VRR und NEW sehen Einführung kritisch – Zunächst kein 365 Euro-Ticket in Viersen

Über die Einführung eines 365 Euro-Tickets hatte der Haupt- und Finanzausschuss am Montagabend zu entscheiden. Dem Antrag der Viersener SPD stehen allerdings nicht nur der VRR und die NEW kritisch gegenüber, denn bei einer Insellösung nur für das Gebiet Viersen kämen hohe Kosten auf die Stadtkasse zu.
Von RS-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Viersen – Auf Kreis und auf Stadtebene wird zurzeit der Antrag der SPD geprüft ein 365 Euro-Ticket zu installieren, mit dem die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln vorangetrieben werden soll. Kritisch gegenüber stehen der Idee allerdings nicht nur der VRR und die NEW, denn die entstehenden Mindereinnahmen von geschätzten 0,8 Mio. bis 1,6 Mio. Euro müsste die Stadt Viersen tragen.

Bereits im Vorfeld zur Abstimmung des SPD-Antrages im Haupt- und Finanzausschuss hatte die Stadt Viersen den VRR und die NEW um Stellungnahmen gebeten, die dem Antrag kein gutes Fundament für einen Dialog mit den weiteren Fraktionen im Ausschuss verschafften, denn die Einführung des 365 Euro-Tickets „nur“ im Stadtgebiet Viersen und nicht verbundweit wird vom VRR kritisch gesehen und auch das Einschätzen der finanziellen Auswirkungen gestalte sich schwierig. So weist der VRR in seiner Stellungnahme darauf hin, dass die Stadt Viersen als Kommune mit maßgeblicher Beteiligung an einem Verkehrsunternehmen sich vorab verpflichten müsste Mindereinnahmen, die sich für die Verkehrsunternehmen aus der Reduzierung von Tarifen ergeben, auszugleichen. Es sei eine vorsichtige Schätzung, dass für die Preisstufe A, mit der es allerdings nicht möglich ist außerhalb des Stadtgebietes den ÖPNV zu nutzen, bereits rund 0,8 Mio. Euro durch die Stadt Viersen ausgeglichen werden müssten, bei einer verbundweiten Gültigkeit kämen rund 1,6 Mio. Euro auf die Stadtkasse zu.

Neben den massiven Mindereinnahmen, die dauerhaft durch die Stadt Viersen auszugleichen wären, kommen nach Auffassung der NEW noch weitere Mindereinnahmen und Auswirkungen auf diverse Zuschüsse beispielsweise für die Beförderung Schwerbehinderter, Schüler und Auszubildender hinzu, da diese Zuschüsse auf Basis der, dann deutlich geringeren, Fahrgeldeinnahmen ermittelt werden. Eine weitere finanzielle Belastung würde sich durch einen möglichen Fahrgastzuwachs bei der erheblichen Rabattierung ergeben. Insbesondere in den Hauptverkehrszeiten seien die Kapazitäten der NEW nicht ausreichend, sodass die Fahrzeuge und das Fahrpersonal erhöht werden müssten. Neben den weiteren Finanzmitteln in erheblicher Höhe, befürchtet die NEW darüber hinaus vertriebliche Wanderungsbewegungen, die dann im Rahmen der Einnahmeaufteilung zu weiteren finanziellen Nachteilen für die Verkehrsunternehmen und deren kommunale Eigentümer führen könnten. Für den Ausschuss genug Gründe, um das Projekt zunächst auf städtischer Ebene nicht weiter zu verfolgen. Da das Ticket zurzeit noch auf Kreisebene geprüft wird, entschied der Ausschuss abzuwarten, wie die umliegenden Städte und Gemeinden oder der Kreis entscheiden, denn nur mit einer breiten Aufstellung kann die Durchführung gewährleistet werden. (cs/Stadt Viersen)

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