Was passiert im mobilen Corona-Untersuchungszentrum?

Schon vor 13 Uhr am Freitagmittag gleicht der Willicher Schützenplatz einem Parcours. Ein Drive-In-System, dessen Zentrum ein Container des Kreises Viersen bildet. Mit Beschwerden, jedoch auch asymptomatisch kommen hier Bürgerinnen und Bürger hin, die sich auf das neuartige #Coronavirus testen lassen möchten.
Von RS-Redakteur Tobias Großer

Willich/Kreis Viersen – Die war am vergangenen Freitag bereits zum vierten Mal möglich. Das rollierende System ist seit über einer Woche täglich an unterschiedlichen Punkten im gesamten Kreisgebiet zu finden und bietet Abstrichmöglichkeiten durch medizinisches Personal und Ärzte vor Ort. Auch der Durchgang mitsamt Untersuchung für Fußgänger ist ohne weiteres möglich.

Mit einer Überweisung des Hausarztes erscheinen hier im Minutentakt besorgte Menschen, die erkrankt sein könnten. Bevor aber ein Naso- und Oropharynx-Abstrich, also ein Abstrich der oberen Atemwege entnommen wird, unterzieht sich jeder mögliche Infizierte einer Indikationsprüfung, also einer ärztlichen Einschätzung. Dr. Dr. med. Lars Benjamin Fritz ist einer der Rheinlandärzte und als Arzt mit seinem Team dafür zuständig eine erste Sichtung der Patienten vorzunehmen, die Richtlinien des Robert Koch-Institutes einzuhalten und abzuwägen, ob ein möglicher Fall von CoVid-19 vorliegt. Eine besondere Situation erfordert eben besondere Maßnahmen. Er berichtet, dass die meisten der heranströmenden Menschen bereits eine Erkrankung mit den typischen Grippesymptomen hatten. Die Herantretenden leiden vermehrt an Beschwerden der oberen Atemwege, wie etwa Schnupfen, Halsschmerzen und Husten.

Foto: Rheinischer Spiegel/Tobias Großer

Auch Tim G., (39) und Susanne G. (35) aus Nettetal sind hergekommen. Bis zum Vortag waren sie noch im Ägyptenurlaub, berichten sie. Dort lagen sie bereits einige Tage mit den Symptomen einer starken Grippe flach. Da umliegende Hotels ebenfalls Infektionsfälle des Virus zu verzeichnen hatten, wurde das Pärchen kurzerhand von seiner Hausärztin an das Untersuchungszentrum überwiesen. Tim G. ist überzeugt davon, dass es solche Testmöglichkeiten gibt und hofft nun, dass sich der Verdachtsfall nicht bestätigt.

Seit Beginn der Maßnahme verzeichnet der Kreis Viersen in der ersten Woche rund 900 Abstriche. Nach und nach fließen die Testergebnisse, die Patienten im Übrigen bei ihrem Hausarzt erfragen können, dann in die Statistik ein. Mit Stand vom 24. März 2020, 18 Uhr, waren im Kreisgebiet 179 Personen von CoVid-19 betroffen. Die bestätigten Fälle schlüsseln sich wie folgt auf: Brüggen: zwei, Grefrath: 14, Kempen: 21, Nettetal: 16, Niederkrüchten: 31, Schwalmtal: fünf, Tönisvorst: 22, Viersen: 26, Willich: 34, o.A.: acht.

Aufgrund der Vielzahl an Testungen, kann es jedoch zu zeitlichen Verzögerungen kommen. Um die Verbreitung des Virus weiterhin einzudämmen sind weitgreifende Maßnahmen notwendig, die auf Bundesebene am Sonntag beschlossen wurden. Diese umfassen u. a. ein Kontaktverbot das regelt, dass nicht mehr als zwei Personen, die aus verschiedenen Haushalten stammen, zusammentreffen sollen. Restaurants und Dienstleister bleiben geschlossen, nur systemrelevante Geschäfte und Institutionen, also medizinische Einrichtungen, Supermärkte und Tankstellen geöffnet. Im gesamten öffentlichen Raum ist ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten, um das Infektionsrisiko zu minimieren. (tg)

Foto: Rheinischer Spiegel/Tobias Großer

Es werden die Personen getestet, die
– entweder aus einem Risikogebiet stammen + Symptome zeigen
– oder direkten Kontakt mit Infizierten hatten + Symptome zeigen

Warum muss man Symptome haben?
Im frühen Stadium der Infektion (erste Symptome nach 5-6 Tagen bis zu 10 Tage und möglicherweise mehr) kann es sein, dass der Test negativ ausfällt, obwohl man infiziert ist. Daher macht der Test erst bei Symptomen einen Sinn.

Foto: Rheinischer Spiegel/Tobias Großer

Was muss ich im Kreis Viersen für einen Test machen?
Zunächst die Corona-Hotline beim Gesundheitsamt des Kreises Viersen telefonisch kontaktieren. Die dortigen Ärzte beraten, nehmen ggfls. die Personalien auf und ordnen bei positiven Indikatoren eine Quarantäne an. Dies erhält man schriftlich per E-Mail.
Anschließend muss der Hausarzt telefonisch informiert werden. Dieser organisiert einen Termin für den Test und informiert seinen Patienten über Ort und Zeit. Entweder faxt die Praxis eine entsprechende Überweisung an die zuständige Stelle oder der Patient bekommt die Überweisung vom Arzt. Personalausweis + Versichertenkarte müssen zum Termin mitgenommen werden.

Wer keinen Termin hat (nicht auf der Liste steht) oder ohne Überweisung auftaucht oder den Indikatoren Risikogebiet + Symptome / Infiziertenkontakt + Symptome nicht entspricht, der wird wieder weggeschickt.

Alle wichtigen Infos des Gesundheitsamtes des Kreises Viersen findet sich auf: https://www.kreis-viersen.de/de/inhalt-53/neues-corona-virus-covid-19-6669946/

Foto: Rheinischer Spiegel/Tobias Großer

2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Großer,

    Unsere Testergebnisse sind zum Glück beide Negativ! Es war dann wohl doch die normale Grippe.

    Mittlerweile sind wir beide auf dem Wege der Besserung.
    Die mobile Station ist eine gute Sache und wir möchten uns bei allen Menschen bedanken, die trotz Corona für andere da sind und sich selbst jeden Tag in Gefahr begeben.

    Mit freundlichen Grüßen

    Tim Giebels und Susanne Gerahrds

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