Viersener Kreuzkirche begrüßt neue Pfarrerin

Seit Mai hat die Kreuzkirche in Viersen ein neues Gesicht. Pfarrerin Kathinka Brunotte (36) hat ihren Dienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Viersen angetreten. Die feierliche Einführung findet am Sonntag, 13. Mai um 17 Uhr in der Kreuzkirche, Hauptstraße 120 statt. Dazu und zum anschließenden Empfang im Evangelischen Gemeindehaus, Königsallee 26 lädt die Gemeinde herzlich ein. Im Vorfeld sprach Susanne Thewißen-Beckers mit der neuen Pfarrerin und sprach mit ihr über Heimat und Hoffnungen. 

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Viersen – Irgendwo zwischen Farbeimern, Laminatkartons und Küchenelementen treffe ich eine gut gelaunte Kathinka Brunotte. Noch wird das Pfarrhaus an der Hauptstraße modernisiert, ab Mai ist es das neue Zuhause der vierköpfigen Familie Brunotte und Kathinka Brunotte (36) dann neue Pfarrerin in Viersen.
„Vom Rhein an den Niederrhein“, das hört sich, rein geografisch betrachtet, wenig spektakulär an. Und tatsächlich ist Frau Brunotte ein echtes Kind des Rheinlands, geboren und aufgewachsen in Düsseldorf und bis dato als Pfarrerin über den Rhein in Köln tätig.

Die Türen weit aufmachen, zu sagen „Kommt doch rein“, gemeinsam einen Geist zu erleben, der zusammenhält und trägt: Das hat Kathinka Brunotte schon als kleines Kind in ihrer Heimatgemeinde,  in der sie mit ihren Eltern gemeinsam tief verwurzelt war, erlebt und gelernt, das hat sie geprägt und auf ihrem bisherigen Lebens- und Berufsweg begleitet.
Auf Menschen zuzugehen, aufeinander neugierig zu sein, ohne die Regeln des Respekts und einer gebotenen Distanz zu durchdringen, Freude an „der Sache mit dem Glauben und Gott“ auszustrahlen, mit der eigenen Begeisterung Menschen anzustecken: So würde Kathinka Brunotte wichtiges Handwerkszeug ihrer Berufstätigkeit beschreiben.
Mit dem Berufswunsch Pfarrerin nahm die junge Frau sich zunächst allerdings ein wenig Zeit. Als Teenager wechselte sie mit ihrem großen Engagement für gemeindliche Jugendarbeit eine Zeit lang zur katholischen Nachbargemeinde, lernte dort auch ihren späteren Ehemann kennen. Einer abgeschlossenen Ausbildung zur Erzieherin folgte der Einstieg ins Studium der Sonderpädagogik.
„Ab der Sekunde, wo ich mich entschieden habe, dass es Theologie sein soll, war mir klar, dass es das dann auch zu hundert Prozent ist“, beschreibt Kathinka Brunotte ihren schnellen Wechsel von dort zur theologischen Fakultät. Trotz drei, noch fürs Studium zu erwerbender, alter Sprachen ging es dann zügig mit dem Studium voran. Bonn – Wien – Wuppertal lauteten die Stationen ihrer Hochschulausbildung. Zum Vikariat ging es nach Köln. Als Pfarrerin im Probedienst blieb sie in der Gemeinde, eine Nachbargemeinde kam noch hinzu: in der Mitte dazwischen ein Neubaugebiet mit lauter hinzugezogenen Menschen – viele davon junge Familien mit Kindern. Ein klarer gemeindlicher Auftrag, der zu der inzwischen jungen Mutter gut passte und mit Passion von ihr bearbeitet wurde.

Jetzt geht es als Pfarrerin mit eigener Pfarrstelle nach Viersen – vom Rhein an den Niederrhein. Die Entscheidung für Viersen und für unsere Gemeinde hat sie gemeinsam mit ihren „drei Männern“, ihr Ehemann und zwei muntere Jungs im Kindergartenalter, sehr bewusst getroffen. „Wir mögen Viersen als zukünftigen Lebensmittelpunkt für unsere Familie und freuen uns sehr auf eine sympathische Gemeinde und eine neue berufliche Herausforderung für mich an der Kreuzkirche.“

Wofür sind Sie dankbar?
Für meine Familie – für unsere neue, kleine Familie und für meine Ursprungsfamilie und die meines Mannes. Mit einem Blick auf ihren neuen Garten im Pfarrhaus: Ich bin dankbar für unser neues, schönes Zuhause und den großen Garten, in dem unsere Söhne so viel Platz zum Spielen haben werden. Und ich bin sehr dankbar dafür, wie offen die Gemeinde uns schon jetzt hier empfängt.

