Warnstreik der IG BAU: Schlechte Arbeitsbedingungen für Reinigungskräfte in Viersen

Die „Unsichtbaren“ stehen auf, rund sechzig Reinigungskräfte hatten hier vor Ort ihre Arbeit niedergelegt. Dass sie Viersen ausgewählt haben, hat einen guten Grund, erklärte die Regionalleiterin der IG BAU, Antonia Kühn, denn die Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte in Viersen wären nicht tragbar.
Von RS-Redakteurin Ebru Ataman

Viersen – Die Kolonne war bereits von Weitem zu hören. Gestartet im Rintgen, war die über vierzig Teilnehmer starke Gruppe durch die Innenstadt gezogen und hatte auf ihre Sorgen aufmerksam gemacht. Es war der Aufstand der Unsichtbaren, der Streik der Reinigungskräfte aus Schulen, Krankenhäusern, Rathaus und Altenheimen in Viersen. Über den Tag verteilt streikten über sechzig von ihnen, keine Schule wurde an diesem Tag in Viersen gereinigt. Bundesweit hatten die Reinigungskräfte an ausgewählten Orten ihre Arbeit niedergelegt – dass Viersen dabei war hat einen guten Grund.

„Wir haben uns heute genau die Objekte zum Streiken ausgesucht, von denen wir wissen, dass die Arbeitgeber nicht sauber mit ihren Leuten umgehen“, berichtete Antonia Kühn, Regionalleiterin der IG BAU. „Und die Schulreinigung hier in Viersen, kann ich ganz klar sagen, gehört auch dazu. Hier brauchen wir bessere Arbeitsbedingungen, so geht es nicht. Die Reinigungsfirmen buhlen um Aufträge und jeder versucht den Auftrag zu bekommen. Über den Lohn können sie den Preis kaum drücken, weil es den allgemein verbindlichen Mindestlohn für alle gibt. Also versuchen sie die Reinigungskräfte an anderer Stelle über den Tisch zu ziehen. Sie versuchen die Kräfte in immer kürzerer Zeit immer mehr Fläche bearbeiten zu lassen, sie streichen die Überstundenzuschläge, Menschen Ausbildung werden nicht richtig eingruppiert oder die Kräfte bekommen nicht die Urlaubstage, die ihnen zustehen.“ Ihre Stimme ging im zustimmenden Jubel nicht nur der Streikenden fast verloren, auch Passanten waren stehen geblieben und hatten sich in die Klatschwellen eingereiht. Kürzungen bei denen, die sowieso auf jeden Euro achten müssen. Kürzungen bei denen, die in der Nacht für die Reinigung sorgen und hinter denen her putzen, die es mit dem weggeworfenen Kaugummi oder Taschentuch nicht so erstnehmen.

Foto: Rheinischer Spiegel

Nachdem das Bundesarbeitsgericht in einem aktuellen Urteil entschieden habe, dass auch Teilzeitkräften der Überstundenzuschlag zustehe, hätten die Arbeitgeber kurzerhand den Rahmentarifvertrag Ende Juli platzen lassen. Was seitdem passiere, sei ungeheuerlich. „Viele Arbeitgeber versuchen ihre Beschäftigten dazu zu überreden, geänderte Arbeitsverträge zu unterschreiben. Wer darauf eingeht, verliert viel. Die Gebäudereinigungsunternehmen verdienen sich aktuell eine goldene Nase. Sie haben Auftragsbücher, die sind voll. Sie haben Gewinne, die nach oben steigen ohne Ende. Doch bei den Reinigungskräften kommt zu wenig an, viel zu wenig“, so Kühn. „Sie verdienen Respekt, sie verdienen einen anständigen Lohn und sie verdienen einen anständigen Tarifvertrag.“ Gewerkschafter Mahir Sahin, der bereits im Juli an einem Streik in Viersen teilgenommen hatte, berichtet, dass Beschäftigte sich unter Druck gesetzt fühlten die schlechteren Arbeitsverträge zu unterschreiben. Hier seien dringend Verhandlungen erforderlich, damit auch weiterhin die schmutzigen Toiletten, staubigen Flure und dreckige Klassenzimmer geputzt werden würden. (ea)