Viersener Pfleger muss sich wegen minderschweren Totschlags verantworten

Drei Jahre liegt die Nacht mittlerweile zurück, in welcher ein 64-jähriger Viersener als examinierte Pflegekraft einem Patienten der LVR-Klinik Viersen mehrfach Beruhigungsmittel hat, wodurch die Höchstdosis überschritten wurde und der Patient letztlich starb. In dieser Woche verurteilte das Gericht den Angeklagten zu vier Jahren Haft.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen/Mönchengladbach – Weder der geforderten Haftstrafe der Verteidigung von nicht mehr als zwei Jahren, noch der Forderung der Staatsanwaltschaft von fünf Jahren und sechs Monaten folgte das Schwurgericht des Landgerichts Mönchengladbach in dieser Woche, als der Vorsitzende Richter den 65-jährigen Pfleger wegen Totschlags in einem minderschweren Fall zu vier Jahren Haft verurteilte. Als Pfleger habe er die möglichen Folgen der Nacht einschätzen können, in der er einem 55-jährigen Patienten eine Überdosis des verordneten Beruhigungsmittels verabreicht hatte.

Der Verstorbene war seit 1994 im Maßregelvollzug aufgrund einer paranoiden Schizophrenie in der LVR-Klinik Viersen untergebracht. Nach einer Operation an der Hüfte kam es zu einer Verrenkung des Oberschenkels, weshalb der 55-jährige Verstorbene zur weiteren Behandlung in die Orthopädie der Klinik verlegt worden war. In der Nacht vom 26.04.2018 auf den 27.04.2018 sei der 55-Jährige rastlos und auffällig gewesen.

Von einer Horrornacht hatte der Angeklagte berichtet, in welcher er alleine für den Patienten zuständig gewesen war. Hilfe bei Kollegen oder Ärzten habe er nicht gesucht. Die Medikation war durch die behandelnden Ärzte der forensischen Abteilung erfolgt, darunter auch das Beruhigungsmittel, welches als Bedarfsmedikation aufgeführt war. Vorgegeben war eine Verordnung von maximal drei Milliliter pro Tag, das Gericht spricht jedoch von 100 Millilitern in der Tatnacht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel