Viersener Realschule an der Josefskirche kämpft um ihr Überleben

Es gab wenig andere Themen beim Schulfest der Realschule an der Josefskirche. Seit bekannt wurde, dass die Stadt Viersen eine Empfehlung zum Auslaufen der Realschule und Einzug einer Primusschule in das Gebäude ausgesprochen hat, kämpfen Schüler, Eltern und Lehrer für den Erhalt der Schule. 

Viersen – Am Stand in der großen Aula der Realschule, von der aus sich ein beeindruckender Blick auf die verschiedenen Etagen des Schulgebäudes werfen lässt, informieren Marigona (15), Carina (14), Kaan (15) und Sujani über ihre Arbeit als Medienscouts. Schnell wird allen Besuchern klar, in dieser Schule wird Integration nicht nur gelehrt, sie wird gelebt. Darauf weisen auch die Informationstafeln zum Interkult-Projekt „Demokratie leben“ oder zur Internationalen Klasse hin.

Dabei könnte sich hier vieles ändern, denn die Stadt Viersen empfiehlt der Politik die Realschule auslaufen zu lassen und die nachfolgenden Klassen mit einer zweiten Primusschule zu füllen. Das Gebäude eignet sich hervorragend für dieses Schulexperiment, doch warum deshalb die Viersener Schullandschaft einen herben Einschnitt erfahren soll, das können die meisten hier nicht nachvollziehen. Schließlich würde diese Entscheidung auch bedeuten, dass ein wichtiges Angebot in Viersen weg fällt – obwohl der Bund gerade erst die erwarteten Schülerzahlen der kommenden Jahre nach oben hin korrigiert hat.

„Es ist laut Schulgesetz so, dass die Primusschule nachdem sie die 10 Klasse erreicht hat, ohnehin wieder auslaufen muss. D. h. Jahrgang für Jahrgang bis das Schulprojekt dann beendet ist. Dafür eine bestehende, funktionierende Schule mit guten, engagierten Lehrern und Eltern schließen zu lassen, damit ein Schulversuch ein Gebäude erhält, das ist nicht gerechtfertigt“, so einer der Lehrer auf Anfrage, der einen dicken roten Button mit der Aufschrift ‚Wir sind die Zukunft! Wir sind die Realschule an der Josefskirche!‘, trägt. „Die andere Sache ist die, dass in den nächsten Jahren deutlich mehr Schüler zu erwarten sind und auch der Bund hat seine Zahlen dahingehend nach oben korrigiert“, bestätigt er. „Eine Schule zu schließen ist langfristig nicht sinnvoll.“

Das Auslaufen der Schule sieht auch Fatima nicht als Lösung an. Die 14-jährige Schülerin mit den großen, dunklen Augen, mit einem Notendurchschnitt von 2,3 und den Lieblingsfächern Deutsch, Englisch und Französisch möchte nach dem Abschluss einen höheren Schulabschluss anstreben und studieren um als Rechtsanwältin in das Berufsleben einzusteigen. Sie ist kein Einzelfall und gutes Beispiel für die erfolgreiche Arbeit der Realschule. „Also ich finde es nicht gut, wenn aus der Realschule eine Primusschule gemacht wird und die Realschule weg fällt“, sagt die Schülerin und ergänzt: „Diese Schule hat viele Schüler auf ihrem Lebensweg begleitet. Ich selber bin ein erfolgreiches Ergebnis der Lehrmethoden, Projekten und Konzepte.“

Ebenfalls die Eltern können die Empfehlung der Stadt Viersen nicht nachvollziehen. „Wir werden garantiert zu wenig Angebot im Realschulbereich haben. Die Realschule ist das Sprungbrett zu einem höheren Schulabschluss und gleichzeitig bildet sie die Kinder in Richtung Beruf aus. Das wird gebraucht. Handwerk wird gebraucht“, unterstreicht eine Mutter ihre Forderung nach der Weiterführung der Schule. „Zudem nimmt die Realschule jedes Jahr etliche Schüler auf, die von den Gymnasien zur Realschule wechseln, und für die Schüler die da zurückgekommen sind in der letzten Zeit und die, die noch kommen werden hat Viersen dann kein ausreichendes Angebot. Das heißt, dass diese Schüler und die Eltern auf die Umgebung ausweichen müssen. Ich habe bewusst meine Kinder hier angemeldet, weil durch die Nähe zum Wohnort auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich wird, zudem wird hier einfach gute Arbeit geleistet.“

Die Primusschule habe ein anderes Konzept fügt sie hinzu. In diesem könne man ja auch alles ausprobieren, aber dafür eine bestehende gute Schule, die dreizügig aufgestellt ist, schon jetzt zum Auslaufen und zum Sterben zu verurteilen ist ihrer Meinung nach ein Fehler. Sie ist sich sicher, die Stadt würde dann den Schülern nicht mehr gerecht. 51 Jahre ist die Schule alt und es erschließe sich ihr nicht, dass man aufgrund eines dreijährigen Versuchs, dessen Erfolg heute noch nicht absehbar ist, diese Pläne in Erwägung gezogen werden. Eine Schule, deren Konzept zur Integration sogar an anderen Schulen übernommen wurde. Eine Schule, deren Arbeit einen unverzichtbaren und erfolgreichen Teil der Viersener Schullandschaft darstellt.

Doch noch ist nichts entschieden, denn der Schulausschuss verschob die Entscheidung mit einer Mehrheit gegen die SPD und gab Schülern, Eltern und Lehrern damit die Chance gegen die Empfehlung der Stadt zu kämpfen und um so die Entscheider von dem Erhalt der Schule zu überzeugen. Genau das wollen sie tun. So sammeln sie aktuell nicht nur jeden Samstag vor der Viersener Sparkasse Unterschriften und informieren, eine Unterstützung ist ebenfalls über die Online-Petition https://www.openpetition.de/petition/online/die-realschule-an-der-josefskirche-darf-nicht-schliessen möglich. (dt)

Foto: Martin Häming