Wenn der Frohsinn erwacht – Viersen tanzte in die fünfte Jahreszeit

Mit einem Schlag verwandelte sich gestern der Remigiusplatz in ein bunt schillerndes Tollhaus. Wo eben noch Besinnlichkeit herrschte, regierten nun Tusch, Tanz und Tamtam – das närrische Erwachen war da, und Viersche zeigte, dass es den Frohsinn nicht nur pflegt, sondern zelebriert.
Von RS-Redakteurin Nadja Becker und Martin Häming

Viersche – Schon am frühen Nachmittag hatte der Festausschuss Viersener Karneval die Bühne auf dem Remigiusplatz in eine glitzernde Arena der Lebensfreude verwandelt. Zwischen Ornaten und Standarten erklangen nur wenige Stunden später die ersten Klänge von Allroundmusiker Roland Zetzen. Senatspräsident Frank Schiffers begrüßte gewohnt die bunte Menge mit dem diesjährigen Motto, denn schließlich sind wir doch alle „Verliebt en oser Viersche“.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Kaum waren seine Worte verklungen, stürmten die Kleinsten der Funkengarde der KG Hoseria die Bühne und wirbelte über das Pflaster, während das Publikum klatschte, sang und schunkelte. Endlich war sie wieder da, die 5. jecke Jahreszeit, in welcher der Hoppeditz zu manch feiernder Nacht verführt.

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Zwischen Tanz, Musik und Jubel blitzte der Zauber der Tradition auf – charmant modernisiert, aber fest verwurzelt. Junge Talente, wie Gina Jolie, eroberten die Herzen im Sturm. Bald darauf zogen die „de Üüle“ mit lauten „Helau“-Rufen ein, gefolgt von der Kapellengarde des Festausschusses Süchtelner Karneval, die ohne Schwierigkeit für Gänsehaut sorgte. Erstmals auf dieser Bühne stand dagegen Bürgermeister Christoph Hopp, der frischen Wind und Schwung mit in seine Amtszeit brachte. Schon zuvor hatte er bei den Proklamationen bewiesen, dass er auf auf der närrischen Bühne sicher steht.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Aus dem Schattodrom strömten zeitgleich die Karnevalisten, um sich dem bunten Treiben auf dem Remigiusplatz anzuschließen. Doch zuvor bebte die Stadtkneipe selbst vor Heiterkeit: Dort fand das traditionelle Wettzapfen statt – eine zünftige Gaudi, die längst Kultstatus genießt. In bester Stimmung wurde gezapft, gelacht und gezählt – 357 frisch gezapfte Biere später stand das Ergebnis fest: 888 Euro für einen Viersener Kindergarten. Ein kräftiges „Helau!“ begleitete die Bekanntgabe der Summe, und es war, als hätten die Jecken im Schattodrom die gute Laune in Fässern abgefüllt, bevor sie über den Platz schwappte.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Als dann drei laute Böllerschüsse der Viersener Prinzengarde den Himmel zerrissen, war klar: Die neue Karnevalssession hatte offiziell begonnen. Die Prinzengarde marschierte mit dem Viersener Tambourcorps ein, die Musik setzte an, und die Schar der Narren verwandelte den Remigiusplatz in ein einziges Festmeer aus Farben und klingenden Orden. Frank Schiffers kündigte das künftige Viersener Prinzenpaar an – Wolfgang III. und Estefania I. Die beiden traten auf, begleitet vom donnernden Jubel der Menge.

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Ein besonders rührender Moment folgte, als auch das baldige Roahser Kinderprinzenpaar Moritz I. und Caro I. auf die Bühne trat. Mit leuchtenden Augen und stolzer Haltung winkten sie dem Publikum zu, während ihre Roahser Funken tanzten, dass selbst der Hoppeditz vor Freude schier in Ohnmacht fiel.

Auch die Blau Wette Jonges bewiesen, dass der karnevalistische Nachwuchs in Viersen längst bereitsteht, das Zepter zu übernehmen. Hierbei durfte natürlich auch die Viersener Prinzengarde nicht fehlen, die zeigte, wie Leidenschaft im Gleichschritt aussehen … genau das macht die Viersener Prinzengarde aus, der Spaß und die Freude, die sie wieder in den kommenden Wochen verbreiten wird.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Doch damit nicht genug – die Möhnen Alt Viersen brachten mit ihrem Gesang die Menge zum Schunkeln, während die Webergarde des Festausschusses Süchtelner Karneval und die Tanzgarde Alt-Viersen 2020, die in diesem Jahr ihr fünfjähriges Jubiläum feierte, die Bühne in ein Wirbelmeer aus wirbelnden Röcken und schnellen Schritten verwandelten. Gerne zu Gast war ebenfalls das bereits inthronisierte, erste Süchtelner Dreigestirn mitsamt Laura, dem wunderbaren Solomariechen der Süchtelner Prinzengarde.

Foto: Rheinischer Spiegel/Martin Häming

Als schließlich erneut Roland Zetzen die Musik übernahm und die letzten Akkorde erklangen, war längst klar: Viersen hatte sich wieder einmal selbst übertroffen. Karneval war erwacht, der Hoppeditz hatte zugeschaut – und mit ihm ein ganzes Städtchen, das das Lachen zur schönsten Pflicht des Jahres erhebt. (nb)

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