Von Schwalmtal aus in die ganze Welt – Axel Zachau lief 100 Marathonläufe

Dass Axel Zachau in acht Jahren 100 Marathonläufe absolvieren würde, daran hatte er selber nicht geglaubt. Im Februar konnte der Schwalmtaler nun Corona-konform ein besonderes Jubiläum feiern.

Schwalmtal – Noch vor acht Jahren hat Axel Zachau einen großen Bogen um Sport gemacht. Mittlerweile ist er Mitglied des Sportvereins Athletik Waldniel 1989 e.V. und hat mit 100 Marathonläufen ein besonderes Jubiläum erreicht.
„Ich hatte vor sechs Jahren mit dem Rauchen aufgehört und wog danach rund 150 Kilo. Wie sagte eine Arbeitskollegin so nett: Wenn die Türe aufging dann kam erst Bauch, dann eine ganze Weile gar nichts anderes und hinten dran Axel (Danke Magdalena). Im Frühjahr hatte ich dann eine Blinddarmreizung und ich kam ins Krankenhaus. Dort empfang mich der fürsorgende Pfleger mit den Worten: Ist der Bauch immer schon so dick?“, erinnert sich der Sportler. „Ein paar Tage Suppendiät später erhielt ich einen netten Besuch. Meiner Mutter kam mit der Idee ich sollte doch noch ein paar Tage im Krankenhaus verlängern, mit den Suppen, da könnte ich doch bestimmt abnehmen.

So langsam fing in meinem Kopf etwas an zu arbeiten. Die Blinddarmreizung hatte sich gelegt und ich konnte nach Hause gehen. Ich saß nun zu Hause und stocherte im Internet umher. Immer mit dem Gedanken, wie ich meinen armen Blinddarm etwas schonen könnte. Ich stieß auf eine Seite, auf der die heilende Wirkung von Fasten beschrieben wurde. Die erste Fastensequenz meines Lebens hielt 14 Tage an und mir ging es zunehmend (abnehmend) gut. Also habe ich mich direkt weiter auf der Seite umgesehen und überlegt, wie ich nun fortfahren könnte. Ich sollte ja vielleicht irgendwann noch mal was essen – wobei ich kaum Lust aufs Essen verspürte. Der erste Bissen sollte nachher schon eine Herausforderung werden – auf den ich in diesem Moment auch hätte verzichten können. Der Verstand sagte aber: Los iss.“

Dass Axel Zachau in acht Jahren 100 Marathonläufe absolvieren würde, daran hatte er selber nicht geglaubt. Im Februar konnte der Schwalmtaler nun Corona-konform ein besonderes Jubiläum feiern. Foto: privat

So stieß er auf das intermittierende Fasten und die Idee entstand, dass Sport doch so keine schlechte Idee sei. „Lange habe ich überlegt, was der richtige Sport für mich ist. Meine Idee war, dass ich diesen überall ausführen können sollte, dass ich ihn alleine machen könnte und dass Kalorien verbraucht. Alle Zeichen standen auf Laufen“, so Axel Zachau. „Die ersten Turnschuhe wurden gekauft und angezogen – einen Trainingsplan im Netz gefunden und festgestellt, Albert Einstein hat recht. Die erste Laufeinheit beinhaltete 1 Minute laufen und dann 2 Minuten gehen – 7x – also war ich insgesamt 21 Minuten unterwegs. Die Minute ging und ging nicht um. Als sie endlich durch war, konnte ich nicht glauben, dass die zwei Minuten sofort rum waren. Ich habe geflucht, ich habe gedacht, die Uhr ist defekt. Die Zeit ist definitiv relativ.“

Er blieb beim Laufen und die Laufsequenzen wurden größer, die Gang-Elemente geringer. Als die Bierbörse in Dülken stattfand, konnte er bereits fünf Minuten am Stück laufen. In einer entsprechenden Laune hat er dort einem Freund gegenüber geäußert, dass er 2014 in Berlin den Marathon laufen würde. Zufällig lief ebenfalls der Gesprächspartner bei diesem Marathon mit und eine Wette wurde geboren.

„Am Ende des Trainingsplans lief ich 45 Minuten am Stück und das Gewicht lag bei unter 80 kg. Alles auf einem guten Weg. Von Woche zu Woche wurde es besser und die Strecken konnten etwas erweitert werden. November 2013 bekam ich die Zusage, dass ich in Berlin September 2014 starten darf – nun gab es kein Zurück mehr. Anfang 2014 schaffte ich es schon einen Halbmarathon zu laufen, hier hatte sich das Gewicht bei ca. 70 kg eingependelt. Das war zumindest der Hinweg der Wette“, erinnert sich Axel Zachau. „Ein Bekannter sagte mir, dass ich zu Athletik Waldniel gehen sollte. Dort würden 30 km Läufe angeboten und es wären nette Menschen dort. Ich wurde direkt freundlich aufgenommen, obwohl ich der Neue war. Ich habe beim ersten Versuch die 30 km nicht geschafft. Trotzdem wurde ich – nun gehend – zurück zum Start begleitet. Die Devise war – es wird niemand zurückgelassen. Ich bekam dort viele gute Tipps und Anregungen, worauf ich achten sollte. Ein Tipp beispielsweise war es, den ich direkt ausprobiert habe, dass wenn man während des Laufens die Arme schneller schwenkt, die Beine ebenfalls entsprechend schneller werden. (Danke Ernst). Die Zeit verging und der August 2014 kam. Ich habe Freunden, Arbeitskollegen und allen, die es nicht hören wollten gesagt, dass ich dort laufe und dass sie mich über ein Programm verfolgen könnten. Viele haben es tatsächlich gemacht. Plötzlich stand ich in Berlin dem Startblock.“

Er habe diesen Marathon erst genossen, dann verflucht, dann wieder genossen und am Ende nach 4:31:04 beendet und eine Wette gewonnen. Doch nach diesem Marathon kam ein Loch, schließlich hatte er über ein Jahr auf diesen Moment hingearbeitet. Mit der Anmeldung zum Marathon 2015 in Berlin änderte sich jedoch alles, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt noch nur einen Marathon im Jahr lief. Ein Ziel, welches sich in den kommenden Jahren ändern sollte. Bereits 2017 war er beim Darmstädter Knast, Wien, Mallorca und Athen dabei, im Jahr 2018 lief er seinen ersten 100 km Ultralauf bei Wuppertal und seine persönliche Bestzeit in Frankfurt mit 03:27:43.

Das Reisen wurde immer interessanter und vor allen Dingen führten sie in die ganze Welt: Kreta, Hawaii, Tel Aviv, um nur einige zu nennen. „Ich lernte Menschen vom MC100 (Marathonclub 100) kennen. Es entwickelte sich das Ziel, dass ich dort eintreten möchte. Leider musste man zuvor 100 Marathonläufe absolvieren“, so Zachau. „Das Jahr 2020 begann mit Karthago noch sehr gut, jedoch mussten weitere Läufe ausfallen aufgrund der Pandemie. Es wurde zunehmend schwer einen Marathon zulaufen, da die Großveranstaltungen alle gestrichen waren. Glücklicherweise trug der MC100 immer wieder einen Corona-konformen Marathon aus, an denen man teilnehmen kann (so zum Beispiel der Süchtelner Höhen-Marathon oder der Düsseldorfer Südpark-Marathon).
Seinen 99. und 100. Marathon konnte er sich als Doppeldecker in Leverkusen und Köln zu seinem Geburtstag schenken. „Ich weiß, es ist nicht leicht mit einem Läufer, der immer unterwegs sein will. Mein Verein und meine Familie haben mir diesen Tag, diesen Lauf, diese Zahl zu etwas besonderem gemacht. Und das ist mehr, als es hätte ein Lauf in Hannover oder Jerusalem hätte sein können. Denn durch das Laufen habe ich nicht nur eine Familie, sondern auch noch viele Freundschaften finden können.“ (Axel Zauchau/Nadja Becker)