Viersener Stadtrat vertagt Beratungen zum Tiefensammler

Nachdem vorab der Antrag der Viersener FDP zu einem Gegengutachten in der Problematik rund um den Tiefensammler abgelehnt worden war, einigte sich der Stadtrat nun auf eine Vertagung. Zunächst soll das von der NEW erstellte Gutachten geprüft werden.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Voraussichtlich eine zeitliche Verzögerung von fünf Monaten und 2,8 Millionen Euro Mehrkosten für die Gebührenzahler wurde Anfang November bekannt, nachdem beim Projekt Tiefensammler Risse in Rohrelementen entstanden waren. Die Mehrkosten zahlen die Viersener Bürger. Für die FDP Viersen ein unverständlicher Vorgang, die den Antrag stellten ein unabhängiges Gutachten erstellen und die Situation rechtlich prüfen zu lassen. Der Ende September tagende Haupt- und Finanzausschuss folgte dem Antrag der FDP nach gegensätzlicher Diskussion mit 10 zu 9 Stimmen nicht.

In der vergangenen Woche beschäftigte sich der Viersener Stadtrat erneut mit der Problematik, denn die FDP sah weiter viele Fragen offen. Der Vorsitzende der Viersener Liberalen, Frank a Campo, bezweifelte bereits in einer Pressemeldung die Aussage der NEW, dass das für den Schaden ursächliche Aufschwimmen der Vortriebsrohre im Grundwasser ein bislang weitgehend unbekanntes Phänomen sei. „Das ist Schulbuchphysik, die jeder kennt. Und auch zu den angeblich unvorhersehbaren lokalen Verklebungen des Bodens wird man im Internet schnell fündig. Die Frage ist, ob die Gefahr des Aufschwimmens und die Möglichkeit von Schwankungen der Bodenbeschaffenheit bei der Bauplanung hinreichend berücksichtigt wurden. Dazu hat die NEW uns nichts Überprüfbares gesagt“, so A Campo. In eine ähnliche Kerbe schlägt die Bürgerinitiative Viersen-Hamm die nach eigenen Angaben vom Geologischen Landesamt in Krefeld folgende Information erhalten habe: „Dank ihres hohen Schluff-Gehalts wurden die Grafenberg-Sande früher rund um Viersen abgebaut und als Formsand in Gießereien eingesetzt.“ Das zeige laut Bürgerinitiative, dass die Problematik bei Fachleuten bekannt sei.
Nach intensiver Diskussion einigte sich der Stadtrat darauf zunächst das Gutachten der NEW abwarten zu wollen, die FDP zog den Antrag zurück.

Tiefensammler Viersen
Tiefensammler Viersen – Foto: Rheinischer Spiegel

Doch warum eigentlich ein Tiefensammler? Im Mischwassernetz Alt-Viersen besteht kein ausreichendes Rückhaltevolumen. Aus diesem Grund hatte die Stadt Viersen beschlossen Rückhaltevolumen zu schaffen und die NEW mit der technischen Umsetzung beauftragt. Seitdem ist die Freiheitsstraße eine große Baustelle und es scheiden sich die Geister ob der Bau wirklich notwendig ist. Der Bau mehrerer Regenrückhaltebecken ist aufgrund der vorhandenen Bebauung mitten in der Stadt nicht möglich. Das Problem soll deshalb gelöst werden, indem über eine Strecke von 2,5 Kilometern unterirdisch ein Regenrückhaltekanal – der sogenannte Tiefensammler – gebaut wird. Das Wasser wird wie in einer unterirdischen Tiefgarage zwischengeparkt. Der Tiefensammler fasst nach Fertigstellung ein Volumen von 17.500 Kubikmeter Wasser, das entspricht der Füllmenge von acht olympischen Schwimmbecken.

Ursprünglich sollten die Arbeiten bis Juli 2022 andauern, die Kosten tragen die Gebührenzahler. Auf diese kommen zu den bereits rund 25 Millionen Euro jetzt noch einmal rund 2,8 Millionen Euro Mehrkosten zu. Wie ein NEW-Sprecher erklärte, ist es beim ersten Vortrieb zu erhöhten Presskräften gekommen, in deren Folge Risse in zwei Rohrelementen entstanden sind. Die Rohre sind bereits saniert. Insgesamt sind knapp 200 Rohrelemente verbaut worden. Der Vortrieb geschieht im Grundwasser. Ursache für erhöhten Presskräfte ist der Auftrieb der Rohre (Aufschwimmen) im umgebenden stehenden Bohrkörper, der während des Vortriebs auf die Rohre gewirkt hat.
Bei den kommenden zwei Vortriebsstrecken besteht das Risiko, dass dieses Problem noch einmal aufritt und der Folge der Vortrieb zum Erliegen kommt. Die Folge wäre eine aufwendige Bergung des Bohrkopfes. Um dieses Problem zu vermeiden, werden die Rohre ballastiert. Die Kosten hierfür betragen ungefähr 2,8 Millionen Euro, das sind rund acht Prozent der Gesamtprojektkosten. Die Maßnahme kann eine zeitliche Verzögerung von circa fünf Monaten bedeuten. (nb)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.