Volosi trotzte dem Regen und formte neue Klangwelten

Eigentlich hatte sich der Regen pünktlich zum Beginn der zweiten Veranstaltung auf der Viersener Kulturbühne verabschiedet – eigentlich. Den meisten Gästen machte der Wetterumschwung aber nichts aus, denn an diesem Abend traf ein Trio mit traditionellen Klängen der Karpaten auf ein Duo mit klassischen Hintergrund. Es war eine musikalische Verschmelzung der besonderen Art.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Wenn ein Streichquartett Klassik und Karpatentraditionen mischt, dann mag das im ersten Moment unvereinbar zu scheinen. Am Samstag allerdings bewiesen auf der Viersener Kulturbühne am Hohen Busch fünf polnische Freigeister, dass Klangwelten, egal wie unterschiedlich sie scheinen, gemeinsam ultimativ harmonisieren können.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Wie fasziniert die Besucher von dem ungewöhnlichen Programmpunkt waren, das zeigte sich nach der Halbzeit, als der Regen zurückkam und die meisten, geschützt von den ausgegebenen Regenponchos, dem musikalischen Genuss bis zum Schluss folgten. Abgerundet wurde zumindest die trockene Zeit von den kulinarischen Kleinigkeiten, die die Besucher am bereitstehenden Foodtruck erwerben können. Zwar gibt es keinen Service am Tisch, doch die Wege sind kurz und das Angebot rundet die Veranstaltungen hervorragend ab.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Begonnen hat der gemeinsame Weg der fünf Musiker, die heute als Volosi durch die ganze Welt touren, auf einer Hochzeit. Violinist Krzysztof Lasoń plante zu dieser Zeit nämlich seine eigene Vermählung und suchte mit seinem Bruder Stanislaw, passenderweise ein Cellist, eine besondere Musik, die den Gästen des Karpatendorfes Istebna in Erinnerungen bleiben sollte. Sie entdeckten drei Musiker, die unter dem Namen Walasi auftraten. Zbigniew Michałek (Geige), Jan Kaczmarzyk (Bratsche, Dudelsack) und Robert Waszut (Bass) brachten schöpferische, traditionelle karpatische Klänge mit, welche die klassisch ausgebildeten Musiker begeisterten und nicht mehr los ließen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

So wurde die „Neue Weltmusik“ geboren, mit der das Streichquintett die Zuhörer immer wieder erneut mitreißt. Der Bandname selbst steht für die Verschmelzung von Klangwelten zwischen Balkan und Orient mit dem Geist der Klassik. 2010 gaben sie erfolgreich ihr Debüt beim Festival „Neue Tradition“, welches die ersten Auszeichnungen einbrachte. 2011 sicherten sie sich den Gewinn des Grand Prix Svetozar Stracina für das beste Stück in der Kategorie „Weltmusik“ in Europa im Wettbewerb der European Broadcasting Union – nur zwei der Erfolge, die auf dem Hohen Busch von den Viersener Gästen mit Beifall bestätigt wurden. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming