Von klein auf im Traumberuf: Tischler Matthias Orths erhielt den Diamantenen Meisterbrief

Seinen Traumberuf entdeckte Matthias Orths früh: Schon als Junge arbeitete er gerne mit Holz. Die Liebe zum Werkstoff hat er sich sein Leben lang erhalten. Inzwischen ist er 82 und seit 60 Jahren Tischlermeister.

Viersen-Dülken – Zu seinem besonderen Jubiläum erhielt der Seniorchef der Tischlerei Orths in Viersen-Dülken den Diamantenen Meisterbrief. Uwe Sötje, Obermeister der Tischler-Innung Kreis Viersen, überreichte ihm die Auszeichnung gemeinsam mit Ehrenobermeister Robert Hellmann und weiteren Vorstandsmitgliedern der Innung. Sötje betonte seine „große Anerkennung“ vor Orths‘ Lebenswerk.

Seine erste kleine Werkstatt richtete Matthias Orths als Kind in der Scheune des elterlichen Bauernhofes in Waldniel-Hehler ein. Mit Kartoffelkisten markierte er die Wände seines Arbeitsbereichs. Hier verfügte er sogar über eine richtige Hobelbank: Die hatte sein Vater besorgt, als Matthias zehn Jahre alt war.

Den Diamantenen Meisterbrief nahm Matthias Orths (2.v.r., daneben Ehefrau Maria) im Kreise seiner Familie und Vorstandsmitgliedern der Tischler-Innung Kreis Viersen von Obermeister Uwe Sötje (r.) entgegen. Foto: Kreishandwerkerschaft

Drei Jahre später, mit gerade einmal 13, ging er bei einem Tischlermeister in Hardt in die Lehre. „Ich wollte etwas Kreatives machen“, sagt Orths zu seiner Berufswahl – das gefiel ihm besser als die Arbeit auf dem Bauernhof. Und er ist von Anfang an mit großer Begeisterung dabei: Trotz einer Sechs-Tage-Woche fertigt er abends an seiner Hobelbank eigene Objekte. Im zweiten Lehrjahr baut er ein Nähkästchen für seine Schwester Henriette. Das gute Stück aus Nussbaum und Palisander hat sie heute noch.

Mit 22 Jahren legt Matthias Orths seine Meisterprüfung ab – er ist damals der jüngste Tischlermeister im gesamten Bezirk der Handwerkskammer Düsseldorf. Noch als Geselle hat er 1958 eine Werkstatt eines verstorbenen Stellmachers auf der Bistard in Dülken gepachtet. Hier macht er sich jetzt als Tischlermeister selbstständig, zunächst alleine, später mit einem Gesellen. Lehrlinge ausbilden darf er am Anfang noch nicht – dafür muss er erst 24 Jahre werden.

1962 verlagert Matthias Orths seinen Betrieb an die Karlstraße und baut eine der größten Tischlereien im Kreis Viersen auf. Immer an seiner Seite: Ehefrau Maria, „die gute Seele des Betriebs“, wie er sagt. Seit 1960 ist das Paar verheiratet. Martin Orths (57), der ältere der beiden Söhne, ist ebenfalls Tischlermeister sowie Betriebswirt des Handwerks. Er ging ab 1981 bei seinem Vater in die Lehre und stieg 2001 als Mitinhaber in den Familienbetrieb ein, in dem auch seine Ehefrau Gisela mitarbeitet.

Mit heute rund 20 Mitarbeitern bietet Orths die gesamte Bandbreite des Tischlerhandwerks, von hochwertigen Holzfenstern über individuell gefertigte Möbel und Innenausbau bis zum Trockenbau. Mit David Orths ist bereits die dritte Generation im Betrieb; der 25-Jährige hat im vergangenen Jahr die Meisterprüfung bestanden. Als Meisterstück fertigte er einen Wohnzimmerschrank – wie schon seit Vater und sein Großvater. An Matthias Orths bewundert David dessen handwerkliche Sorgfalt: „Er ist immer noch akribisch“, sagt er.

Vor etwa 15 Jahren hat sich Matthias Orths aus dem operativen Betrieb zurückgezogen. Aber er ist nach wie vor häufig in der Tischlerei und kümmert sich ansonsten mit Ehefrau Maria „um Haus, Hof und Garten“. Mit Wanderungen und Fahrradfahren hält er sich fit. In der Tischlerei Orths verbinden sich Tradition und Innovation: Der Betrieb verfügt über ein hochmodernes CNC-Bearbeitungszentrum, eine computergesteuerte Hightech-Anlage. Im Ausstellungsraum ist dagegen das Werkzeug zu sehen, mit dem gewissermaßen alles begann: Hier steht die Hobelbank, an der Matthias Orths als Kind arbeitete – sein Sohn Martin entdeckte sie in der alten Scheune, bereitete sie auf und schenkte sie dem Vater zum 60. Geburtstag.