Von Bodenrichtwerten und „Leidenschaft Landschaft“

Ein Blick auf das veränderte Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt steht im Mittelpunkt der neuen Ausstellung der Städtischen Galerie im Park, die am Wochenende eröffnet wurde und mit der Aktion „GRUND UND BODEN“ einen besonderen Höhepunkt setzte.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker

Viersen – Mehr als 100 Werke aus sechs Jahrhunderten von Canaletto bis Henry Moore präsentiert die Städtische Galerie im Park mit der neuen Ausstellung „Leidenschaft Landschaft“. So unterschiedlich die Künstler sind auch die die Techniken der Werke der 47 Kunstschaffenden. Wie ein Kunstwerk mit einer komplexen Planierwalzentechnik entsteht, daran ließen die Künstler Susanne von Bülow und Ruppe Koselleck die Gäste vor Ort mit einer ungewöhnlichen Aktion teilhaben.

Eine Stunde vor Eröffnung schreckte der Regen die ersten Besucher nicht ab, während aus Pigmenten und Straßenstaub, feinem Büttenpapier, Filzen oder Stoffen terrestrische Drucke mittels einer Planierwalze entstanden. Durch den Druck formte sich eine Kartographie des Bodens im analogen Format von 1:1, wodurch die ortsgegebene Charakteristik als Porträt des Bodens wiedergegeben wurde. Kunstwerke, die zudem käuflich zu erwerben waren, wobei sich der Preis aus den Richtwerten des erschlossenen Bodens ergab. Schwierig in diesem Fall, denn der Boden der Galerie selbst konnte als kommunales Gelände in diesem Bereich nicht festgelegt werden und der Mittelwert von etwa 305 Euro wurde aufgrund dessen aus den angrenzenden Grundstücken ermittelt.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Kunstwerke, gerade erst entstanden, während in den Räumen der Galerie Werke aus der städtischen Sammlung warteten, die auf 400 Jahre Kunstgeschichte zurückblickten. Unberührte Landschaften, vom Menschen beeinflusste Natur mit Stadt- und Industrielandschaften, darunter Radierungen aus dem 17. Jahrhundert oder Veduten Canalettos und Piranesis mit ihrer wirklichkeitsgetreuen Darstellung italienischer Stadtbilder.

Impressionistische Bilder von Max Liebermann, die großformatige Bleistiftzeichnung der Weißen Küste von Andreas Orosz und ebenfalls der kritische Blick auf Umweltthemen von Klaus Staeck oder Wolf Vostell rahmen den Schwerpunkt der Ausstellung bis 17. November 2019 ein. Diesen bilden die in jüngster Zeit aufwändig restaurierte oder neu in die städtische Kunstsammlung gelangte Gemälde, die Motive aus der Stadt Viersen und ihrem landschaftlichen Umfeld zeigen und zum Teil erstmals präsentiert werden. (nb)

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming