Wie können Kreuzfahrten nachhaltiger gestaltet werden?

Kreuzfahrten polarisieren schon lange die Gesellschaft. Was früher tendenziell eher von älteren Teilen der Gesellschaft genutzt wurde, wird inzwischen auch vermehrt von jüngeren als Reiseform gewählt.

Reisen – Gerade die 30- bis 49-Jährigen zeigen nun das meiste Interesse an Kreuzfahrten, danach die unter 30-Jährigen und gerade die frühere Hauptzielgruppe, also ab einem Alter von 50 Jahren, zeigt nun das niedrigste Interesse.

Welche Rolle spielt die Kreuzfahrt

Die Kreuzfahrt bleibt eine der beliebteren Urlaubsformen, gleichzeitig wird diese auch von einigen sehr negativ gesehen. Nach Statistiken sind ca. 14 % der Deutschen schon regelmäßig Passagiere auf Kreuzfahrten, weitere 20 % sind sehr positiv Kreuzfahrten gegenüber und wollen dies auch einmal buchen. 33 % der Deutschen lehnen diese Urlaubsform aber komplett ab und 40 % der Deutschen halten Kreuzfahrten für umweltschädlich.

Das Imageproblem der Kreuzfahrten

Kreuzfahrten werden von den Passagieren besonders deswegen so gerne gebucht, weil sie auf der Reise viele verschiedene Länder und Städte abdecken können, ein angenehmes Programm an Bord haben und sich gefühlt um nichts kümmern müssen. Nachdem Corona bedingt die Kreuzfahrten nahezu komplett eingestellt wurden, boomen die Zahlen inzwischen wieder. Verantwortlich für das schlechte Image sind vor allem die Antriebe der riesigen Kreuzfahrtschiffe. Sie liefen in fast allen Fällen mit Schweröl, dessen Schwefelgehalt fast 3500-mal so hoch ist, wie in den zulässigen Kraftstoffen für PKW. Schweröl ist als Kraftstoff an Land, wegen der schlechten Umwelteigenschaften auch nicht zulässig. Im Falle einer Havarie droht so enormer Schaden für die Umwelt, Tiere und zuletzt auch dem Menschen.

Foto: pixelRaw/Pixabay

Seit 2020 neue Regelung

Das klimaschädliche Schweröl im Blick hat die International Maritime Organisation entschieden, dass der Schwefelanteil im Schiffstreibstoff maximal nur noch 0,5 % betragen darf. Damit sollen die Schwefelemissionen massiv gesenkt werden und die Schifffahrt insgesamt umweltfreundlicher werden. Die neue Regelung gilt aber eben nicht nur für große Fracht- und Tankschiffe, sondern auch für Kreuzfahrtschiffe und Fähren. Damit hat der klassische Schweröl-Antrieb ausgedient und neue Technologien müssen her, um diesen zu ersetzen.

Deutsche Unternehmen im Schiffbau

Deutschland spielt eine wichtige Rolle in der maritimen Industrie. Deutsche Zulieferer versorgen vor allem in den Bereichen der Antriebstechnik, Elektronik und Umwelttechnik Werften auf der ganzen Welt. Auch Im Schiffbau selbst, spielen deutsche Werften eine wichtige Rolle bei Kreuzfahrtschiffen und Spezialschiffen für breite Bereiche. Die nun nachgefragten neuen Antriebstechniken im Schiffbau werden auch von deutschen Ingenieuren und Unternehmen entworfen.

Schiffe nachhaltiger Gestalten

Der Einsatz neuer Techniken in großen Schiffen ist seit 2020 nötig und sorgt für eine größere Umweltverträglichkeit. Dabei werden sowohl ganze Antriebssysteme getauscht, oder aber alternativer Kraftstoff genutzt.

Scrubber

Mit dem Einsetzen der IMO-Verordnung kann auch nach 2020 noch gängiges Schweröl genutzt werden, wenn die entstehenden Abgase gereinigt werden. Das erfolgt mit einem sogenannten Scrubber, eine Abgasreinigungsanlage, die den Schwefel aus den Abgasen zieht. Die Schwefelwerte im Abgas sind danach um bis zu 99 % reduziert. Gleichzeitig wird damit auch Feinstaub herausgefiltert. Bei dem Reinigungsprozess bei Schiffsabgasen wird vor allem Salzwasser genutzt.

Einsatz von speziellem Treibstoff

Eine weitere gängige Möglichkeit ist das einfache Schweröl, durch einen anderen Treibstoff zu ersetzen. Dieser ist zwar teurer, Schiffe müssen dafür meist aber keine großen Umrüstungen durchlaufen. Sogenanntes Low-Sulfur Fuel hat einen besonders niedrigen Schwefelanteil und erfüllt alle Regularien der IMO-Verordnung. Auch Marinediesel kann ein geeigneter Ersatz sein und wird schon seit 2015 in schärfer geregelten Gewässern genutzt.

LNG Antrieb

Die umweltfreundlichste Lösung soll der Einsatz von Flüssiggas sein. Die Nutzung dieses Kraftstoffes ist nahezu frei von Stickoxiden, Schwefel und es entstehen kaum Rußpartikel. Es gilt als die Zukunft der Antriebstechnik für nachhaltige Kreuzfahrten. In Zukunft werden auch immer mehr große Kreuzfahrtschiffe mit dieser Technik ausgestattet, zum Beispiel die Costa Smeralda. Damit das Gas flüssig vorliegt, muss es bei -163 °C sowohl im Schiff als auch im Hafen gelagert werden. Die Infrastrukturen müssen in vielen Häfen dafür erst geschaffen werden und auch die Nachrüstung mit Tanks und Pumpensystemen ist gerade für kleinere Schiffe kostspielig.

Nachhaltige Kreuzfahrten

Für die zukünftigen Passagiere von Kreuzfahrten wird die Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle spielen. Die Anpassung der Antriebstechnik hat jetzt schon einen großen Einfluss, aber auch andere Elemente der Kreuzfahrten werden in der Zukunft nachhaltiger gestaltet werden. Neben den CO₂-Emissionen produzieren die Schiffe mit teils mehr als 3500 Passagieren, eine große Menge an Abfällen. Gerade Essensabfälle werden meist geschreddert und einfach in das empfindliche Ökosystem im Meer entsorgt. Die Entsorgung von illegalem Müll abseits der Lebensmittelabfälle ist ein weiteres dunkles Thema. Ansätze für nachhaltige Kreuzfahrten sind also nicht nur bei Antriebssystemen zu suchen, sondern in nahezu allen Bereichen: egal ob Abfall, Abwasser, die Störung von empfindlichen Ökosystemen oder anderen Themenfeldern. (opm)

 

Ein Kommentar

  1. Sie schreiben ab dem Alter 60 Jährige ist das Interesse weniger geworden. Wenn man alle alte Leute aus den Altenheime zum Beispiel auf der AIDA Die Reisen ermöglicht, würden immer mehr teilnehmen als man denkt. Und es ist billiger als im Altenheim. Lasset die Alten doch vorm Ableben diesen preiswerten Genuss noch Erleben. Das sind wir Ihnen Schuldig und die Auslastung ist da

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