschreckendes Bild zum Tathergang und bisherigen Vorfällen in anderen Einrichtungen. Ab Dienstag muss sich die Angeklagte Erzieherin vor dem Gericht in Mönchengladbach verantworten. Bisher schwieg die 1995 geborene Sandra M. zu den Vorfällen.
Als Nebenkläger nehmen zwei Kinder sowie die Mutter der verstorbenen Greta F. nehmen an dem Verfahren teil.

Laut Anklageschrift habe Sandra M. im Zeitraum von 2017 bis 2020 den Brustkorb mehrerer ihr anvertrauter Kleinkinder in einer Art und Weise zusammengedrückt, dass bei diesen eine erhebliche Atemnot oder gar ein Atemstillstand eingetreten sei. Hierbei habe sie den Tod der Kinder mindestens billigend in Kauf genommen. Sie habe danach allerdings jeweils Kollegen auf den Zustand der Kinder hingewiesen und so Rettungsmaßnahmen veranlasst, die mit Ausnahme des letzten Falls das Überleben der Kinder sicherten.

Am 21. April 2020 war es zu einem Notarzteinsatz in einer städtischen Kindertageseinrichtung in Viersen gekommen, nachdem die zu diesem Zeitpunkt noch nicht dreijährige Greta F. einen Atemstillstand erlitten hatte und in ein Krankenhaus überführt wurde. Erst am 4. Mai 2020 verstarb das Mädchen, einen Tag nach ihrem Geburtstag. Aufgrund einer medizinisch unklaren Lage verständigte das Krankenhaus bereits am 29. April 2020 die Polizei.
Während des Mittagsschlafes habe die Angeschuldigte dem Mädchen wie in den vorherigen Fällen den Brustkorb bis zum Atemstillstand zusammengedrückt. Der 21.04.2020 sei der planmäßig letzte Arbeitstag der Angeschuldigten in der Kita in Viersen gewesen, da das Arbeitsverhältnis von der Angeschuldigten zum 30.04.2020 gekündigt worden sei.

„Wir haben mit Erschrecken festgestellt, dass es in den Kitas ähnliche Vorfälle gab, also Kinder mit Atemnot, Atemstillstand und Auffälligkeiten“, so der Leiter der Mordkommission, Guido Roßkamp in der Pressekonferenz im Mai dieses Jahrs. Er berichtete, dass das Mädchen als lebenslustig und aktives Kind von der Mutter beschrieben wurde. Sie hatte das Kind erstmalig am Tag des Vorfalls in die Notbetreuung des Kindergartens gebracht. Die drei Wochen zuvor betreute die Patentante das Kind, wo es keinerlei Auffälligkeiten zeigte. Greta war zu diesem Zeitpunkt in der Notgruppe das einzige Kind. Im Laufe des Vormittags hatte man mit Greta im Kindergarten gespielt und mit ihr gegessen. Ab 13.30 Uhr war die Erzieherin alleine mit dem Mädchen, welches müde wurde. Während der Schlafzeit wurde der Atem alle 15 Minuten kontrolliert, um 14.45 Uhr hätte die Erzieherin nach eigenen Aussagen festgestellt, dass das Mädchen nicht mehr atmete. Gemeinsam mit den Erzieherinnen der Nebengruppe habe man versucht das Mädchen wachzubekommen. Der Körper sei leblos und blau gewesen, als die ersten Reanimationsmaßnahmen durchgeführt wurden. In Begleitung des Notarztes wurde Greta der Kinderklinik in Viersen zugeführt. Dort erlangte sie nicht mehr das Bewusstsein. Maschinell am Leben erhalten, trat am 4. Mai trat der Hirntot ein. Bei der Obduktion ergaben sich Erkenntnisse, dass die körperlichen Hinweise auf dem Kind nicht durch die Reanimationsmaßnahmen entstanden sein konnten. Da die Erzieherin alleine mit dem Kind war, geriet sie in den Blickpunkt der Ermittler. (nb)

Kinder und Eltern trauerten am Viersener Kindergarten. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin