Vom Frühschoppen zum Abendevent – Der Vaterstädtische Verein lockte ins Bürgerhaus

Die Uniformen haben lange genug im Schrank verstaubt, aber sie passen trotz der Corona-Monate noch wie angegossen – überwiegend zumeist. Wie vielfältig ihre Farben sind, das zeigte sich beim 1. Närrisch-musikalischen Dämmerschoppen des Vaterstädtischen Vereins Dülken begleitet von Tanzgarden, kölschen Hits und hohen Ehrungen.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen-Dülken – Wer die Webseite des Vaterstädtischen Vereins besucht, dem fällt der Countdown bis zum Rosenmontagszug direkt ins Auge. Bis dahin ist es noch einige Monate hin, die jecke Session ist bereits gestartet. Zum ersten Mal lud deshalb der Vaterstädtische Verein Dülken zu einem Dämmerschoppen in das Dülkener Bürgerhaus ein, der den bisherigen Frühschoppen ersetzen wird. Zahlreiche Karnevalisten, darunter auch die stellvertretende Bürgermeisterin und Ortsbürgermeisterin von Dülken, Simone Gartz, waren dem Ruf gefolgt.

„Es ist eine schwierige Zeit, doch ein bisschen Karneval wollen wir feiern. Und wir werden das auch tun und wir das mit der entsprechenden Vorsicht tun. Was nötig ist wird gemacht, aber ein bisschen Freude sollten wir doch haben nach einer so langen Entbehrungszeit“, so Präsident Günter Jansen in seiner Begrüßung. „Bitte achten Sie alle auf sich und Ihre Lieben“, ergänzte er und machte auf das ausgearbeitete Hygienekonzept aufmerksam, damit sich die Veranstaltung nicht zum Hot-Spot entwickelt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Nach zwei Jahren närrischer Entbehrungen sei es für viele schwierig wieder mit dem gewohnten Elan zu starten. Umso wichtiger sei es, dass die Karnevalisten noch fester zusammenhalten, damit die Tradition erhalten bleibt. „Das liegt uns am Herzen und hat auch gut funktioniert in den zwei Jahren, in denen wir uns mit Vorständen über Viersen hinaus getroffen haben.“

Mit dem neuen Motto der Session „Lot os maar ens neu aanfange!“ beginnen die Jecken bei fast Null, aber es sei eine gute Chance auch einmal neue Wege zu gehen. Sinnbildlich drückt dies ebenfalls der Sessionsorden aus, auf dem Eva, die Gardedame, ihrem Adam, als Narr, das närrische Zepter in Form der Narrenmühle überreicht, während sich eine rote Corona-Schlange zwischen die beiden drängt. Entworfen hat ihn übrigens Ehrenpräsident Erich Schmitz – aber zu ihm in einigen Zeilen etwas mehr.

Zunächst gehörte die Bühne der Tanzgarde der Crazy Kids e. V., die in schwarz-weißen Petticoats mit einer Mischung aus Show- und Gardetanz das Publikum in unvergesslichen Erinnerungen schwelgen ließ. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Zunächst gehörte die Bühne nämlich der Tanzgarde der Crazy Kids e. V., die in schwarz-weißen Petticoats mit einer Mischung aus Show- und Gardetanz das Publikum in unvergesslichen Erinnerungen schwelgen ließ. Dirty Dancing, Footloose oder Grease – Lieder die jeder, mögen die Filme noch so lange her sein, mitsingen konnte. Die Gelegenheit nutzte auch das Kinderprinzenpaar für einige letzten Worte an ihr närrisches Volk. Schunkelnd führte dann Musiker Roland Zetzen als DJ an diesem Abend die Karnevalisten aus der ganzen Region zur Tanzgarde der De Üühle, deren Auftritt von hohen Ehrungen unterbrochen wurde.

Der Föderation Europäischer Narren (FEN), RV Linker Niederrhein, steht erst seit kurzem Frank Gramberg als neuer Präsident vor (rechts). Links: Stellvertretende Bürgermeisterin und Ortsbürgermeisterin Dülken, Simone Gartz. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Der Föderation Europäischer Narren (FEN), RV Linker Niederrhein, steht erst seit kurzem Frank Gramberg als neuer Präsident vor, die langjährige und engagierte Präsidentin Gartz Ingeborg bekam mit seiner Wahl den Zusatz der Ehrenpräsidentin und bleibt dem FEN mit ihrem umfangreichen Wissen gerne erhalten. Gramberg und FEN-Vorstandsmitglied Wilfried Terstappen gebührte bei ihrem ersten Auftritt in neuer Funktion direkt die Ehre einer besonderen Auszeichnung, denn der Narr von Europa in Brillant wird nicht häufig vergeben.

Neuer Träger ist nun Erich Schmitz, Ehrenpräsident des Vaterstädtischen Vereins und lange Jahre der Motor der Dülkener Gesellschaft. Sein leidenschaftlicher Einsatz für das Brauchtum ist längst über die Grenzen der Stadt mit dem Stripke bekannt, wie er allerdings zum Vaterstätischen Verein kam, diese Geschichte gab es nicht auf der Bühne, sondern bei einem kühlen Getränk an der Theke.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Schmitz, der bereits mit 17 Jahren das erste Mal am Rosenmontagszug teilnahm, scharrte im Laufe der Jahre nämlich eine jecke Truppe um sich herum, mit der die Teilnahme am närrischen Lindwurm umso mehr Freude machte. Mit zu dieser Zeit recht ausgefallenen Kostümen waren sie auch 1985 dabei und präsentierten die erste Pizzeria in Dülken mit Pizzaofen und viel Mehl an ihren Kostümen.

Immer wieder tauchten sie ihre Hände in die Mehltiegel und klopften das Mehl an ihren Schürzen ab, bis es anfing zu regnen und aus dem Mehl ein klebriger Teig entstand. Gut, es war sicherlich nicht die beste Idee mit diesen Kostümen die anwesende Polizei in ihren neuen Uniformen zu herzen, aber wer denkt schon in diesem Moment darüber nach. Das Mehl setzte sich in die Schmuckuniformen der Herren in Blau und nur eine umfangreiche Reinigung sorgte dafür, dass die Sachbeschädigung aus dem Weg geräumt werden konnte.

Die Gelegenheit nutzte auch das Kinderprinzenpaar für einige letzten Worte an ihr närrisches Volk. Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Die Schmitz-Truppe wurde allerdings kurzerhand aus dem Rosenmontagszug geworfen und weitere Teilnahmen untersagt. Erich Schmitz kam es zugute, dass er zu dieser Zeit bereits dem Kassierer des Vaterstädtischen Vereins bei der Buchhaltung half und so wechselte er vollständig 1986 in den Verein, während seine Mitkarnevalisten wieder am Rosenmontag im närrischen Lindwurm die Straßen erobern durften.

So hat es sich zugetragen und bis heute ist er fest mit dem Vaterstädtischen Verein verbunden, welcher an diesem Abend neben der Auszeichnung für ihren Ehrenpräsidenten ebenfalls Reiner Schiffers und Leo Dillikrath für ihr geleistetes Engagement mit dem vereinseigenen Ehrenorden auszeichnete.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ihnen zur Ehre tanzte das Mariechen der De Üüle und gleitete fast schwebend über die Bühne, auf der an diesem Abend als Highlight die Mönchengladbacher Kultband „Echt Lekker“ die Stimmung ihrem Höhepunkt zuführte. Kölsche Tön von De Höhner über Brings bis hin zu den Bläck Fööss und eigene Songs erreichten jede noch so abgelegene Ecke des Dülkener Bürgerhaus. Ihnen konnte sich niemand entziehen und so wippte jeder mit, während die Hände versuchten den Himmel zu greifen.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Einen Moment lang war es, als wäre Corona nur ein böser Traum gewesen, die Mönchengladbacher wissen nach mehr als einem Jahrzehnt Bühnenerfahrung ihr Publikum mitzureißen und unvergessliche Momente zu bescheren. Am Keyboard begeisterte Johannes Schrammen, den Bass wusste Volker „Curley“ Kickartz ebenso gekonnt zu spielen wie Mario Krienen die Drums, während Norbert Beckers an der Gitarre und Mark „Stocki“ Stockums am Mikrofon die letzten Mosaiksteine hinzugaben damit dieser Auftritt dem Dämmerschoppen die Krone aufsetzen konnte.

Nun beginnt langsam die Adventszeit und die Karnevalisten hoffen, dass sie nach Silvester in den Saalkarneval starten können. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Ein Kommentar

  1. Es war ein kleiner toller Auftakt, mit den Dämmerschoppen vom Vaterstädtischen Verein. Freunde und Mitglieder so auch Karnevalisten aus der Umgebung und die Dülkener hatten einen schönen Spätnachmittag.
    Unsere Ortsbürgermeisterin war mit dem Herzen dabei und sagte nur: Menschen mit einer großen Phantasie wie die Dülkener, Langweilen sich nie. FEN Vorstand brachte eine Ehrung mit Würde, und der Verein hat auch Auszeichnungen gemacht an verdiente Mitglieder. Zu Ehren waren die Üüle mit Tanzmariechen als Ehre über die Bühne schwebte. Die Highlight von die Mönchengladbacher Kultband ,,Echt Lekker“ die Kölsche Tön, von de Höhner , Black Fööss oder eigene Songs brachten die Leute zum Tanzen und alle Bewegten sich in einer Karnevalistischer Form, der Dämmerschoppen hat mit Bravour die Närrischen Zeit angefangen. Es war ein Erfolg nach 1 Jahr Pause.
    Hoffen wir das es nicht so lange mehr dauert, und die Medizin uns dabei Helfen wird, das wir Karneval wie früher wieder feiern können.
    Denn zu einer Resignation in unseren Verein, würde ich sagen gehört immer noch ein Charakter.

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