Was würden Sie heute Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?
Naja, eigentlich: Vieles genauso zu machen, wie ich es tatsächlich gemacht habe. Letztendlich hat mich mein Weg dahin geführt, wo ich hin wollte und das fühlt sich gerade ziemlich gut an.
Vielleicht ein wenig mehr Gelassenheit auf den Schritten dorthin und noch mehr Grundvertrauen, dass sich alles findet, so wie es sein soll. Dass da noch jemand dabei ist, der es so fügt, dass es gut wird.

Haben Sie Hobbies/Interessen? Wenn ja, welche?
Garten ist ein Riesenhobby von mir und da freue ich mich schon sehr darauf. Mein Mann und ich haben früher viel und gerne getanzt. Dazu kommen wir im Moment wegen der Kinder allerdings weniger. Hier in Viersen gibt es aber Tanzschulen: Was gerade nicht ist, kann ja wieder werden. Fürs Nähen und Basteln habe ich auch ein Händchen und mache das auch sehr gerne, wenn es die Zeit erlaubt.

Wo fühlen Sie sich zuhause?
Da, wo Menschen miteinander verbunden sind, wo sie ein gemeinsamer Geist trägt: In der Gemeinde zum Beispiel. Sein zu dürfen wie man ist, das heißt für mich zuhause zu sein. Natürlich auch da, wo meine Familie ist. Zu guter Letzt auch ein Ort in Holland, an dem  ich schon seit langen Jahren mit meinen Lieben besonders gut Kraft und Energie tanken kann.

Welche Hoffnung haben Sie und welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?
Dass es über unser Leben hinaus einen Gott gibt, der uns begleitet und der noch mehr für uns bereithält. Zu wissen, da ist einer, egal was um mich herum ist, zu wissen, dass mein Leben nicht nur dahinplätschert. Das ist eine ganz wichtige Hoffnung, die gerade dann ganz wichtig ist, wenn es mal nicht rund läuft im Leben, finde ich.
Welche Hoffnung habe ich aufgegeben? Völlig profan: Dass ich irgendwann mal eine Sportskanone sein werde. In dieser Beziehung werde ich meinem Mann nie das Wasser reichen können.

Welche Kindheits- oder Jugenderinnerung hat Sie besonders geprägt?
Ich glaube, das Vertrauen, das man schon als Jugendliche in mich gesetzt hat, wenn man mir Verantwortung für die vielen Jugendfreizeiten übertragen hat, die ich geleitet habe. Ich durfte mich ausprobieren, es hat mir Mut gemacht und mir geholfen, so zu werden wie ich bin.

Welches Buch/Bücher haben Sie am meisten beeinflusst?
Leon Uris Exodus habe ich schon früh gelesen und es hat mich geprägt, der Medicus ist mir immer wieder über den Weg gelaufen.
Die Bibel, ihre Grundaussage, vielleicht wichtiger noch als ihr einzelnes Wort, ist für mich enorm wichtig, sonst hätte ich diesen Beruf wohl nicht ergriffen. Gerd Theißen, Der historische Jesus, das Buch habe ich förmlich „zerlesen“. Krimis lese ich gerne und lasse mich dabei gerne mal in eine andere Welt entführen.

Welche Bibelstelle ist Ihnen besonders wichtig?
Ganz klar: Psalm 139. Das vermittelt mir ganz viel Grundvertrauen, zu wissen, was auch passiert, ich bin nicht alleine.
„Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag.“

Welches Lied mögen Sie besonders?
„Geh‘ aus mein Herz …“ Ist das nicht ein wunderbares Lied? Es erzählt so viel davon, was der Sommer mit uns macht und was der Glaube mit uns macht und das in einer wunderschönen Sprache und Melodie. Was sonst? Ich höre gerne Radio, höre das, was so gerade angesagt ist, ohne manchmal zu wissen, wie es heißt … Natürlich hatte ich als echte Düsseldorferin auch meine ausgeprägte „Tote Hosen“-Zeit.

Was bedeutet es Ihnen, evangelisch zu sein?
Alles! Ich bin froh, dass ich evangelisch bin und ich glaube, dass mein Leben evangelisch zugeht. Luther war für uns ein ganz wichtiger Brückenbauer. Der wollte nicht abreißen, der wollte hinschauen und das  möchte ich auch. Ganz nebenbei: Ich kann Pfarrerin sein, ich darf  auf der Kanzel sein. Das ist doch wunderbar. Mir bedeutet auch die Erkenntnis sehr viel, dass ich ohne Umwege und ohne Mittler mit meinem Gott ins Gespräch gehen darf.

Gott und Mensch – und die beiden zusammen: Die dürfen miteinander Leben gestalten!